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Der Israelit · 1894-07-16 · Heft 56 (16.7.1894) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 56 (16.7.1894)
Date
1894-07-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1038 unbewachten Moment, bei ihr Feigenblättersuche entschlüpft, wollen wir uns recht sorgfältig merken. UnS steht die Wahrheit höher als der Friede. Aber Jenen, welchen der Friede als dasjenige gilt, das vor allem Noth thut, warum stören sie ihn, wenn sie doch wissen, daß der Streit ruht, sobald die Reform ruht? In Wirklichkeit wird hier nur aus der Noth eine Tugend gemacht. Dp: 82^7 rvtPSJ ns::1? {ODfT Wenn der Dieb keine Gelegenheit mehr zum Stehlen hat, nimmt er die Miene des ehrlichen Mannes an, und wenn das Reformjudenthum sich nicht mehr über Wasser halten kann, so läßt es verkünden, es tauche für einige Zeit unter, um von der Bildfläche zu verschwinden. — ES ist wahr, unsre Antisemiten halten er den Parteigängern deS Reformjudenthums bei jeder Gelegenheit unter die Nase, daß sie ihnen das Unausstehlichste, ja, daß sie allein es sind, denen ihr ganzer Angriff gilt. Aber daS hat unsere Reformapostel sonst nicht genirt, so lange sie nur noch irgendwie fähig zu existiren oder nur zu vegetiren waren. Die Jugendzeit der Reform fällt in die Hepp- Hepp-Zeiten, hat sie damals der Friede in Israel zurückgehalten, ihr Werk der Zwietracht zu eröffnen und fortzusetzen? Hat es denn je eine Zeit gegeben, in der unS die äußeren Feinde gefehlt hätten, denen zu Liebe das altersschwache, abgewirthschaftete Reformjudenthum nun auf einmal die Segel zu streichen vorgibt? 6rsäat Judaeus Apella! Zeitnngsrrachrichte« rrud Correspondeuzerr Deutschland. Frankfurt a. M, 12. Juli. Aus Ihrem geschätzten Blatte vom 5. Juli ersehe ich zu meiner größten Bestürzung, daß ns»v oms nuio psjn rnn y'si ijfbojm pnbtt nicht mehr unter uns weilt. Da ich ein Schüler des großen Heimgegangenen bin, so fühle auch ich mich veranlaßt, einiges aus seinem Wirken und Schaffen der Nachwelt bekannt zu geben. Es ist heute mehr als je am Platze, das Leben eines solchen edelen hervorragenden Mannes zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, damit sich ein Jeder befleißige, die große Lücke auszufüllen, die uns durch den Tod dieses in jeder Beziehung idealen Mannes entstanden ist. Er ist nicht nur seiner edlen Gattin und seinen Kindern wüy entrissen, sondern leider auch der ganzen jüdischen Nation. Er war die Krone des ächten Judenthums. Mit ihm ist ein großer Schatz von Wissen zu Grabe getragen worden. An ihm verliert die jüdische Welt einen thatkräftigen Lehrer. Es würde zu weit führen, alle gute Eigenschaften anzuführen, die unser großer Lehrer besessen. — Ich will daher nur Weniges erwähnen. — Bon frühester Jugend lernte und lehrte er min, aber nicht etwa für Geld- Im Gegentheil, er suchte noch zu bezahlen, wenn er jemanden gefunden, der bei ihm min lernen wollte. Unsere 'p.i mm war sein höchstes und einziges Ziel. Er hatte sein ganzes Leben nur dem Torahftudium gewidmet, trotzdem er selbst die größten Nahrungssorgen hatte. Er lernte nMn di» und ist gar oft die ganze Nacht garnicht aus den Kleidern gekommen. Er hatte einen seltenen Fleiß entfaltet, wie er kaum jemals angetroffen wird. Hatte ein Schüler etwas nicht so leicht verstanden, dann hat er es ihm so lange erklärt, bis es demselben klar geworden war. Es war dem großen Lehrer W stets eine große Freude, wenn er sah, daß er Erfolg erzielte und durfte die Mühe noch so groß gewesen sein. Er ärgerte sich nicht über die Mühe, die er dabet hatte, sondern freute sich über das Gelingen. In dieser aufopfernden Weife brachte er nicht nur seinen größern Bachurim die rupvis und enoj bei, sondern bemühte sich in gleicher Art dem Anfänger die erste Elementarlehre mit der gleichen bedeutsamen Wichtigkeit einzuschärfen. Wenn er allein lernte und noch so vertieft war und ein Schüler hatte ihn etwas zu fragen, war er stets freundlich, trotzdem er gestört wurde. In dieser Hinsicht konnte man ihn nie verdrießlich machen. Er war im Sinne des Wortes ein temp- Bon seiner äußern Erscheinung konnte man übrigens auf sein Inneres schließen. Für seine Schüler sorgte er wie ein Vater. Er hatte sich die Last für alle auf seine schwache Schulter geladen. Dieses Wirken erstreckte sich nicht nur auf seine ornm im Hause, sondern weit hinaus über die deutsche Gauen. Wo etwas Edeles in unserer 'npn min zu fördern war, trug er immer in reichlichem Maße dazu^ bet. Wer ihn so genau kannte wie ich, der wird nie die Gottesfurcht vergessen, die den großen Lehrer und Meister y* auf jedem Pfade begleitet hat. Seine ganze ungetheilte Kraft stellte er in den Dienst Gottes und seines Gesetzes. Sein Grundsatz war für unsere 'npn mm stets selbst mit dem Leben einzustehen. Ihm war die kleinste niyo in der Beobachtung gleich bedeutend wie die größte. Streng hielt er selbst die geringste Aussage unserer b“in fest und lud sich dadurch große Opfer auf. Jeden Morgen weckte er persönlich seine onim zur Synagoge. Ein materielles Vermögen hatte er nicht im Besitz; im Gegentheil, es wurde ihm schwer und sauer das Nöthtgste für den Haushalt herbei zu schaffen. Seine edle Frau n*»oy führte s. Zt. das Geschäft, damit er nur ungestört min rmo sein konnte. Gar oft sollte er ein Rabbtnat annehmen, lehnte das Anerbieten aber immer ab, weil er sich auf keine Konzessionen einlaffen wollte. Als vor 16 Jahren die Trennung der isr. Gemeinde in Frankfurt a. M. durch Herrn Rabbiner Hirsch sich vollzog, da berief ihn die isr. Hauptgemeinde in Frankfurt a. M. zum Rabbiner ihres neubegründenden Rabbtnats, um den Bestrebungen des Herrn Rabbiner Hirsch einen Damm entgegen zu setzen. Diese Offerte hat natürlich dieser klarsehende große Mann abgelehnt. Er sagte ganz einfach: Einen Rabbiner Hirsch

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