Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 56 (16.7.1894)
- Date
- 1894-07-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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sten Augsburger Synode ein Amtsbruder öffentlich erklärte, daß kein Mensch mehr an sie denkt, ge« schweige denn, sie als Gesetz ansteht. „Dies alles und noch viel mehr als das werden sie nachzuholen und wieder gut zu machen haben, wenn ihr Thun und Lassen nicht ihre eigenen Worte Lügen strafen soll. Man mag über die Erklärung der deutschen Rabbiner denken, wie man auch immer wolle, auch derjenige der an diesen Schritt keine sanguinischen Hoffnungen knüpft, wird sich mit ihr einverstanden erklären, wenn er diese Folge haben haben wird, die er doch ehrlicher Weise haben müßte!" Diese Folge ist selbstredend nicht etngetreten; das hat auch keiner, der seine Pappenheimer kennt, jemals im Ernst erwartet. — Man Ijat es uns sogar von nahestehender, gesinnungsgenössischer Seite vielfach verübelt, daß wir unserem Mißtrauen gegen die Erklärung von vornhinein entschiedenen Ausdruck gaben. Man legte uns nahe, welch' großer Gewinn für unsere heilige Sache darin liege, wenn v'iwm D'ynB sich nun öffentlich zu Prinzipien bekennen, die bislang lediglich in der Gypsstraße zu Berlin und in Mainz ihre Vertretung hatten. Aber für den Pfaffentrug, der diesem ganzen Gebühren zu Grunde liegt, und den jeder, der nicht Wahrhetts-blind ist, mit Fingern greifen muß, hätten uns alle Vortheile der Welt nicht entschädigen können. Heute wird sich Niemand mehr über das Problematische dieser Vortheile täuschen können. Was ist der Wahrheit, ihrer Kenntniß, Anerkenntniß und Verwirklichung gedient, wenn ihre Leugner ihre Unterschrift unter sie setzend Nichts. Es ist ja im täglichen Geschäftsleben auch nicht anders. Wenn der redliche, solide, gute fundirte Mann seine Unterschrift für seine Verpflichtung einsetzt, so ist der Gläubiger gesichert. Der Schwindler bietet seine Unterschrift zehnmal an, was ist dem Gläubiger damit gedient d Nichts. Die Rabbiner, die vor Jahren nicht fürchteten, durch ihre Unterschrift ihr ganzes bisheriges Auftreten und Wirken zu verleugnen, werden auch nicht davor zurückschrecken, ihre Unterschrift wieder zu verleugnen, sobald es in ihren Kram paßt. Alles, natürlich unter Beistand Gottes und zur Steuer der Wahrheit. Auf eine Inkonsequenz und Unterschrift mehr oder weniger kommts Leuten dieses Schlags nicht an. Wenn man sie selber ganz hat, hat man nichts, mit wie viel Graden minus null, ist dann erst der Besitz ihrer Unterschrift zu taxiren! Diese Leutchen sollen nur ruhig ihre Ideale wieder exhumiren, die sie unter Beistand Gottes bei ihrer Schild-Mithalterschaft begraben haben. Es hat sie noch Niemand je in dieser Todtengräberarbeit gestört und sie haben auch für die Folge keine Störung zu fürchten. Wer da lieft, daß jeder Schritt vorwärts durch das Geschrei niedergedonnert wird: Das Vaterland ist in Gefahr und da müsse der innere Zwist schweigen, der mag leicht zu dem Glauben verleitet werden, die bösen Orthodoxen seien diese Schreier. Daß dies aber durchaus nicht der Fall ist, daß diese Donnerer sich vielmehr auf der Seite gerade der Herren Rahmer, Brüll, Deborah u. Comp, befinden, sind wir in der angenehmen Lage aktenmäßig beweisen zu können. Die „Allg. Zeitung des Judenthums" schilderte im März 1892 in ihrem Leitartikel „Eine Gefahr." — „Die Gefahr", heißt es daselbst, „von welcher wir heute sprechen wollten, liegt darin, daß die Idee der Reform in dieser langen Zeit des Kampfes gegen den Feind, der uns von außen bedroht, nicht versumpfe und nicht untergehe." — „Und doch ist nichts natürlicher, als daß die Vertreter der Reformjuden in der trüben Zeit, die wir erlebt, theils um den Frieden im Innern zu sichern, theils um den äußeren Feind wirksam zu bekämpfen, geschwiegen und die Arbeit einstweilen aufgegeben haben. Was uns damals und was uns heute noch vor allem Noth thut, das ist Friede in Israel. — — Von dieser richtigen Erkenntntß ausgehend, hatman dteArbeit der Reform ruhen lassen, in der Ueberzeugung, daß man sie wieder inbesseren Tagen, um so ausstchtsvoller werde aufnehmen können." Diese besseren Tage scheinen in ihrer maßlosen Selbstverblendung die Herren Rahmer und Genossen für gekommen zu erachten. Sie fangen daher an ihre lästige Maske zu lüften und aus der schlecht einstudirten Rolle zu fallen. Zu ververlieren und zu gewinnen haben sie nichts. — Von dem, was wir damals diesem Stoßseufzer der Allg. Zeitung des Judenthums entgegen zu setzen hatten, empfehlen wir unserem Trifolium folgende Sätze zur Berücksichtigung, wenn auch zur ungeneigten: „Ist das nicht ein herrliches Geständniß, das für jene bessere Zeiten festgenagelt zu werden verdient?! Bis jetzt waren es die Orthodoxen, die von den taubensanften, lilienweißen Wortführern der Reform als die Friedensstörer geächtet wurden, und jetzt? Wenn Friede in Israel sein soll, muß die Reform ruhen, ihr Dasein, ihr Wirken also ist er, das der eigene Anwalt als Quell aller Zwietracht bezeichnet, die die jüdischen Reihen in feindliche Parteien scheidet! Wir wußten das schon lange ürD tn O’&nn ‘tt ira’ D'-ij/tP, so oft sich Israel neue Götter wählte, war auch der Streit in seinen Thoren. Aber daß die Schöpfer und Priester dieser neuen Götter nun auch zu dieser Erkenntniß gelangt sind, und daß ihnen dieses Geständniß in einem