Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 55 (12.7.1894)
- Date
- 1894-07-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1025 bilar wurde 1818 in Lechenich, die Jubilarin 1819 in Köln geboren. Seit 1866 haben sie ihren Wohnsitz in Köln. Wie ihr ganzes Leben lang die Jubelbrautleure eine offene Hand hatten, so haben sie auch an ihrem Ehrentage reichliche Spenden für die Armen und für öffentliche Wohlthättgkettsanftalten gestiftet ohne jede Rücksicht auf Konfessionsverschiedenheit. Herr Simon Simon ist seit langen Jahren im Vorstande der Kölner Synagogen-Gemeinde, Vorsitzender der israelitischen Armenverwaltung und des ältesten hiesigen israelitisch-religiösen Wohlthätigkeitsveretns und zählt zu den Mitgliedern des Kuratoriums des israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache seit dessen Gründung. Alle diese Anstalten haben in dem Jubilar auch einen stets opferwilligen Gönner. Am Vorabende erstrahlte bet der Ankunft des Jubelpaares das Haus im schönsten bengalischen Lichte. Unterdessen hatten sich im Hofe die Mitglieder des Mannergesangvereins „Polyhimnia" aufgestellt und sangen die Chöre „So viel Stern am Himmel steh'n", „Minnelied" und mein Herz thu dich auf." Herr Kornelius Mathias Dederichs brachte alsdann ein begeistert aufgenommenes Hoch auf das Jubelpaar aus, worauf der Jubilar, sichtlich gerührt für die ihm und seiner Gattin dargebrachte Ovation herzlichst dankte. Alsdann wurden die Sänger auss freundlichste bewirthet. Unterdessen hatte sich auf der Komödienstraße eine nach Tausenden zählende Menschenmenge eingefunden; das Jubelpaar zeigte sich derselben, worauf nicht endenwollende Hochrufe auf dasselbe ausgebracht wurden. Am Festmorgen brachte die Kapelle des 65. Infanterie-Regiments den alten Leuten eine Morgenmusik dar. Alsdann fand die Beglückwünschung statt; der älteste Sohn des Jubelpaares hielt an dasselbe eine herzliche Ansprache; die Beamten des Hauses spendeten einen prachtvollen Blumenkorb. Zuerst erschien Vormittags der Vorsitzende des Vorstandes, Herr I. deJonge, mit einer Deputation und überreichte eine schön ausgestattete Adresse, in welcher das segensreiche Wirken des Jubilars um die Gemeinde, besonders um das Armenwesen, hervorgehoben wird und die besten Wünsche für das Jubelpaar ihren Ausdruck finden. Außerdem hielt Herr de Jonge eine schöne Ansprache, in der er auch seine persönliche Gratulation ausdrückte. Rach diesem trat Herr Rechtsanwalt Eltzbacher vor und überbrachte die Glückwünsche des Israel. Asyls für Kranke und Altersschwache. Hierauf erschien eine Deputation der Chewro Gemilut Chaffodim, bestehend aus den Herren M. Schlicher, B. Auerbach und M. Koßmann unter Führung des Ehrenmitgliedes des Vereins, Herrn Rabbiner Dr. Frank, welch' letzterer in einer feierlichen Ansprache den Jubilar als Vorsitzenden der Chewro begrüßte, dessen Verdienste um dieselbe betonte und eine ebenfalls schön ausgestattete Adresse vorlas und überreichte. Alsdann beglückwünschte der Vorsitzende des Kuratoriums der Israel. Waisenstiftung, Herr Rabbiner Dr. Frank in Begleitung des Herrn Assessors H. Fleck das Jubelpaar und schilderte in kurzen Umrissen die schnelle Entwickelung dieser Stiftung, an deren Gedeihen das Jubelpaar den größten Antheil genommen. Der Höhepunkt der Gratulationsfeter war, wie das Jsr. Gem.-Bl. meldet, nunmehr gekommen, als Herr Rabb. Dr. Frank die von Sr. Majestät dem Kaiser Allerhöchst verliehene Ehejubiläums-Medaille überreichte und die dieselbe begleitende Gratulattonsschrift aus dem Geheimkabinet des Kaisers vorlas. Der Rabbiner hob in seiner feierlichen Ansprache hervor, daß Se. Majestät der Kaiser in seinem eigenen Familienkreise ein mustergiltiges Vorbild sei für die Bürgerschaft und der Kaiser sich freue, wenn echter Familienstnn und gottesfürchtiges Familienleben allenthalben hervortrete. Zum Schluß gratulirte Herr Dr. Frank in seiner Eigenschaft als Rabbiner der Syuagogen-Gemetnde und bezetchnete das echte jüd. Familienhaus des Jubelpaares, das er aus eigener Anschauung seit vielen Jahren kenne, als eine Zierde des Judenthums. Hier vereinigen sich Religion, Gottesfurcht, Familiensinn und Menschenliebe zu einem einheitlichen Bunde und darum lohnte Gott das Jubelpaar, daß es ihm vergönnt sei, umgeben von allen Kindern, Enkeln und Urenkeln, dieses seltene Familienfest zu begehen. Nach einer kleinen Pause erschien noch eine Deputation christlicher Nachbarn, um, das friedliche nachbarschaftliche Verhältniß betonend, die besten Glückwünsche für das rüstige Jubelpaar darzubringen. Herr Simon sowie seine Gattin, von diesen wohlverdienten Ehrungen tiefgerührt, dankten in längerer und kürzerer Antwort jeder Deputation. Ungezählte Briefe und Depeschen kamen aus der Nähe und Ferne und bekundeten die allgemeine Beliebtheit des Jubelpaares, dem auch wir aus vollem Herzen einen langen, freudigen, gesunden Lebensabend wünschen. Am Nachmittag fand auf der Marienburg die Feier im engsten Familienkreise statt. Rußland. Petersburg, 4. Juli. In Astrachan sind 54 jüdische Familien, die dortselbst kein Wohnrecht hatten, nach dem jüdischen Anstedelungsrayon ausgewiesen worden. Die Ausgewiesenen, meist arme Leute, die sich mit dem Detail-Fischhandel beschäftigten, sind von ihren begüterten Glaubensgenossen nach Kräften unterstützt worden. Einige russische Blätter drücken die Befürchtung aus, daß infolge dieser Ausweisungen der Astrachan'sche Fischhandel leiden werde, da die betriebsamen Juden eine Reihe von