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Der Israelit · 1894-07-12 · Heft 55 (12.7.1894) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 55 (12.7.1894)
Date
1894-07-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1018 lehrten erlitten hat. Unter Zugrundlegung der Jeruschalmi-Stelle ivy rbn uns im« idvo 'oi ]iddidk nni schilderte hierauf in beredten Worten Herr Seminarlehrer Dr. Dachauer Würzburg die große Gelehrsamkeit und hingebungsvolle Frömmigkeit des Dahingeschiedenen, der mit Hintansetzung seiner eigenen Person seine einzige Lebensaufgabe in niryto norb fand. Tief ergriffen setzte Herr Distrikts-Rabbiner Wtßmann»^ — Schwabach in längere Rede auseinander, wie der Verblichene dhdh rrfrojn moy min in der peinlichsten Weise ausübte und hob dabei ganz besonders hervor, in welch' hervorragender Weise er sich an der Errichtung und Erhaltung der Talmudschule Schwabach betheiligte. Herr Rabbiner Ansbacher, Nürnberg konnte sich in seinem tiefen Schmerze um den herben Verlust nicht zurückhalten, dem Heimgegangenen Freunde noch einige Abschiedsworte nachzurufen. Herr Präparanden-Hauptlehrer Eschwege ließ sich durch Herrn Distrikts-Rabbiner Bamberger, Würzburg entschuldigen, daß er durch Heiserkeit am Sprechen gehindert sei. Wir schließen unseren Bericht mit dem Wunsche, daßn"2pn den ttefbetrübten Hinterbliebenen seinen Trost spenden, und daß es den dazu berufenen Persönlichkeiten gelingen möge, die im Lehrerkollegium der Präparandenschule Höchberg entstandene Lücke durch die Wahl eines würdigen Nachfolgers anszufüllen zum Heile der Schule und des ganzen Judenthums. unsns nx 'n inem Marburg, 4. Juli. Wie verlautet, siedelt Dr. Böckel am 1. October nach Berlin über. Ein Berliner Buchdruckereibesitzer soll seine Druckerei und Verlag des „Reichsherold" angekauft haben und Dr. Böckel als Redakteur mit ziemlich hohem Gehalt anstellen wollen. Die letztere Nachricht scheint nicht sehr glaublich; denn der „Reichöherold" rentirt längst nicht, und Böckel dürfte als in Berlin ansässiger Redakteur noch weniger die Fähigkeit besitzen, dieses liederlich und wirr geschriebene Blatt zu heben, als er dies als hessischer „Messias" vermocht hat. Im Wahlkreis MarburgsKirchhain- Frankenberg hat Böckel seit seinem Umfall in der Militärvorlagesache allen Kredit verloren. Dagegen besitzt er in anderen Gegenden noch ziemlich starken Anhang. Glogau, 4. Juli. Die Antisemiten planen das in der zweiten Hälfte des Juli in Breslau stattfindende allgemeine deutsche Turnfest für ihre Radauintereffen nutzbar zu machen. Aus einem vertraulichen Rundschreiben an alle antisemitischen Vereine ergiebt sich, nach der „Berliner Presse," daß an einem geeigneten Festtage eine große Versammlung aller Turner einberufen werden soll, um durch den Abg. Zkmmermann darauf hinzuweisen, daß die Turnerschaft nicht nur die körperliche Ausbildung ihrer Mitglieder zu pflegen, sondern auch vor allem die Verpflichtung habe, ein Hort echt deutsch-nationalen Empfindens und deutscher Sitte (Vorbilder: Leuß, Dr. Böckel, Ahlwardt rc.) zu sein. Da das geplante Unternehmen große Kosten verursacht, so werden gleichzeitig die antisemitischen Vereine um eine entsprechende „Beihilfe in bar" ersucht. O e ft e r r.- U n g a r. Monarchie. Wien. Vor einem Erkenntnißsenate unter dem Präsidium des Viceprästdenten Dr. Ritter v. Holzinger erhob Reichsrathsabgeordneter Dr. Bloch Einspruch gegen das Erkenntniß der Staatsanwaltschaft vom 27. April 1894, mit welchem die Nummer 17 der von ihm herausgegebenen „Oesterreichischen Wochenschrift" mit Beschlag belegt wurde. Anlaß zu dieser Maßregel gab ein gegen Pfarer Dr. Deckert gerichteter Artikel, welcher den Titel führte: „Die Judenmord-Predigten in der Kirche zu Weinhaus. Ein Wort der Abwehr." Staatsanwalts-Substitut Freiherr v. Distler führte aus, daß einzelne S ellen dieses Artikels Angriffe auf die katholische Kirche, die Institution des Papstthums und ein Dogma der katholischen Kirche enthalten. Der Vertreter deS EinspruchSwerberS, Dr. Emil Frifchauer, meinte, so verlockend es wäre, darauf einzugehen, daß Pfarer Dr. Deckert in Folge seiner Predigten nicht verfolgt wurde, während die Entgegnung Dr. Bloch's auf diese Angriffe durch Confiscation einfach beseitigt werde, so wolle er hier die Ursachen der doppelten Handhabung des Gesetzes nicht untersuchen. Der Artikel des Dr. Bloch sei eine Antwort auf die Predigten des Pfarrer Deckert. Dieser habe es mit seinen priesterlichen Pflichten vereinbar gefunden, förmliche Hetzreden gegen die Juden zu halten; er habe in diesen Alles, war dem Juden heilig ist. verspottet, sich nicht gescheut, ganze Capitel aus Weber's „Demokritos" als solche aus dem Talmud seinen Gläubigen vorzulesen, und dadurch bewußt den Talmud gefälscht. Da die Behörde nun hiegegen nichts gethan habe, mußten sich die Juden selbst helfen. WaS thut nun Dr. Bloch? Er sage, eS wäre so leicht, aus einzelnen abgriffenen Stellen, aus scholastischen Ausführungen von Kirchenvätern gegen den Katholicismus Angriffe zu erheben, füge aber bei, daß so etwas unstatthaft sei. Warum nun, frage Dr. Bloch in seinem Artikel, ist es dem Pfarrer Deckert gestattet, aus einzelnen Vorkommnissen im Judenthum auf das ganze Judenthum zu schließen? Der Aufsatz sei nichts Anderes alseine Abwehr des Dr. Bloch; es muffe sonach dem Einsprüche stattgegeben werden. Hierauf ergriff Dr. Bloch das Wort zu folgenden Ausführungen: Ich sehe mich gegen meine Absicht genöthigt, das Wort zu ergreifen, um auf einzelne Bemerkungen des geehrten Vertreters der Staatsbehörde zu antworten. Vor Allem protestire ich gegen die Zumuthung, als ob der Artikel einen Angriff gegen die katholische Kirche enthielte. Ich gehöre einem parlamentarischen Club an, welcher die Interessen des conservativen Gedankens und der katholischen Kirche insbesondere stets wahrte. Als jüdischer Geistlicher habe ich längst die Ueberzeugung gewonnen, daß der gegenseitige Kampf der Confessionen, mit den Mitteln des Haffes und der Verbitterung geführt, bloß der Glaubenslosigkeit Vorschub leiste. Nicht ein einziges Wort findet sich in dem confiscirten Aufsatze, welches die Ehre der katholische Kirche antasten würde oder gegen die Institution des PapstthumS gerichtet ist. Wenn ein Urtheil des Cardinals Barionius über die Päpste des X. Jahrhunderts citirt und wenn gefragt wird, ob Johannes XII., Gregor V., Johann XVI., Bonifacius VII. und Urban VI. heiliger waren als der Erzvater Jacob, so wird materiell von diesen Päpsten auch nicht Ein nachtheiliges Wort

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