Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 55 (12.7.1894)
- Date
- 1894-07-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1017 getreten sind, sondern, daß sie schon seit undenklichen Zeiten vorhanden sein mögen. Wir haben dagegen zu bemerken: Diese Frage, wie lange diese Ungeheuer schon Gut und Blut der Menschheit bedrohen, ist noch nicht entschieden. Wenn auch vieles dafür spricht, daß sie lange schon vorher wütheten, bevor menschliches Wiffen davon eine Ahnung hatte, so läßt sich die Annahme doch leichter behaupten als beweisen. weil uns vor wenigen Jahren noch die optischen Instrumente abgingen, durch die sich allein das Vorhandensein dieser Lebewesen feststellen läßt. Aber angenommen diese Quälgeister der Menschheit hätten immer extsttrt, so sind sie diese gefürchtete Gottesgeißel doch erst geworden, seitdem man sie sehen kann, seitdem man von ihrer Existenz weiß. Was bei den vp»td, bet den uns von allen Seiten umgebenden schädlichen Einflüssen im allgemeinen gilt, hat gewiß seine volle Anwendung auf die in Rede stehende Mastkim. nwfc .nVdV’n ppnon ’JSD moyb rfcia» ma pK „hätte das Auge die Fähigkeit alles zu sehen, so gäbe es keinen Bestand vor den Masikim. (Berachoth fol. 6 a.) Wir wissen cs jetzt mit Hilfe unserer Vergrößerungsgläser, daß es verschwindend kleine, nicht zu fastende, nicht zu bändigende und nicht zu vertilgende Lebewesen gibt, die früh und spät, im Palast und in der Hütte unser Leben bedrohen und unser Dasein gefährden. Bis jetzt ist es der Wissenschaft nicht gelungen, ein Mittel gegen diese nvn mjn zu finden, die Fähigkeit der Wissenschaft war gerade hinreichend, um uns den Tod zu zeigen, der an allen Ecken und Enden auf seine Opfer lauert, aber wie man diesen Tod bannt, auf diese Frage bleibt sie beharrlich die Antwort schuldig. Hat uns aber die Wissenschaft der Bacillen und Tuberkeln bis jetzt nur den Tod mit ihren Fernröhren uns zeigen können, der wörtlich genommen pilzartig allenthalben aus dem Boden schießt, dann hat sie sich nicht als Bringerin und Förderin des Lebens, sondern als Botin des Todes bewährt. Wir wissen ja, daß der Todesbote my xte voller Augen ist. Vielleicht hat noch keine Zeit vor uns ein so entwickeltes Sehvermögen gehabt als unsere Zeit. Wir leben in einer Zeit niK-b yj6 mr-i mnw. Wollen wir uns wundern, daß es so viel fehlgeschlagene Erwartungen, so viel getäuschte Hoffnungen, so viel gebrochene und vernichtete Existenzen gibt, wollen wir uns wundern ypuon >jbd rto nna \w? Als Gott seine Welt schuf, gab er ihr ein Licht, mit welchem man von einem Ende der Erde ans andere sehen konnte. Aber mit Rücksicht auf die schlechten Menschen verhüllte er es für jene Zeit, in der es nur brave Menschen geben wird. Wenn schlechten Menschen ein Licht leuchtete, durch welches sie die verborgenen Geheimnisse des anderen sehen könnten, so wäre dieses Licht ihr Untergang! Wenn mit den Fortschritten des Geistes die des Gemüthes, der Sittlichkeit nicht Schritt halten, dann stehen die geistigen Errungenschaften nicht im Dienste des Lebens, sondern des Todes, dann fördern sie nicht das Glück, sondern das Wch der Menschheit, dann bleibt das alte Memento jüdischer Spruchweisheit auch für unsere Zeit eine durch jeden neueren Fortschritt aufs neue bestätigte Wahrheit: ^dv aifcoo *vdv njn. „Je mehr Wissen, desto mehr Weh," und man braucht in einer Welt, in welcher rav opn ^’n, nw njnaw en vogue sind, nicht lange nach den Rachegetstern zu suchen, welche der verletzten Majestät Gottes und seines Gesetzes wieder zu ihrem Rechte verhelfen. .N’Jtwb ttboz >3 f?V Dwj?7 P'v 1,-U'dt "SN 1DN (Fortsetzung folgt.) ZeiturrgSnachrichten und Correfpondenzerr. Deutschland. Höchberg, 4. Juli. Wie schon telegraphisch gemeldet, fand vorgestern die mD' pnst rmn bv rrrap nytoyn pr6« ntera oms rmno dVw statt. Hierzu hatten sich von Nah und Fern Schüler, Freunde und Verehrer desselben sehr zahlreich eingefunden, um dem edlen Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen und damit auch kund zu thun, welche Hoch, achtung demselben im Leben entgegengebracht wurde. Das kam auch in den gehaltenen vnvOn zum Ausdruck. Nachdem in einem Nebenraum der Synagoge die mntD vorgenommen war, sprach ein sehr intimer Freund und Studiengenosse -nyjn bw Herr Rabb. S. Ansbacher ") in Nürnberg in der Synagoge. In ergreifenden Worten entrollte er ein Lebensbild des Freundes, schilderte er den Eifer, mit welchem er sich sowohl beim Lernen als auch beim Lehren von p"mn hingab und pries, ihn mit wan ntpo vergleichend, dessen große Bescheidenheit, indem er ganz unbekümmert um äußere Anerkennung seine höchste Befriedigung darin fand, für die Ausübung unserer heil. Thoravorschriften zu wirken. Als treuer Freund konnte Redner nicht unerwähnt lassen, daß der Verblichene in seinem Wirken vielfach verkannt wurde und er infolgedessen häufige Anfeindungen zu erdulden hatte, die er sich jedoch gerne gefallen ließ, wenn er nur seinen Hauptzweck pnrn Dvp erreichte. Nach diescrRede setzte sich der imposante Leichenzug in Bewegung. Auf dem Friedhofe angelangt, ergriff Herr Distrikts-Rabbiner Bamberger ’ j — Würzburg das Wort und beklagte anlehnend an die Talmudstelle nante ürwa dn /%,ai mp »aiw tryino den großen Verlust, den das! Judenthum durch die Abrusung dieses großen Ge-