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Der Israelit · 1894-07-12 · Heft 55 (12.7.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 55 (12.7.1894)
Date
1894-07-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1016 leicht hundert Heuhüpser-Längen, was eine dreißigb!s vierzigmal größere Muskelkraft als die des Pferdes beweist. Mancherlei Insekten, die, ohne die Erde zu berühren, 4—500 mal so weit sich fortbewegen können, als sie selber lang sind, besitzen noch eine wesentlich größere Muskelkraft, obwohl sie bedeutend kleiner sind. Man kann dieses Experiment noch verschiedenartig ausführen und man wird immer zu demselben Resultat kommen: Die eigentliche, innere Körperkraft ist um so kleiner, je größer der Körper und um so größer, je kleiner der Körper ist. Das klingt paradox, hat aber seine volle Richtigkeit. Ein Bekannter, der sich sehr schwach fühlte, erhielt starke Hühnersuppe verordnet, die er aber nicht gerne nahm. Er lehnte sie ab mit der Begründung, was er denn gewonnen habe, wenn er erst die volle Kraft eines ganzen Huhnes wirklich besäßet So plausibel dieser Einwand auf den ersten Blick auch aussieht, so falsch ist er, weil thatsächlich die Muskelkraft eines Huhnes, einer Taube u. s. w. bedeutend größer als die des Menschen ist, wovon sich jeder leicht selbst überzeugen kann. — Wenn man mit den Armen die Bewegung des Fliegens nachmacht, also die Arme genau so auf- und abwärts bewegt, wie die Vögel ihre Flügel beim Fliegen heben und senken, so wird man selten Jemanden finden, der diese Bewegung eine Viertelstunde lang aushält. Und die kleinen, schwachen Vögel können diese Bewegung Stunden lang fortsetzen, sie machen Ausflüge über große Meere, auf welchen sie Tage und Nächte lang nicht einmal einen Ruhkpunkt haben! Alle diese und ähnliche Experimente führen zu dem merkwürdigen Ergebniß: Die Körperkräfte sind um so gröber und wirken um so nachhaltiger, je enger concentrirt sie bet den einzelnen Lebewesen auftreten. Hierin bekundet sich die unerreicht, oft kaum geahnte und jedenfalls in ihrer Tiefe unbegriffene Meisterschaft des Schöpfers und Reglers aller Kräfte, daß er sie um so mächtiger walten läßt, je beschränkter der für ihre Entfaltung gezogene Raum ist. Auch in diesem Sinn ist das Wort wahr, daß in der Beschränkung sich der Meister zeigt. Nicht nur in unserem sittlichen Leben, im Weben und Walten der ganzen Natur ist die Wahrheit giltig, welche Rabbi Jochanan in die Worte kleidete: otp rr'Dpn bv lrbna mstd rrwtp d^d hsn munuy wrienrw. „Ueberall wo Du GottesGröße findest, dort findest Du seine Herablassung." Gott ist im Kleinen grob, während die Menschen im Großen so klein und kleinlich sind, er sucht das Kleine, Winzige, Unscheinbare auf, um gerade dort seine Lebenskräfte in ihrer ganze Fülle zu entfalten. Sinnig weisen die Kabbalisten darauf hin, wie diese Eigenart der göttlichen Wallung schon in dem Zahlenwerth sich ausspricht, welchen der vierbuchstabige, unaussprechliche Gottesname repräsentirt. Das ', die beiden n und das i des Gottesnamens bilden den Zahlenwerth 26. — Die Quersumme von 26 — 8. 2 X 26 52; die Quersumme 7. 3 X 26 78; die Quersumme^ 15 6 u. s. w. In Worte gekleidet, sagen die Zahlen: Je kleiner der Name Gottes in die äußere Erscheinung tritt, desto größer und tiefer ist sein inneres Walten, und umgekehrt, umgekehrt. Wir sind hierbei etwas länger verweilt, weil die hier uns beschäftigende Wahrheit der landläufigen, oberflächlichen Anschauung nicht zutreffend scheint. Müssen wir aber nach den bisherigen Boraussetzunngen die höchste Lebenskraft gerade bei den allerkleinsten Lebewesen suchen, dann sind die schlimmsten mjn nm nicht unter den Hyänen und Tigern zu suchen, sondern in einer Welt, die erst ganz kürzlich für uns aufgegangen ist, in der Welt der Mikroben, Bacillen und Sporen, welche heute in der ganzen civilisirten Menschheit auf der Tagesordnung stehen, welche den Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung, der Conversation und der angelegentlichsten Sorge aller Gesellschaftskreise bilden. Löwen und Tiger find harmlose Schoßhündchen, gegen diese reißenden Raubthiere. Wenn unsere Weinberge, wenn unsere Wälder durch Wildschwein, durch Panther und Leoparden der Gefahr der Verwüstung ausgesetzt wären, so gäbe es Pulver und Blei, so gäbe es Nimrode, so wäre die Möglichkeit vorhanden, das bedrohte Gebiet mit Wall und Graben zu umziehen und es so abzuschließen. Wenn aber die Reblaus und der Borkenkäfer die Verwüster unserer Fluren sind, dann steht der Einzelne und die Gesammtheit diesen mjn nvn nicht nur machtlos gegenüber, sondern man verwüstet Bäume und Weinstöcke aus freien Stücken selber, um die inficirten Stellen möglichst einzuschränken und zu isoliren. Und wenn diese nijn nvn erst die Gesundheit zu vergiften und das Leben selbst anzugreifen drohen, ist man ihnen dann nicht schonungsloser Preis ge. geben, als einem Rudel wilder Bestien, gegen welche man sich vielleicht wehren, aber vor welchen man doch flüchten kann? Welche gefährliche Verderben und Tod bringende Macht muß diesen Wesen innewohnen, die doch so klein sind, daß man sie mit den schärfsten optischen Instrumenten kaum wahrnehmen kann! Wenn in den kleinsten Lebewesen die intensivste Körperkraft sich concentrirt, dann sind die Tuberkeln und Mikroben die rnjn nrn, das „böse Gethier" xar excellence! Man wende nicht gegen diese Auffaffung ein, daß diese Lebewesen ja nicht erst jetzt in die Welt

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