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Der Israelit · 1894-07-09 · Heft 54 (9.7.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 54 (9.7.1894)
Date
1894-07-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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mit seinen Worten, so wenig ideal er immerhin angelegt war, in diesem Augenblicke regte sich in ihm die edle Natur eines echt polnischen Edelmannes. „Nun, wie Ihr wollt", entgegnete der Pater, „einen andern oder besseren Plan habe ich nicht, und so werdet Ihr wohl die Sache ausgeben müssen und es vergessen, daß Ench die Jüdin verschmäht und verspottet hat." „Nein, nein, niemals!" schrie Jan zornig auf. „Ich bin ja nicht zu Euch gekommen, sondern Ihr zu mir, edler Herr, und ich meine, Ihr sollt Euch meiner besseren Ansicht und meinem erfahrenen Rath fügen. Ich glaube nämlich, Ihr geht von einer ganz falschen Ansicht aus. Ihr meint gewiß, es handle sich hier um ein Verbrechen, das ist aber durchaus nicht der Fall. „Ihr müßt doch bedenken, daß wir das alles nicht etwa ordentlichen Chriftenmenschen gegenüber thun, sondern, daß die Leute, die wir verderben wollen, nur Juden sind. „Seht, lieber Herr, unser Hergott sitzt im Himmel und denkt nur immer darüber nach, wie er diese verruchten und gottlosen Juden, die sich so sehr wider ihn empört haben, von der Erde vertilgen soll. „Wenn wir also dazu beitragen, diese Leute unschädlich zu machen, so thun wir ein gutes Werk und der liebe Gott wird noch an unserm Todestage dieser schönen That gedenken." Jan wurde durch diesen eigenartigen Jdeengang verblüfft. „Meint Ihr wirklich?" stotterte er mit unsicherer Stimme." Franziskus lächelte still vor sich hin, was er vorhin gesagt hatte, daß man nur den dummen Tölpeln von Bauern weis machen könne, das hatte er nun dem edlen und ritterlich erzogenen Pan auf die Nase gebunden, und dieser glaubte es ihm. „Ihr müßt es ja besser wissen", entgegnete der Pan, „ich verlasse mich ganz aus Euer Urthetl, Ihr seid ja für der Seelen Heil da." «Ja, ja, gewiß, das könnt Ihr auch", entgegnete Franziskus mit sarkastischem Lächeln, „aber, was ich noch sagen wollte, die Summe, die Ihr dem Kloster bestimmt, — sie darf natürlich nicht zu gering sein, die bitte ich Euch, nicht dem Prior zu übergeben sondern mir. Wißt Ihr, ich werde sie dann dem Prior aushändigen." „Natürlich", entgegnete der Pan. „Gar nicht natürlich", dachte Franziskus, „ich werde mich wohl hüten." „Und nun bliebe nur noch eins zu besprechen." „Das Volk muß in der Zwischenzeit, zwischen der Entdeckung des Mordes und der Ergreifung der Mörder richtig bearbeitet werden und dazu müßt Ihr verhelfen, Pan. „Ihr müßt die Sache mit den Edlen besprechen, damit die Leibeigenen derselben an dem kritischen Tage über die Juden herfallen und diese bis auf den letzten Mann mit Stumpf und Stiel ausrotten. „Erst dann werden wir unser gottgefälliges Werk richtig zu Ende geführt haben. „Ich will mit dem Kreuze für unsere Sache arbeiten, arbeitet Ihr mit dem Schwert." „Das soll geschehen", entgegnete der Pan, „in dieser Sache verlaßt Euch ganz auf mich, wie ich mich in der anderen auf Euch verlasse." Und die beiden Biedermänner reichten sich die Hände. III. Am dritten Tage der Jagd des Königs war diese besonders glänzend ausgefallen. Man hatte ein Bärenpaar in ihren Höhlen überrascht, hatte sie aufgkstöbert, und dem ritterlichen König Kasimir war es selbst gelungen, den männlichen Bären zu erlegen. Es herrschte große Freude und großer Jubel in der Jagdgesellschaft, und die Edlen ergingen sich in Lobsprüchen auf ihren ritterlichen und muthigen König. Als man sich nun sammelte, um gemeinsam dem Platze zuzugehen, wo das Mittagsmahl genommen werden sollte, da gesellte sich der Pan von Wola zu dem Gefolge des Königs. „Majestät", redete er den Herrscher an, „als ich vorhin im Laufe der Jagd durch den Wald geritten bin, da habe ich eine merkwürdige Beute gefunden. „Es lag unterhalb eines Baumes ein totes Knäblein, das etwa zwei Jahre zählen mochte und der Hals war ihm mit einem scharfen Meffer durchgeschnitten." „Ein Mord", rief der König und betrachtete den Sprecher mit dem scharf durchdringenden Blick seiner Angen. „Es scheint in der That so, Majestät, nur finde ich das eine unbegreiflich, wer eine Genugthuung darin finden soll, ein armes unschuldiges Knäblein zu töten." „Laßt uns sofort nach der Stelle reiten", befahl der König und alle Herren und Knechte brachen auf, während der Pan von Wola zum Führer diente. Sie gelangten auch gar bald an die Stelle, wo Pater Franziskus das tote Kind hingelegt hatte. Mit Schaudern betrachtete der edle Herrscher, der ein lebhaftes Mitgefühl für Leid und Freud seiner Unterthanen hatte, die Leiche des armen toten Kindes.

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