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Der Israelit · 1894-07-09 · Heft 54 (9.7.1894) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 54 (9.7.1894)
Date
1894-07-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1004 reits in Ausführung dieses Ukases drei jüdische Bethäuser behördlich geschloffen. Wreliezka, 28. Juni. Beim Besuche der Mitglieder des Niederösterreichischen Gewerbevereins in der Raffinerie und Liqueurfabrik H. Perlberger's Sohn in Klasno bet Wteltcza fand bei dem Fabrikbesitzer zu Ehren der Gäste ein Bankett statt. Es toastirten Baron Czeoik, Dr. Weigel und Sokolowski, Letzterer auf den einheitlichen Fortschrtttsgedanken, welcher Deutsche und Polen verbindet. Baurath Krones betonte namens des Gewerbevereins, daß nur bet Toleranz nnd Gleichstellung der Confessionen das Gewerbe gedeihe. Es sprachen noch kaiserlicher Rath Wiesenfeld, die Handelskammer- und Eisenbahnräthe Reich, Dattner, Falter und Andere. Nach dreistündigem Aufenthalte verließen die Gäste in animirter Stimmung mit Separatzug Wieliczka, um die Reise zur Ausstellung nach Lemberg fortzusetzen. Gliniany. Am 23. v. M. wurde hier in Gliniany eine neuerbaute ruthenische Kirche eingeweiht. Zu dieser Kirchenweihe ist Se. Excellenz der Metropolitan-Erzbischof Sembratowicz aus Lemberg nach Gliniany gekommen. Die israelitische Gemeinde durch den Cultusgemeinde-Borftand und den Oberrabbiner Grünsberg vertreten, ist zum feierlichen Empfange dieses hohen geistlichen Herrn erschienen und hat vor dem Triumphbogen Stellung genommen. Als der Erzbischof den Rabbiner mit der Gesetzesrolle erblickte, begab er sich dorthin und sprach ihn an wie folgt: „Ich danke der israelitischen Gemeinde für den mir bereiteten herzlichen Empfangs und hebräisch fügte er hinzu: „Ki schem Ad..aj ekra haba godel l’elokenu, wir glauben Alle an einen Gott, find Alle Kinder eines Vaters, daher sollen wir uns Alle gegenseitig lieben und stets in Freundschaft begegnen" dann beim Betreten der Kirche sagte dieser edelmüthige Oberhirt zum versammelten Volke, schaut hin, wie die Israeliten während des Sabbats zu meiner Ehre erschienen und Freundschaft äußerten, daher dürfen auch wir ihnen stets in Freundschaft und Liebe begegnen, und mit ihnen in Freundschaft leben." Solche edle Worte vernahm man aus dem Munde eines Erzbischofs in Galizien. — Was wird dazu Herr Pfarrer Deckert sagen?? M a r o c c o. Langer im Juni. Der Telegraph wird Ihnen schon gemeldet haben, daß Sultan Muley Hassan gestorben ist und daß nun dessen Lteblingssohn Muley Abdel Aziz (mp -ruy) den Thron bestiegen hat. Die Juden Marokkos setzen große Hoffnungen auf ihren neuen Herrscher, da derselbe, Dank seiner gebildeten Mutter, die eine geborene Circasserin ist, aber in Konstantinopel von europäischen Lehrern unterrichtet wurde und dort sogar auch das Klaviersptel erlernt hat, eine halb europäische Erziehung genossen und daher die Civilisatton und den Humanismus des Abendlandes wohl kennt. Auch besitzt der neue Sultan ein sanftes Gemüth und war er schon als Kronprinz seines Gerechtigkeitssinnes wegen bekannt. Wir dürfen daher hoffen, daß derselbe auch den Israeliten seines großen Reiches ein milder und gerechter Fürst fein wird, und daß wir unter seinem Scepter ruhig und friedlich werden leben können, mirv ymn vo'a. > Vermischtes. -4- Warschau, 19. Juni. Kürzlich wurde hier derGrundstein zu einem neuen jüdischen Krankenhaus gelegt. Es ist diese Thatsache für unsere Bevölkerung von um so größerer Wichtigkeit, als wir bisher nur ein vor zwei Generationen errichtetes sogenanntes „Hekdesch" besaßen, das kaum im Stande war, der damaligen Generation — Warschau zählte damals 40,000 Juden — geschweige jedoch den heutigen Anforderungen Warschaus, der von Juden am meisten bevölkerten Stadt Europas zu entsprechen. Der Kostenanschlag für das zu erbauende Krankenhaus belauft sich auf eine halbe Million Rubel. Von dieser Summe ist jedoch die bedeutendere Hälfte von wohlthätigen Glaubensgenossen gespendet worden. Die Kolonisten von Liebeuthal und Louisdors (Gouv. Cherson) haben den Gouverneur telegraphisch angefragt, ob sie berechtigt seien, in ihren Häusern über die Sommermonate Juden, die dorthin zur Kur kommen möchten, zu beherbergen. Dem unter dieser Anfrage Unterzeichneten Kolonisten O. Braut wurde hierauf die telegraphische Antwort, daß der Gouverneur sich diesbezüglich an das Ministerium gewendet habe. Herr Braut wandte sich hierauf seinerseits ebenfalls telegraphisch an das Ministerium. Hier hat man doch wenigstens einmal ein Exempel von durchschlagender Gründlichkeit in Regierungssachen in dem bisher in dieser Beziehung so oft verkannten russischen Staate. Schöne Zustande! Wegen der Vermiethung einer Sommerwohnung muß man sich an das Ministerium wenden! Feuilleton. Estrrka, Königin von Igoten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 11.) (Nachdruck verboten.) Nachdem der junge Pan längere Zeit geschwiegen, sagte er endlich: „Wenn es keinen anderen Weg geben sollte, allerdings-. „Indessen, ich muß Euch gestehen, daß mir Euer Plan nicht gefällt. „Es ist immerhin ein Verbrechen, das Ihr da verlangt; wir müssen falsch zeugen und wir werden unsre ganze Sache auf Lug und Trug aufbauen." Es war dem jungen Pan vollständig ernst

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