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Der Israelit · 1894-07-09 · Heft 54 (9.7.1894) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 54 (9.7.1894)
Date
1894-07-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1002 Klassen- und Massenkampf wirklich die Signatur seines Lebens bildet. Sosehr auch die Erfahrung jedes neuen Tages diese Wahrheit in ihrem ganzen Umfang bestätigt, so mag es doch fraglich sein, ob ihr wirklich unsere Mtlchna hier Ansdruck geben will, wenn sie sagt: 'n Wn byi hw nyiaw by rb^yb to njn rrn. Wir wollen daher noch eine andere Erklärung dieser Mischna versuchen. (Fortsetzung folgt.) Wucher schau. nnEttf 7lp Stimme» der Frende, Rede«, Toaste und Lieder bei freudigen Gelegenheiten von Prediger Lion Wolfs, Berlin, A. I. Hofmann, Frankfurt a. M. Wir sind mit der Ansicht aufgewachsen, daß die Benutzung von Briefstellern, Toastbüchletn, Predigtsammlungen rc. eines gebildeten und gar eines gelehrten Mannes unwürdig sei, und daß nur das „Volk", das in seiner Jugend nichts lernen konnte oder wollte, sich solcher „Eselsbrücken" bediene, um bei Gelegenheit mit von anderen Vögeln ausgerupften bunten Federn sein graues Spatzenkleid zu bedecken. Da wurde wohl öfters die Anecdote erzählt, von der jungen Dame, die an ihren Geliebten einen Brief, der einem bekannten Briefsteller entnommen war, richtete, worauf ihr ihr Verlobter sagen ließ, sie möge nur das Blatt des Buches umwenden, da könne sie seine Antwort lesen. Wir sind aber im Laufe der Zeit zu anderer Ansicht gelangt. Nicht nur für das ungebildete, geistesarme Volk sind solche Bücher ein Bedürfniß, sie sind auch nothwendig für Jeden, der im Drange der modernen Hetzjagd, die man euphemistisch „Geschäft" nennt, steht, der, mag er noch so gelehrt und geistvoll sein, die Zeit nicht findet, aus sich heraus eine wohlvorbereitete Rede zu verfassen. Man ist zu einem Hochzeitsmahle eingeladen, die Trauung soll um 1 Uhr stattfinden. Die Versäumniß eines Nachmittags und Abends an einem Werktage kommteinem schon schwer an. Aber was soll man machen, es ist ein Jugendfreund, der es sehr übel nehmen würde, wenn man nicht käme. Da arbeitet man denn Vormittags womöglich noch einmal so viel wie sonst. Gegen halb eins wird man endlich fertig, der Hochzeitswagen steht schon vor der Thüre, man soll sich rasch in die Festtoilette werfen, da — fällt es einem wie ein Alp auf die Brust — Du mußt ja auch eine Rede hatten. Das „Festcomitö" wird Dir als dem ältesten Freunde voraussichtlich den Toast auf das Brautpaar übertragen. Mit ein paar faden Worten darfst Du Dich nicht blamiren — da kommt der Retter in> der Noth, man nimmt sich den „Wolf", blättert darin und mit einer Geschwindigkeit von 0,5 befindet man sich in Festesftimmung. Es fallen Einem Dinge ein, die man bei früheren Gelegenheiten, wo man noch mehr Zeit hatte, schon gesagt oder gehört hat, man komponirt sich schließlich selbst noch etwas „Eigenes" zusammen und man hat die „Eselsbrücke" benutzt, ohne gerade ein „Esel" zu sein. Der neue Abraham a Santa Clara bietet aber auch eine Fülle von Anregungen, die man vergeblich in früheren derartigen Werken sucht. Da sind vor allen Dingen Toaste und DispositionenfürTischredenbeiBeschneidungsfeierlichkeiten und Hochzeiten auf „sämmtliche" Männernamen. Mag nun jemand Mordechai oder Erich, Aron oder Alfred. Gamliel oder Hugo heißen, für jeden Namen findet sich eine passende geistvolle Notiz. Auch die Frauennomen gehen nicht leer aus. Flora und Babettchen, Debora und Evchen, Felicitas und Miriam, Rebeckchen, Sarchen, Sabinchen, Nettchen, Nanr.y, Fanny, Rahel.Ruth, Lilly, Nelly, Lärchen, Dorchen, Minchen, Tinchen, Lea, Tea — wer zählt alle die schönen und anmuthigen, klugen und gemüthlichen Damen und Dämchen, die in Zukunft aus dem neuen „Wolff" mit den schmeichelhaftesten Toasten übergossen werden! Die Trau- und Tischreden sind meistens gut, wenn sie auch homiletisch nicht auf der Höhe z. B. der Hause'schen Reden stehen. Die Anwendung eines und desselben Citats in verschiedenen Reden, wie z. B. in der dritten und der elften Tranrede, wäre ebenfalls zu vermeiden gewesen. Störend wirken auch die haarsträubenden Druckfehler, die sich in den wenigen hebräischen Citaten finden. (Bergl. Seite 17 und 23.) Hochwillkommen werden vielen die diversen Anleitungen für Hochzeitsdrucksachen sein. — Daß mancher überaus fade Witz hier mit unterläuft, daß Herr Wolf oft da, wo er sinnreich zu sein fick bemüht, albern wird, wer wird das übel nehmen? Hier scheint uns einem wirklichen „Bedürfnisse" abgeholfen zu sein und dem rührigen Verleger Herrn Hofmann, dem verdienstvollen Vorstande des in jüngster Zeit so vielgenannten Mekor-Chajim-Vereins gebührt der Dank aller derjenigen, die diese „Eselsbrücke" in Zukunft zu benutzen gedenken. Zeitrrrrgsnachrichterr ttufe Correspondenze«. Deutschland. Berlin. Der Pfarrer Witte von St. Golgatha, der vom Consiftorium wegen beginnenden Querulantenwahns seiner Stellung enthoben worden war, ist vom Oberkirchenrath auf ein Gutachten des Medizinalcollegiums der Mark Brandenburg in seine Stellung wieder eingesetzt worden. Da seine Enthebung die Folge seiner Differenzen mit

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