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Der Israelit · 1894-07-09 · Heft 54 (9.7.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 54 (9.7.1894)
Date
1894-07-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1001 werden unter den Völkern, und wohnen unter dem Erdreich meiner Feinden, und das Erdreich muß mich verschlingen als Dathan und Abiram und an mich kommen die Aussätzigkeit Naemans, mein Weib müffe eine Wtttwe und meine Kinder Waisen werden, und werde mein Haus verlassen, und kommen über mich meine und meiner Voreltern Sünden, und alle Flüche die im Gesetz Moses und der Propheten geschrieben sind, und bleiben auf mir ewiglich, und geben mich Gott ewiglich in Verfluchung zu einem Schandzetchen meinem Volk. Ein den Juden sehr wohlwollender Chronist schreibt dazu im Jahre 1768: „Man stehet leicht, daß diese neuere Eyds-Formeln gar vernünftig und auch der Religion der Juden angemessen sind, mithin einen starken Eindruck auf das Gewissen der Juden haben müssen." Der Hohn, welcher darin liegt, daß man uns Juden erst auf diese Weise die Heiligkeit des Eides zum Bewußtsein bringen wollte, begreift sich erst in seiner ganzen Größe, wenn man sich vergegenwärtigt, daß nach 15 Jahre später der Jude Mendelssohn in seinem Jerusalem schreiben durfte: „Zählet die Männer alle, die Euere Lehr- „stühle und Euere Kanzeln besteigen, und so „manchen Satz, den sie bet der Uebernehmung „ihres Amtes beschworen, in Zweifel ziehen; die „.Bischöfe alle, die im Oberhause sitzen, die wahrhaftig großen Männer alle, die in England „Amt und Würde bekleiden und jene neun und „dreißig Artikel, die sie beschworen, nicht mehr „so unbedingt annehmen, als sie ihnen vorgelegt „worden, zählet sie und sagt alsdann noch, man „könne meiner Nation keine bürgerliche Freiheit „einräumen, weil so Viele unter ihnen die Eide „geringe achteten! — Ach! Gott bewahre mein „Herz vor menschenfeindlichen Gedanken! Sie „könnten bet dieser traurigen Betrachtung gar „leicht überhand nehmen." Also, nicht erst seit heute und gestern erscheint die Heiligkeit des Eides vielfach getrübt, und erfährt der Name Gottes die höchste Entweihung, die ihn nur treffen kann, indem er vergeblich oder gar fälschlich angerufen und mißbraucht wird. Aber das, was die Gewissenhaftigkeit unserer großen Weisen unter Chillul Haschem, Entweihung des Gottesnamens versteht, beschränkt sich nicht auf die Mißachtung desselben beim Eide. Es giebt kaum einen Schritt in unserem thätigen, erwerbenden und genießenden Leben, an welchen sich nicht eine Heiligung oder Entweihung des Gottesnamens knüpfte. Jedes Gute, das wir üben, jedes Unrecht, das wir meiden, heiligt und verherrlicht den Namen desjenigen, in dessen Dienst wir diese Hingebung an das Gute vollziehen und auf dessen Gebot wir uns einen unstatthaften Erwerb und Genuß versagen. Der Name Gottes wird dagegen entweiht, durch uns entweiht, wenn das Wackere und Rechte umsonst auf seine Verwirklichung durch uns wartet, wenn der Wille Gottes uns nicht mit der Festigkeit ausstattet, den Reizen zu widerstehen, mit welchen Leichtsinn und Sünde uns zum Abfall locken. MM P» 3-1 1DH QVH 'v-l '3'n ’DT NJ3NT ub Mri3B '32 N1V3 „Was heißt (schon) Entweihung des Gottes namens? Wenn ich, sagt Nab, Fleisch vom Metzger nehme und es nicht sofort zahle." (Talmud Joma fol. 86. a.) In dem Augenblicke, in welchem ich einen erworbenen Gegenstand mir aneigne, bin ich zur Gegenleistung des Kaufpreises verpflichtet. Durch jede Hinausschiebung dieser Gegenleistung beeinträchtige ich das Interesse des Verkäufers. Der Nutzen, den ich widerrechtlich aus dieser Beeinträchtigung dadurch erziele, daß ich das Geld nicht sofort seinem rechtmäßigen Besitzer aushändige, schließt eine Unredlichkeit in sich. Jede Unredlichkeit ist aber eine Entweihung Gottes, der seine Welt auf Gesetz und Recht gegründet hat. poa ^nsn ivv tenp^> W2 by minn ruw vb ]D |'3 tonvn 12 i’3 fcan p iDxy m d-in p'ni' ne« . □"'Dyn „Die Thora wurde nur gegeben, um den großen Namen Gottes zu heiligen, von hier folgerten sie: man habe sich von Beraubung fernzuhalten, sei es eines Israeliten oder Nichtisraeliten." (Tana de Be Elija Rabba Cap. 28.) Wenn man diese rigorose Gewissenhaftigkeit als Maßstab an das ganze Borgsystem legt, welches heute unserem ganzen Geschäftsverkehr eigenthümlich ist, an die Täuschungen, Vorspiegelungen und unwahren Voraussetzungen, welche demselben zu Grunde liegen, so stößt man allenthalben auf Entweihung des Gottesnamens in einer Weise, wie man sie früher nicht kannte. — Und es ist das erst eine, und zwar eine untergeordnete Seite dessen, was sich als Chillul Haschem, Entweihung des Gottesnamens, in unzähligen Abstufungen geltend macht. Wer die Verwilderung der Sitten, den rücksichtslosen Kampf aller gegen alle beobachtet, wie der Mensch nicht mehr dem Menschen heilig ist, der Bruder den Bruder bei Sette stößt, der eine sich an der Schwäche und Dummheit des anderen überall da zu bereichern sucht, wo man in der Jagd auf Vortheile und Dividenden Gott vergißt und seinen heiligen Namen entweiht, der findet die Annahme nicht so gewagt, daß der Mensch zur nn nyi, zum „Raubthter" entartet sein muß, wenn

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