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Der Israelit · 1894-07-05 · Heft 53 (5.7.1894) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 53 (5.7.1894)
Date
1894-07-05
Page
– (sequence 21)
Language
German
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997 lesens, da er die dafür nötige Zeit viel bester und zweckmäßiger für den Unterricht im Deutschen verwenden könne. Dr. Gronemann erwähnt einen Vortrag, den der jetzige Seminarlehrer Katz-Kaffel in den 80er Jabren über dasselbe Thema gehalten hat und empfiehlt dessen Thesen. Ein Schlußantrag Sommer wird angenommen. Referent giebt im Schlußwort seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Versammlung sich im großen und ganzen mit den Grundzügen seiner Ausführungen in Uebereinstimmung befindet und tritt nochmals für den Gebrauch der „ganzen Bibel" ein im Gegensatz zu einem Bibelauszug, dabei um Beratung seiner Thesen bittend. Der Vorsitzende befürwortet dies, ebenso Herr Dr. Gronemann mit dem Anträge, die Formulierung der Thesen einer Kommission zu überlassen, welche dieselben am 2. Konferenztage der Versammlung zur Beschlußnahme vorzulegen habe. Nach verschiedenen Bemerkungen für und gegen diese Anträge wird der Antrag Dr. Gronemann angenommen und die Kommission aus dem Vorstande, dem Herrn Referenten, Herrn Seminarlehrer Sommer und den Herren Hauptlehrern Levy-Norden und Selig-Emden gebildet. Der folgende Punkt der Tagesordnung lautete: „Gründung eines deutsch-israelitischen Lehrerbundes." Nachdem der Vorsitzende auf die hohe Bedeutung dieses Gegenstandes hingewiesen und einen kurzen Ueberblick über den Gang der seither gepflogenen Verhandlungen gegeben hatte, beschloß die Versammlung auf Vorschlag des Herrn Sommer, die beiden Herren Vorsitzenden als Delegirte nach Kassel zu entsenden: ebenso wird ein Zusatzantrag von Stern-Hildesheim, auch Levy-Norden zu delegieren, angenommen. Die Entsendung der Delegierten geschieht auf Kosten des Vereins. Da die Zeit zur Berathung eines anderen Gegenstandes zu kurz war, der II. Konferenztag aber noch reichliche Arbeit erwarten ließ, wurde in die „freie Besprechungen" eingetreten. Levy-Norden kam auf die schon früher angeregte Lesebuchfrage zu sprechen, dem Wunsche Ausdruck gebend, daß diese Frage auf der nächsten Konferenz in einem Referat ihre Würdigung erfahren und erledigt werde. Nachdem Sommer-Hannover vorgeschlagen ha>, eine Kommission mit der Zusammenstellung eines für jüdische Volksschulen brauchbaren Lesebuches zu betrauen und Selig-Emden seiner Meinung Ausdruck gegeben hat, das ganze Unternehmen würde an dem Mangel eines Verlegers scheitern*), schließen die freien Besprechungen; und damit hat auch der 1. Konferenztag sein Ende erreicht. Zweite Sitzung, Montag 14. Mai, morgens 8. Uhr. Von dem Redakteur des ..Jeschurun", Kollegen Lewin- Tilsit, der eine Anzahl von Exemplaren seiner Zeitung gesandt hat. ist ein Begrüßungstelegramm einqelaufen. Um 8 Uhr versammelten sich die Konferenztheilnehmer in dem neuen Seminargebäude, woselbst Herr Spanier- Stolzenau eine Lehrprobe über den Maulwurf hielt. (Vereinigte Mittel- und Oberstufe.) Nach beendigter Lehrprobe begaben sich die Konferenztheilnehmer wieder in den Sitzungssaal im Restaurant Falk, woselbst Herr Spanier, nachdem der Vorsitzende ihm für die gehörte Lehrprobe den Dank der Versammlung ausgedrückt hatte, das Wort nahm zu dem an seine Lehrprobe sich anschließenden Vortrage: „Methodische Behandlung des naturgeschichlichen Unterrichtes unter Berücksichtigung der Jungeschen Methode". Dieser fesselnde, gehaltvolle Vortrag, welcher von großem Fleitze und gründlicher Sachkenntnis zeugte, wurde sehr beifällig ausgenommen. Die aufgestellten Thesen lauten: *) Unsere Druckerei ist ev. gern bereit, den Vertag eines solchen Lesebuchs zu übernehmen. Red. d. Jsr. 1. Die bisherige, fast'auSschließlich beschreibend-systematisterende Methode genügt nicht vollständig, um da» Ziel der allgemeinen Bestimmungen: „Gewöhnung zu einer aufmerksamen Beobachtung und Erziehung zu sinniger Betrachtung der Natur" zu erreichen. 2. Es ist eine Neugestaltung des naturkundlichen Unterrichts mit theilweiser Benutzung der Junge'schen Methode anzustreben. Die Ziele der rein Jungeschen Methode sind für die Volksschule theils zu hoch gestellt, theils lassen sie sich nicht praktisch verwerten. 3. Bei Behandlung eines Unterrichtsgegenstandes hat man insbesondere zu berücksichtigen: Die Wechselbeziehung, in welcher das Geschöpf zu seinem Aufenthaltsorte und zu seiner Nahrung steht, die dadurch bedingte Eigenthümlichkeit der Körperbefchaffenheit und die Bedeutung des Geschöpfes im Haushalte der Natur. Nur die Festellung des Dargebotenen geschieht nach einem bestimmten Schema. 4. Der Unterricht in der Botanik hat, wo dieangeht, möglichst im Freien zu geschehen: jedenfalls ist aber eine mehrmalige Repetition der behandelten Pflanzen am Standorte derselben vorzunehmen. Levy-Norden beantragte, der Debatte über Lehrprobe und Vortrag die Berathung der von der Kommission über das Bibellesen formulierten Thesen vorangehen zu lassen. Nachdem jedoch diesem Anträge von Sommer-Hannover und dem Referenten widersprochen wurde und letzerer ganz besonders hervorhob, daß eine Besprechung des Verfahrens beim naturgeschichlichen Unterricht mindestens ebenso wichtig, wie das Bibellesen, ja noch wichtiger als dieses sei, beschloß die Versammlung, in eine Debatte über diesen Gegenstand einzutreten. Von sämtlichen Rednern wurde die Vortrefflichkeit der unterrichtlichen Leistung anerkannt und die gehal ene Lehrprobe als eine Musterlektion bezeichnet. Referent beklagt sich über den Mangel an einer guten Abbildung des Maulwurfes, was von dem SeminarübungSschullehrer Speier mit den schlechten finanziellen Verhältnissen des Seminars entschuldigt wird. Bachrach-Ahlem will einen Mangel der Gliederung wahrgenommen haben, wird aber darauf hingewiesen, daß Junge eine solche Gliederung gar nicht verlangt, daß auch Referent, soweit solches angebracht schien, eine Gliederung beabsichtigt und theilweise zur Ausführung gebracht habe. Speier-Hannover glaubt, Spanier habe zu leise gesprochen; Spanier begründet sein weniger lautes Sprechen damit, daß gerade die Schüler, deren Lehrer sehr laut sprechen, selbst sehr leise reden und umgekehrt. Nachdem noch Apt-Emden sich gegen die gemachten Ausstellungen gewendet hat, schließt die Besprechung der 2-hrprobe, und der Vorsitzende stellt den im Anschluß an die Lehrprobe gehaltenen Vortrag zur Debatte. Apt-Emden bittet den vortrefflichen Eindruck, welchen der Bortrag auf sämtliche Zuhörer gemacht habe, nicht durch eine Debatte zu verwischen, sondern sogleich zur Berathung der ausgestellten Thesen überzugehen. Levy Norden will, da noch nicht alle Kollegen in die Jungesche Methode eingedrungen seien, nur eine These aufgestellt wissen, des Inhalts, daß die Versammlung die Ertheilung des naturgeschichtlichen Unterrichts nach Jungescher Methode empfiehlt. Nachdem noch Stern Hildesheim und Referent eine Besprechung der einzelnen Thesen befürwortet und letzterer auf den Widerspruch aufmerksam gemacht hat, dessen sich die Konferenz schuldig machen würde, wenn sie, entgegen dem Beifall, den sie seinen Ausführungen habe zu Theil werden lassen, nunmehr über seine Thesen hinweg zur Tagesordnung überginge, wird der Antrag Favisch-Gättingen, die aufgestellten Leitsätze en Woc zu genehmigen acceptiert.

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