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Der Israelit · 1894-07-05 · Heft 53 (5.7.1894) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 53 (5.7.1894)
Date
1894-07-05
Page
– (sequence 20)
Language
German
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996 Schriftsteller Herrn Hause-Eisenach zu deffen 80. Geburtstag namens de- Vereins beglückwünscht, ebenso den Herrn Seminar-Direktor Dr. Kroner-Hannover zu seiner Berufung als Kirchenrath nach Stuttgart. In einer Erwiederung hierauf hat Herr Dr- Kroner den Verein auch seiner ferneren Sympathie versichert und den Wunsch geäußert, demselben in irgend einer Form weiterhin angehören zu dürfen. Inzwischen ist von genanntem Herrn ein BegrützungStelegramm eingelaufen, das sehr beifällig ausgenommen und auf Vorschlag des Herrn Vorsitzenden erwiedert wird. Weiterhin thetlt der Vorsitzende mit, daß der D- I. G. B. auch diesmal wieder eine Beihilfe zu den Kosten der Konferenz im Betrage von 170 M. bewilligt habe. Die Versammlung erklärt sich damit einverstanden, von dieser Summe nur 140 M. zu gedachtem Zwecke zu verwenden, mit dem Rest aber die durch die geplante Gründung eines D. I. L. B. dem Verein entstandenen Kosten zu decken. Ihrem Danke für das vom D. I. G. B. wiederholt gezeigte Wohlwollen giebt die Versammlung durch Erheben von den Sitzen Ausdruck. Nachdem hiermit die geschäftlichen Mittheilungen erledigt waren, erfolgte die Vorstandswahl. Der seitherige Vorstand wurde für daS lfd. Geschäftsjahr durch Acclamation wiedergewählt. Zu Schriftführern wurden Goldschmidt- Geestemünde und Roßkamm-Diepholz ernannt. Herr Dr. Gronemann beantragte, daß das Konferenzprotokoll vor seiner Drucklegung denjenigen Herren zugeschickt werde, die sich an der Debatte betheiligt haben. Antragsteller sieht sich zu diesem Anträge angesichts der Thalsache veranlaßt, daß eine von ihm auf der vorjährigen Konferenz über den Musikunterricht gethane Aeußerung in gänzlich falsch aufgefaßter Weise in die Preffe gelangt sei. Nachdem Herr Stern-Hildeöheim diesen Antrag wegen der sich daraus ergebenden Schwierigkeiten dahin abgeändert, daß das Protokoll am Schlüsse der Konferenz vorgelesen werde, und Herr Dr. Gronemann sich mit dieser Abänderung einverstanden erklärt hat, wird der Antrag nach kurzer Debatte einstimmig angenommen. Hierauf ertheilte der Vorsitzende Herrn Meyer-Hannover das Wort zu seinem Vortrage: „Das Bibellesen in der jüdischen Volks- und Religionsschule". Referent betonte Eingangs seines Vortrages, daß er in dieser Versammlung wohl erübrige, auch nur ein Wort über die Bedeutung der Bibel zu sagen; er habe vielmehr die Ueberz^ugung, daß die Versammlung ohne weiteres mit ihm die Pflicht der jüdischen Schule anerkenne, das Kind mit der Bibel bekannt zu machen. Die Bibelkenntniß aber, welche dem Kinde durch den Unterricht in der bibl. Geschichte, der systematischen Religionslehre und durch das Bibelübersetzen vermittelt werde, sei nicht ausreichend; daher wäre es wünschenSwerth, wenn die ganze Bibel von Anfang bis zu Ende unter Auslastung der nicht geeigneten Stellen übersetzt werden konnte. Da solches aber nicht möglich wäre, muffe durch das Bibellesen ein Ersatz geschaffen werden. Den Einwurf, als sei die Schule mit anderen Dingen schon zu sehr belastet, sodaß das Bibellesen nur auf Kosten anderer Unterrichtsgegenstände betrieben werden könne, weist Referent zurück. Das Btbellesen solle nicht etwa als gesonderter Unterrichtsgegenstand auftreten, sondern nur als Ergänzung der übrigen Fächer des Religionsunterrichts dienen, dergestalt, daß nur das gelesen werde, was zu einer jeweiligen Unterrichtseinheit gehört. So sollen z. B. bei Durchnahme des Sabbats diejenigen Stellen in der Bibel aufgesucht und gelesen werden, welche sich auf den Sabbat beziehen rc. Daneben sei ganz besonders den Schulandachten das Wort zu reden, in denen aus einer vollständigen Bibel gelesen werde. Beim Bibellesen sollen dieselben Vorschriften wie beim übrigen Lesen beachtet werden; der Lehrer soll ein einleitendes, erklärendes und anregendes Wort hinzüfügen, ohne sich auf breites Katecheneren einzulassen, dabei aber doch darauf bedacht sein, die Bibelstunde zu einer wahren Erbauungsstunde zu gestalten, damit die Schönheit der Bibel veredelnd auf das Kindergemüt wirke und ihr selbst der Weg ins Haus wieder geebnet werde. Der Vorsitzende spricht dem Herrn Referenten den Dank der Versammlung aus. Auf seine Frage, ob von der Versammlung eine Diskussion gewünscht werde, entscheidet sich dieselbe für eine solche. Das Wort erhält: , Stern'HUdesheim. Redner erklärt sich aus verschiedenen Gründen gegen den vom Referenten vorgeschlagenen Gebrauch der „ganzen Bibel", wünscht vielmehr, da seiner Ansicht nach der seitherige Unterricht genügt habe, das Bibellesen möge ganz unterbleiben. Solle demselben dennoch das Wort geredet werden, so könne solches im Anschluß an den biblischen Geschichtsunterricht aus einem hierzu geeigneten Bibelauszug geschehen. Levy-Norden hebt demgegenüber die Wichtigkeit und Nothwendigkeit des Bibellesens hervor, bekämpft aber die Ansicht, dem Kinde die „ganze Bibel" in die Hand zu geben und empfiehlt als zum Bibellesen sehr geeignet die bei Brockhaus-Leipzig erschienene Auberbach'sche Schul- und Hausbibel. Des weiteren giebt derselbe beachtenswerthe Winke über die methodische Behandlung, darauf hinweisend, daß dieselbe ähnlich der eines deutschen Lesestückes sein müsse, die Bibelstunde dabei aber immer in erster Linie Erbauungsstunde bleiben möge. Bach-Hildesheim und Selig-Emden wünschen für die Schule einen Bibelauszug, fürs Haus indessen eine vollständige Bibel, da dieselbe sonst durch den Auszug verdrängt würde. Blumenseld-Adelebsen theilt mit, daß der Specialverein jüdischer Lehrer Südhannovers unter materieller Beihilfe einiger Gemeinden die Auerbach'sche Schul- und Hausbibel in etwa 120 Exemplaren mit erfreulichem Erfolge eingeführt habe und daß diese Bibel auch von den Eltern und sonstigen Hausgenossen gerne gelesen werde. Dr. Löb-Emden, den Segen der Bibelkenntnis hervorhebend, wünscht für den Unterricht in der biblischen Geschichte an Stelle der großen biblischen Geschichtsbücher, die seiner Meinung nach ihren Zweck keineswegs erfüllen, einen kleinen methodisch geordneten Leitfaden und neben demselben den II. Theil der Auerbach'schen Schul- und Hausbibel. Des weiteren wünscht Redner fürs Haus eine „ganze Bibel", dabei vor einer allzugroßen Aengstlichkeit inbezug auf erotische Stellen warnend. Das Bibellesen soll im Anschluß an das Pentateuchübersetzen oder den biblischen Geschichtsunterricht vorgenommen werden. Da, wo das Haestersche Lesebuch in der Blumenfeldschen Bearbeitung für jüdische Schulen eingeführt sei, könne statt des seiner Ansicht nach werthlosen Anhanges der jüdischen Geschichte, in der deutschen Lesestunde zuweilen auch aus der Bibel gelesen werden. Seminarlehrer Sommer-Hannover schließt sich im allgemeinen den Ausführungen des Referenten, sowie denjenigen Dr. Löbs an und stellt 5 Fragen, deren Antworten er als Thesen anzunehmen bittet: 1. Soll die Bibel gelesen werden? Ja! 2. Woraus soll gelesen werden? Aus einer „ganzen Bibel" in guter Uebersetzung! 3. Was soll gelesen werden? Besonders das, was im biblischen Geschichtsunterrichte nicht zur Geltung gelangt! 4. Wie soll gelesen werden und 5. Wann soll gelesen werden? Entweder in einem dazu eingerichteten Jugendgottesdienste oder in einer besonderen Unterrichtsstunde, die aber keinesfalls dem vorgeschriebenen Elementar-, besonders nicht dem Unterricht im Deutschen gekürzt werden darf! Roßkamm-Diepholz ist entschiedener Gegner des Bibel-

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