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Der Israelit · 1894-07-05 · Heft 53 (5.7.1894) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 53 (5.7.1894)
Date
1894-07-05
Page
– (sequence 22)
Language
German
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998 Nunmehr erstattete der Vorsitzende Bericht über die Thätigkeit der Kommission, die von derselben aufgestellten Thesen verlesend. 1. DaS Bibellesen ist als ein nothwendiger Theil des jüdischen Religionsunterrichtes auf der Oberstufe sämtlicher Schulen einzuführen, um dadurch die Kenntnis der hl. Schrift zu verbreiten. 2. Dem Bibellesen in der Schule ist die ganze Bibel, bezw. ein guter Bibelauszug zu Grunde zu legen. 3. Der Bibellesestoff ist so zu wählen, daß er zur Belebung und Vertiefung der biblischen Geschichte, des systematischen Religionsunterrichtes und namentlich zur Kenntnis der Propheten und Psalmen beiträgt, sowie das Verständniß des Gottesdienstes fordert. 4. In den Schulen mit wöchentlich zwei biblischen Geschichtsstunden soll eine Stunde zum Bibellesen verwandt werden; solche mit wöchentlich einer biblischen Geschichtsftunde sollen unter Wegfall einer besonderen jüdischen Schreibstunde Bibellesen treiben. An die Berathung dieser Thesen schloß sich noch eine sehr lebhafte, eingehende Debatte, die sich ganz besonders um die Frage drehte, ob dem Bibellesen die ganze Bibel oder nur ein Auszug zu Grunde zu legen sei. Dr. Lob-Emden macht den vermittelnden Vorschlag, die ganze Bibel in der Weise anzuwenden, daß dieselbe nach dem Gebrauch dem Lehrer in Verwahrung gegeben werde, wodurch die gehegten Bedenken beseitigt würden. Dr. Gronemann bittet, die Beschlußfassung über These 2 auszusetzen, da die Frage, ob ganze Bibel oder Bibelauszug sich nach den jeweiligen örtlichen Verhältnissen zu richten habe. Levy-Norden tritt für die Auerbachsche Schul- und HauSbibel ein, da gegen deren Einführung vom religiösen Standpunkte aus nichts einzuwenden sei (?Red. d. Jsr.j vom pädagogischen Standpunkte ihre Einführung sich aber empfehle. Apt-Emden tritt dem von Dr. Lob gemachten Vorschlag aus allgemeinen erziehlichen Gründen entgegen und empfiehlt ebenfalls die Auerbachsche Schul- und Hausbibel. Nachdem These 2 in der oben gegebenen Fassung die Zustimmung der Versammlung gefunden hatte, wurde die Sitzung bis ‘Ij 3 Uhr nachmittags vertagt. Während der Vormittagsitzung erschien auch der Delegierte des D. I. G. B., Herr Rechtsanwalt Benfey-Hannover, uberbrachte herzliche Wünsche des Bundes und versicherte die Versammlung seines regen Interesses an den Arbeiten und Bestrebungen der Lehrer. Dem freudigen Widerhall, den diese Worte in den Herzen der Anwesenden erweckten, gab der Herr Vorsitzende in DankeSworten seinen Ausdruck. Hierauf stellte Herr Dr. Gronemann den neuerwählten Seminar-Direktor Herrn Dr. Knoller-Breslau, vor. Der Herr Vorsitzende begrüßte derselben namens der Versammlung, dabei der Hoffnung Raum gebend, daß er der ihm unterstellten Anstalt sowie der Lehrerschaft das sein möge, was Herr Dr. Kroner ihr war. Herr Dr. Knoller, der sich nur auf wenige Stunden in Hannover befand, betonte^ in seiner Erwiederung hierauf, daß es ihn angenehm berührt habe, einen so herzlichen Empfang zu finden; er sage nicht zu viel, wenn er die Versammlung bitte, ihn jetzt schon ganz als den ihrigen zu betrachten und sie seines lebendigen Interesses versichere. Während der l1/» ständigen Mittagspause wurde ein gemeinschaftliches Mahl eingenommen, das, schon an sich trefflich, durch Toaste ernsten und heiteren Inhaltes gewürzt wurde. Leider hatte sich eine erhebliche Anzahl von Kollegen der gemeinsamen Tafel entzogen, so daß Herr Dr. Gronemann recht hatte, wenn er in seinem Toaste sagte: „Ich I sehe wieder viele, die nicht da sind." ' Nach Wiedereröffnung der Sitzung nahm die Berathung der Thesen ihren Fortgang. Eine von der Kommission vorgeschlagene These, welche die methodische Behandlung beim Bibellesen festlegen will, wird von Fabisch-Göttingen uud Stern-Hildesheim bekämpft, von Sommer und Meier-Hannover aber empfohlen, in der darauf folgenden Abstimmung aber verworfen. These 4 (5 der Kommission) wird, nachdem Fabisch formelle Bedenken gegen dieselbe erhoben, Sommer-Hannover, Selig-Emden und Eckmann-Nienburg dieselbe aber empfohlen haben, angenommen. Hierauf wurden, nachdem die vorverzeichneten Thesen im ganzen angenommen waren, die gestern abgebrochenen „freien Besprechungen" wieder fortgesetzt. Fabisch-Göttingen tadelte das Fernbleiben einer großen Anzahl von Kollegen von dem gemeinschaftlichen Mahle, besonders aber das Sichfernhalten der Kollegen aus der Stadt Hannover. Goldschmidt-Geestenmünde kommt auf die Frage des Stimmrechtes der jüd. Beamten zu sprechen und fordert die Kollegen im Interesse ihrer sozialen und rechtlichen Stellung auf, dasselbe geltend zu machen. Levy Norden und Selig- Emden befürworten dieses; Fleischhacker-Harburg glaubt, das Gesetz stehe dem entgegen; seine Zweifel werden indeffen durch eine von Roßkamm-Diepholz verlesene Verfügung des dortigen Landratamts beseitigt, dazu noch bemerkend, daß Gemeindeabgaben von den Beamten trotzdem nicht erhoben werden können. Spanier-Stolzenau bespricht die noch nicht erfolgte Gleichstellung der jüdischen Lehrer mit ihren christlichen Kollegen und schlägt vor, an einem noch näher zu bestimmenden Tage in Nienburg zusammenzukommen, um dort über die event. Absendung eines an die Königliche Regierung zu richtenden Gesuches zu berathen. Apt-Emden bittet die Thesen der zu haltenden Vorträge schon vor der Konferenz den Mitgliedern des Vereins zu übersenden. Stern-Münden beklagt die von den Gemeinden bei Anstellung ihrer Lehrer noch oft üblichen Klauseln und bittet die anwesenden Herren Landrabbiner, solche Vorbehalte nicht zu gestatten; ebenso wendet sich derselbe gegen das vermeintliche Recht der Schulvorstände, in den Unterricht eingreifeu zu dürfen. Dr. Gronemann erwiedert hierauf, daß die Regierung in der Regel von der Gemeinde gemachte Vorbehalte über Kündigungsrecht u. s. w. nicht anerkenne, auf besonderen Antrag jedoch unter Prüfung der jeweiligen Verhältnissen solchen Vorbehalten ihre Genehmigung ertheile. Levy-Norden bemerkt noch, daß dem Schulvorstande eine Einmischung in die inneren Verhältnisse der Schule nicht zustehe. Vacharach-Ahlem wünscht bei eiutretenden Stellenvakanzen im Hannoverschen eine größere Berücksichtigung der in der Provinz angestellten Lehrer. Nachdem hiermit die Tagesordnung erschöpft war, wurde beschlossen, die nächste Konferenz am ersten und zweiten Pfingsttage 1895 in Hannover abzuhallen; die Aufstellung der Tagesordnung bleibt dem Vorstände vor behalten. Für die Mühewaltung und unparteiische Leitung der Konferenz sprach noch Spanier-Stolzenau dem Vorstande den Dank der Versammelten aus, und mit dem Wunsche: „Auf frohes Wiedersehen im nächsten Jahre!" trennte man sich. Die Schriftführer: K. Roßkamm-Diepholz. S. Goldschmidt-Geestemünde. Verantwortliche Redaction: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.

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