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Der Israelit · 1894-07-05 · Heft 53 (5.7.1894) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 53 (5.7.1894)
Date
1894-07-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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982 Euch versichern, daß nichts leichter zu beweisen ist, wie das und die Umstände sind uns sogar in diesem Augenblicke sehr günstig. „Kennt Ihr die Bäuerin Anna, die eine Hütte südlich von Eurem Schloße hat, und zu Euern Leibeignen gehört?" Die Erwähnung des Namens brachte eine unerwartete Wirkung auf den Mann hervor; er errötete tief und nicht ohne einige Verwirrung stammelte er: „Ja, ja, ich kenne sie, sie war ein schönes junges Weib." „Nun denn, so wißt Ihr auch vielleicht, daß diese Anna ein Söhnchen hatte von zwei Jahren." „Hatte," rief der Pan in emer ungewöhnlichen Aufregung „hatte, ist das Kind gestorben?" „Ei, ei", sagte der Pater und drohte lächelnd mit dem Finger, „nun man sieht, Ihr habt ein Herz für Eure Leibeigenen. Ja, ich muß es Euch zu meinem Bedauern sagen, das Kind ist gestorben, und der Mann, der Leibeigne Gregorsky hat mir heute früh die kleine Leiche überbracht, damit sie bei unserm Kloster in geweihter Erde ruhen möge. „Diesem Kinde, das ja nun doch einmal tot ist, durchschneiden wir den Hals, legen ein wenig Thierblut an die Stelle, denn die Leiche ist schon erstarrt und wird kaum mehr bluten und dann ist es nur nötig, daß wir zwei Zeugen finden, die aussagen, daß sie mit zugesehen haben, wie der alte Jude und seine Tochter das Kind geschlachtet haben." „Aber diese Zeugen wird man nicht finden," rief der Pan. „Warum?" lächelte Franziskus mit überlegener Miene, „so viel Ihr wollt, weither Herr, kann ich davon bei den Bauern haben und es wird mich nicht einmal einen Pfennig Geld kosten." „Wie wollt Ihr das anfangen?" „Aber versteht Ihr denn nicht, daß es sich nur um Juden handelt, und daß man den Bauern, diesen dummen Tölpeln begreiflich macht, daß alles Böse, was sie den Juden thun, eine gute That ist, für die sie dem Himmel um ein Stückchen näher kommen. „Ich werde also einen Bauern und eine Bäuerin beauftragen, auszusagen, daß sie die That mit zugesehen haben und werde ihnen hierfür voll, ständige Absolution von allen ihren Sünden versprechen, das wird genügen, sie zu willfährigen Werkzeugen zu machen. „Aber, lieber Pan, Ihr dürft nicht geizig sein. Ich will natürlich für meine Person nichts, aber für das Kloster müßt Ihr eine entsprechend große Summe stiften." Der Pan, der den Ausführungen des Mönches aufmerksam zugehört hatte, gab zuerst keine Antwort. Bei dem Schluffe, den der Pater seinen Worten zu geben wußte, murmelte Johann etwas zwischen den Zähnen, was wie „Pfaffe" klang und für den Mönch nicht gerade schmeichelhaft sein mochte. In seinem Innern war Johann überzeugt, daß das Kloster von dem Gelbe, welches er dem habgierigen Kuttenträger zahlen müsse, keinen Pfennig bekäme, sondern daß dieser alles lediglich für sich verwenden würde. Zu Gunsten des Klosters hätte Jan gern eine Summe geopfert, aber für die heimlichen Bedürfnisse von Franziskus spendete er nicht gern. (Fortsetzung folgt.) Der „Jtraelt^ erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis de» Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 ReichS-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch int -uchhanirl pt bestehe» bet €. /. Strtuackrr« ftipfijg, Dsßptatz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine XiitksendnnF von an die Redaktion eiugesandten Manuskripte» findet nicht statt, man bittet de-halb sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalte«. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Rabbiner P. M. H. Wechsler, Höchberg y"j. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Nicht aus Berlin. Berlin. Wreschen. Osterode. Freiburg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Lemberg. — England: London. — Amerika; New-Pork. — Feuilleton: Esterka, Königin von Polen. Historische Erzählung von Hugo Freund (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Warum haßt Stöcker die Reformjuden V — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: England: London. — Vermischtes. — Sprechsaal. Inhalt der zweite« Beilage: Literarische Berichte. — Zur Poesie der Rischonittl. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen : Deutschland: Karlsruhe. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Lemberg. Pädagogische Beilage. Extra-Beilagrn: Sp nden-Verzeichniß des Deutsch-Israelitischen Reichswaisenhauses in Diez au der Lahn. — Preis- Kalolog von Wilh. Jacobsohn & Co., Verlagsbuchhandlung in Breslau. Verantwortliche Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS ,Israelis, Schottstrahe Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu fünf Beilage«.

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