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Der Israelit · 1894-07-05 · Heft 53 (5.7.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 53 (5.7.1894)
Date
1894-07-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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981 „Gewiß habe ich das, die beiden Gestalten sind von den meisten meiner Knechte und Diener gesehen worden. Ja, es sind sogar die Wachen vor ihnen entflohen, und wie ich mit Bestimmtheit am andern Tage erfahren habe, waren die Grusier zu jener Zeit wohl eine ganze Tagereise von meinem Schlosse entfernt und es ist auf dem Wege während des Tages kein einziger gesehen worden. „Ihr werdet mit mir übereinstimmen, Pater, daß jene Erscheinung nur der Teufel gewesen sein kann, den sich die Jüdin durch Zauberei zu Hülfe gerufen hat." Der Pater schwieg lange und wiegte den Kopf hin und her. „Juden sind eigentlich alle Zauberer", sagte er, „das ist ja wohl wahr, um so schwieriger ist es aber auch, einen Juden der Zauberei wegen anzuklagen. „Seht, bei einem ordentlichen Christenmenschen, da haben wir Geistliche dafür zu sorgen, daß das Seelenheil desselben nicht dem Teufel und der Hölle verfällt. Deshalb müssen wir die Zauberei so streng bestrafen und aufspüren, wo es nur möglich ist. „Ein Jude aber ist ja ohnedies verloren und seine arme Seele ist ohne Barmherzigkeit auf ewig und immerdar dem Teufel verfallen, deshalb ist es so schwierig hier einzuschreiten. „Und dann die Zauberei, wer von den Edlen würde es uns im Grunde seines Herzens glauben? „Sicherlich denken doch die Meisten, die Sache sei entweder nicht wahr, oder Ihr und Eure Diener seien so betrunken gewesen, daß Ihr Gespenster gesehen hättet. „Viel besser wäre es, wir verklagen sie wegen irgend einer anderen Sache, zum Beispiel wegen des Mordes eines Christenkindes. Seht Ihr, das ist etwas, das immer sein Publikum findet!" Jan lachte hell auf. „Ich bitte Euch, liebster Pater" sagte er, „diese alte und abgedroschene Geschichte wollt Ihr doch hoffentlich nicht aufwärmcn. Wir schreiben jetzt schon das Jahr 1336. und es ist nicht mehr, wie in der verdummten, längst vergangenen Zeit, wo man dem Volke jedes Mährchen weiß machen konnte. Auch wißt Ihr ja recht gut, daß in allen Fällen, in denen man die Juden eines solchen Verbrechens beschuldigte, sich die Sache als Lüge und Thorheit herausgestellt hat. „Ich bitte Euch, das ist abgenützt, das ist geradezu abgeschmackt." Der Pater lächelte ruhig, dann sprach er bedächtig: „Ihr mögt ein tüchtiger Kriegsmann sein und ein kühner Waidmann, edler Pan von Wola, aber die Menschen kennt Ihr nicht. Gerade mit den elendesten und abgenütztesten Sachen hat man den meisten Erfolg, denn das ist Jedem schon von Kindheit her bekannt, das hat Jeder schon seine Großmutter erzählen hören, das hält er deshalb für wahr, das glaubt er unbedingt, denn das ist auch ihm nicht mehr neu, mit dem ist er schon vertraut. „Wenn wir die Juden irgend einer anderen Sache bezichtigen, werden wir das erst beweisen müssen, die Blutgeschichte aber glauben uns alle ungebildeten Leute, und das ist die große, große Wahrheit, auch ohne jeglichen Beweis." Der Pan schaute dem Pater verdutzt in daS Gesicht. „Wie Ihr meint", sagte er endlich. „Und dann edler Herr," fuhr der Pater fort, „hat diese Sache noch die große Annehmlichkeit für uns, daß wir sie guasi zu einer jüdisch-nationalen machen können, daß wir nicht unsre Rache auf den Juden und seine Tochter beschränken müssen, sondern daß wir alle Juden dafür büßen lassen können. „Seht Ihr, wenn Ihr den alten Rabbi nur der Zauberei anklagt, so ist er allein schuldig, wenn Ihr aber ihn des Mords eines Christenkindls beichtet, so hat er das eben gethan, weil es im jüdischen Gesetze steht und dann sind alle Juden schuldig, dann können wir dafür sorgen, daß das Volk bet Gelegenheit dieses Prozesses über die Juden herfällt und uns gänzlich von diesem Geschmeiß befreit." „Ah!" rief der Pan, „dann könnte König Kasimir alle Juden Europa's in das Land berufen und ihnen so viele Freiheiten gewähren, wie er will. Wenn unser Volk die Juden tot schlägt, die hier sind, dann wird sich zukünftig keiner mehr nach Polen wagen. Und wenn sie doch kommen, so kann es uns nur recht sein. Sie bringen von der ganzen Welt die Schätze, Gold und Silber, hierher zu uns nach Polen. Wir aber schlagen sie hier tot und nehmen ihnen ihr Geld ab. Das wäre wirklich eine ausgezeichnete Einrichtung, um Polens Edle immer bei Kasse zu erhalten. Wenn man die Sache so auffaßt, könnte man schon mit König Kasimirs Politik einverstanden sein. Indessen lieber Pater Franziskus, Ihr habt eins nicht bedacht. Die Sache hat doch einen scharfen Haken, ein Hindernis, über das wir nicht hinwegekommen. „Ihr habt mich vorhin gefragt, wie ich die Zauberei beweisen wolle und das wäre möglich gewesen, den Mord eines Christen -Kind es darzuthun, das scheint mir in der That augenblicklich ganz undenkbar zu sein." „Wie unerfahren Ihr seid, bester Pan, ich kann

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