Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 53 (5.7.1894)
- Date
- 1894-07-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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978 bürg) von Sr. Majestät dem Hochseltgen Kaiser Wilhelm I. mit dem Namen „Eiserne Hochzeit" belegt wurde. Hier ist es, das noch geistig frische, wohlbekannte, seit 48 Jahren hier wohnende Lorenz-Krause'sche Ehepaar, welches 1879 unter großer Betheiligung der Behörden und der Bevölkerung die goldene und 1889 die Diamant- Hochzeit gefeiert hat. Auch am verflossenen Sonntag hatten sich um 93/4 Uhr Morgens alle Familienmitglieder, Kinder, Enkel und Urenkel zur Gratulation bet dem greisen Paare — der Jubilar ist 1806, die Jubilarin 1809 geboren — eingefunden, und überreichten einen mit Diamanten und Perlen besetzten „Eisernen Kranz" und einen ebensolchen Strauß, ferner ein künstlich gearbeitetes Album, enthaltend die Bilder aller Familienglieder bis auf den 3 Wochen alten Urenkel herab. Die beiden Widmungsgedichte wurden von zwei Enkelinnen vorgetragen. Etwas später erschien Herr Bürgermeister Elwenspoek, der im Namen der hiesigen Stadt gratulirte, dann der Vorstand, der Prediger und der Vorsitzende der Repäsentanten der Synagogengemeinde, die ihre Wünsche dem Jubelpaar in beredten Worten darbrachten. Herr Prediger Sturmann hielt hierauf eine feierliche Ansprache an das Jubelpaar, unter Zugrundelegung der Bibelstelle Psalm 97, 11, segnete es mit besonderem Danke gegen Gott, daß es ihm vor vielleicht Tausenden seiner Collegen vergönnt sei, für ein biederes, gottesfürchtiges Ehepaar, welches einst den Ernst des Lebens erkannt und heute in Freuden erntet, was es unter Thränen gesät, nun schon zum dritten Male (im Gold-, Diamant- und Eisenkcanz) Gottessegen herabzuflehen. Er überreichte alsdann ein Gratulattonsschreiben des Ausschusses des ostpreußischen Synagogengemeinde-Verbandes. Eine große Menge Gratulanten füllten nun die Zimmer des „Etsenpaares". ihre Wünsche darbringend, und den ganzen Tag liefen Briefe, Depeschen, Gedichte und Blumenspenden ein, um das Herz des Jubelpaares zu erfreuen. Nachmittags fand eine Festtafel im Hause des ältesten Sohnes, Herrn Jakob Krause, für die Mitglieder der Familie, die Verwandten und einigen hierzu geladenen Herren statt, wobei schöne und sinnreiche Trinksprüche gehalten wurden. Wie vor 5 Jahren wurden auch diesmal die Wohlthätigkeitsanstalten unserer Stadt und die der jüdischen Gemeinde mit reichen Gaben bedacht, und der aus Pernambuco in Brasilien hier weilende Sohn des Jubelpaares, Herr Joses Krause, spendete zwei werthvolle „eiserne" Kandelaber, zu Gas eingerichtet, die ihren Platz vor dem Hauptportal der neuen Synagoge, zur ewigen Erinnerung an die „eiserne Hochzeit" finden werden. Freiburg in Breisgau. Den besten Beweis für die Thatsache, daß das traditionelle Judenthum Gottlob wieder mehr und mehr an Boden gewinnt, bietet die täglich sich steigernde Zahl der dem jüdisch-rituellen Leben gewidmeten Institutionen, unter denen die rituellen Restaurants eine Hauptrolle einnehmen. Die steigende Zahl jüdischer Restaurants, bedingt durch die steigende Nachfrage nach solchen, gewährt auch den deutlichsten Beleg für die wachsende Anhängerschaft des Stnaigesetzes. Viele der reizenden Erholungsorte, die durch den Mangel ritueller Küchen den glaubensfesten Juden bisher zum Kurbesuche verschlossen blieben, sind ihm neuerdings durch Jnstituirung derartiger Einrichtungen zugänglich gemacht worden. So hat kürzlich auch die Perle des Schwarzwaldes, der kleine so herrlich in unmittelbarer Waldesnähe gelegene Luftkurort Günsterthal bei Fretburg im Breisgau eine jüdische Pension erhalten (Pension Moritz Kahn Wwe.), deren Einrichtungen wohl in jeder Beziehung, sowohl was Ritualität, Preis, Comfort und Lage betrifft, allen Ansprüchen genügen dürften. Eine der komischsten Seiten dieser Reaktion zum Althergebrachten ist immerhin wohl die, daß dieselbe — wenn auch unbeabsichtigt — von den Antisemiten veranlaßt und gefördert wird! Daß die von der edlen Staatsbürgerzeitung den christlichen Hotels anempfohlene Verfehmung jüd. Gäste gleichzeitig den wärmsten Appell an das Ehrgefühl der jüd. Gäste bedeutet, den Appell sich nicht an den „trefenen" Tafeln bloszustellen, sondern zu den väterlichen „koscheren" Fleischtöpfen zurückzukehren — das ist doch keine Frage. K. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 30. Juni. Heute Vormittag überreiche ten Vertreter der deutschnationalen Studentenschaft dem Rektor der Universität eine Denkschrift, worin sie Straflosigkeit für Jene erbitten, die die Kundgebung gegen Professor Nothnagel anzettelten; außerdem verlangen sie das Ausscheiden Nothnagels von seinem Amte. Als die Deputation in die Aula zurückkehrte, wurde sie von den massenhaft angesammelten Studenten mit „Prosit" - Rufen, „Gaudeamus", „Wacht am Rhein", „Pereat Nothnagel" u. dgl. begrüßt. Budapest. Von bedeutungsvollem Gewicht für die Schlachtftage ist jene Enunciation, welche der Director des Budapesters allgemeinen Schlachthauses in dem dteswöchentlichen Blatte der „Fleischhauer-Zeitung" aus Anlaß dessen veröffentlicht, weil man in Arad die Absicht hegt, die Thiere mittels Erschießens zu tödten.