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Der Israelit · 1894-07-02 · Heft 52 (2.7.1894) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 52 (2.7.1894)
Date
1894-07-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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972 beit das hohe .Ziel zu erreichen suchen, welches der isr. Schule von Alters her gestellt ist. Ob die Vereinigung persönliche Vortheile bieten wird oder nicht, das ist uns einerlei; wir ordnen die eigenen Interessen gerne denen der isr. Schule unter und verzichten gerne auf Vortheile, wo damit Beeinträchtigungen der Schule verbunden wären. Wir wünschen, daß der geplante Bund recht bald geschloffen werde und seine segensreiche Wirksamkeit beginne. Unsere Unterstützung und Beihülfe ist ihm, soweit es in unserer Macht steht, und er die Interessen des Judenthums und seiner Jugend vertritt, sicher. Die übrigen Ausführungen des Herrn E., die sich gegen die Bestrebungen des Bundes an der Hand des Becker'schen Entwurfs richten, stehen auf gleich schwachen Füßen und leiden an Einseitigkeit und falscher Auffassung des Bundes und seiner Thätigkeit. Wir wollen uns nicht die Mühe machen, dieselben zu widerlegen, da es auch Punkte in dem Entwurf gibt, die wir nicht billigen. Aber deshalb die Gründung des Bundes aufgeben? Nein. Einer Versammlung ernster, für die isr. Schule begeisterter Männer, die ihr Leben der isr. Schule gewidmet haben, wird es auch gelingen, für den Bund Satzungen zu finden, die ihn lebensfähig machen und ihn so zu gestalten, daß er eine segensreiche Thätigkeit entfalte zum Heile der isr. Lehrer, zum Heile der isr. Schule. Veritas. Die Organisation des Jugendunterrichts im talmudrschen Zeitalter. Ein Beitrag zur Geschichte der jüdischen Pädagogik von Dr. Magnus Weinberg, Berlin. Die jüdische Pädagogik in ihrer Vergangenheit und Gegenwart ist in den letzten Jahrzehnten der Gegenstand zahlreicher Abhandlungen gewesen, die in mehr oder minder wissenschaftlicher oder laienhafter, gründlicher oder oberflächlicher Weise und Form dargelegt haben, nach welchen Grundsätzen der spezifisch jüdische Unterricht seit den ältesten Zeiten bis auf die unsrige gehandhabt wurde. Speziell die Pädagogik der talmudischen Zeit ist in besonderen Monographien oder in Zusammenhang mit früheren oder späteren Perioden oft behandelt worden. Es wäre überflüssig, die einzelnen hierhergehörigen zahllosen Abhandlungen an dieser Stelle aufzuführen, es sei daher nur auf Straßburger „Geschichte der Erziehung und des Unterrichts bei den Israeliten" Stuttgart verwiesen, wo die diesbezügliche Literatur ziemlich erschöpfend angegeben ist. Unsere Aufgabe soll es sein, nicht die Handhabung des Unterrichtes selbst zu betrachten, sondern die äußere Organisation der Schulen, die Stellung der Schulen und der Lehrer inmitten der Gemeinden und ihr Verhälrniß zu denselben und ihren Mitgliedern während des Verlaufs der talmudischen Epoche, also etwa in den ersten 5 Jahrhunderten unserer landesüblichen Zeitrechnung. Wir werden im Laufe unserer Betrachtung des öfteren erkennen, wie so manche Institutionen und Ansichten aus jener fernen Zeit der modernen Anschauung entsprechen. Mit der Eroberung Palästinas und der Einäscherung des Tempels hatte das Volk Juda wohl feine politische Selbstständigkeit eingebüßt, eine Machtentfaltung nach außen war nicht mehr möglich; um mehr aber festigte und kräftigte sich das innere Leben des Volkes, die geistigen Eigenschaften wurden gcpflegr und gerade in jener Zeit entstanden die herrlichsten Blüten geistiger Machtentfaltung. Das Gemeinveleben, — das bis jetzt nur im Staatsleben aufging —, kam zur Geltung. Die einzelnen Ortschaften suchten sich nach innen und außen zu kräftigen durch zielbewutzte Pflege und Orgauisation religiöser, kultureller und volksthümlicher Institutionen. Sie wurden von den herrschenden Römern und Persern hierin nicht behindert, und besonders die ersten hatten stets das Bestreben, den unterjochten Staaten nach eigenen religiösen traditionellen und historischen Prinzipien die Verwaltung der inneren Angelegenheit selbst zu überlassen, vorausgesetzt, daß sie pünktlich die ihnen auferlegten Steuern zahlten. Dte Juden benutzten die ihnen gelassenen Privilegien und suchten zunächst die Mißstände zu beseitigen, welche zum Theil wenigstens den Sturz des Staates mit veranlaßt hatten. Dabet richtete sich ihr Blick hauptsächlich auf das Schulwesen. Von jeher wurde im jüdischen Volk auf den Jugendunterricht viel Werth gelegt. Josephus (e. ,Apionem , I.) spricht von den Juden als den^ Makiaxa <$€ itavtow 7i€Qi TtcudoTooffiav ffiloxa'kovvTe, „Die am meisten von allen Werth legen aus die Kindererziehung." Man kannte den Einfluß, den dieselbe aus die Entwickelung des gesammten Volkslebens ausübte und wehklagend spricht ein Rabbi die Ueberzeugung aus, daß Jerusalem nie hätte erobert werden können, wenn man in der damaligen Zeit mehr für den Unterricht gesorgt hätte. (Sabbat 119b). Doch war in frühster Zeit die Sorge für den Unterricht des Kindes dem Vater überlassen, der

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