Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 52 (2.7.1894)
- Date
- 1894-07-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Gefolge des Königs verabschiedet und war mi^ dem Versprechen, daß er jedenfalls bei der morgen oder übermorgen sortzusetzenden Jagd zugegen sein werde, in Gnaden entlassen worden- Er ritt einsam seiner Wege, gefolgt von einem seiner Knechte und dachte nach und sann, wie er sich wohl am empfindlichsten rächen könne für das, was ihm von der Jüdin angethan worden sei. In keiner Weise hätte man das Herz Jan's empfindlicher treffen können. Wenn man ihn einen Schurken, Lügner oder mit einem ähnlichen derartigen Scheltwort genannt hätte, es würde ihn nicht so bitter verletzt haben, als daß man seine Person, die Schönheit seiner Gestalt verschmähte. Aber, wie mehr er auch nachdachte, es wollte ihm nichts einfallen, womit er seine Pläne auszusühren im Stande gewesen wäre. Er dachte daran, mit seinen Knechten das Haus Rabbi Jehoschua's nächtlich zu überfallen und das Mädchen und ihren Vater fort zu führen, aber er fürchtete zu sehr, daß sie entkommen könnten und daß dann König Kasimir in seiner Gerechtigkeitsliebe ihn selbst furchtbar bestrafen könne. Dann dachte er wieder, daß er den Beiden die Hütte über dem Kopfe durch einen seiner Knechte anzünden wollte, aber auch dies mußte er bald wieder verwerfen. Wie er sich denn so völlig rathlos sah, lenkte er sein Pferd von der graben Heerstraße ab; er gab seinem Diener Befehl nach Hause zu retten, er selbst aber schlug einen andern Weg ein, aus dem er durch einen kleinen Umweg, so daß Niemand bemerken konnte, wohin er seinen Weg richte, nach dem Kloster gelangte. Er wollte nicht haben, daß man ihn heute auf diesem Wege sah, denn er hoffte mit Bestimmtheit von dem schlauen und geriebenen Pater Franziskus einen Rath in dieser Angelegenheit zu bekommen, der ihn gefahrlos zu dem erwünschten Ziele führte. In seiner freundlichen und ergebenen Weise begrüßte Pater Franziskus den vornehmen Herrn. „Womit kann ich Euch dienen, edler Pan", sagte er, „verfügt vollständig über mich; ich will Euch in allem, was Ihr verlangen mögt, zu Diensten sein." Sie waren in dem Empfangssaale des Klosters und einige Brüder und Laienbrüder hielten sich in demselben auf. „Nicht hier," sagte der Pan, „ich habe mit Euch ins Geheim zu reden." Bereitwillig führte Franziskus den Pan nach seiner Zelle. Nachdem beide dort Platz genommen, erzählte Pan wie damals an dem Abend, da der Pater zugegen gewesen, die Jüdin auf irgend eine unbegreifliche Weise, wahrscheinlich durch Zauberei entschlüpft wäre, wie er sie heute wieder gefunden, wie sie ihn verschmäht, und daß er entschlossen sei, schwere Rache zu nehmen. „An einem Juden ist das nicht eben schwierig," entgegnete der Pater, „habt Ihr schon irgend einen bestimmten Plan ausgesonnen?" „Nein, das ist es eben, worum ich Euch ersuchen möchte; mit Gewalt ist nichts zu vollbringen. Wir müssen mit List zu Werke gehen." _(Fortsetzung folgt.)_ Wochen - Kalender. Freitag, 6. Juli, 2. Tamus. Sabbat-Anfang in Mainz 7 Uhr 55 Min. (II. 8. Z.) Samstag, 7. Juli, 3. Tamus. nsipn ‘2 'n pn? n i p. Sabbat-Ausgang in Mainz 9 Uhr 35 Min. (bl. E. Z.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis de< Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vterteljähttg. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch ktn Buchhandel z» bestehe« bet Sk. $. Sleinackrr« Leipzig, Dvßptah 18. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozuscndung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs Mark oder 8 fi. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Stftiffejtbitttg vor» au die Redactton eiugefaudten Manuskripten findet nicht statt, mau bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Copie zurückznbehaltcu. Inhalt (Hanptblatt) r Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Mainz. — England: London. — Privattelegramm des „Israelit": Höchberg. — Vermischtes. — Feuilleton: Esterka, Königin von Polen. Historische Erzählung von Hugo Freund (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Rezeption der jüd. Religion. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Geilenkirchen. Fürth. — Oesterr.-Nngar. Monarchie: Budapest. — Vermischtes. Pädagogische Beilage. Extra-Beilage r Central-Firmen-Liste. Verantwortliche Redactiin: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckeret-Actien-Gefellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.