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Der Israelit · 1894-07-02 · Heft 52 (2.7.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 52 (2.7.1894)
Date
1894-07-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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/ 961 im Feu iUj t o n. Esterka. Königin von Voten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 9.) (Nachdruck verboten.) Vor Wuth stieß der Pan sein Schwert sammt der Scheide, das er immer bei sich trug, auf den Boden. „Ha!" rief er, „stände doch nur das Häuschen wenige Schritte weiter auf dem Boden meines Freundes Rossny, so würde ich nicht viel Federlesens mit der Dirne machen. Ich würde sie aufgretfen und in mein Schloß führen lassen. Hier aber dieses elende Dorf ist Eigenthum des verfluchten Kasimir und der ist unerbittlich, wenn man dergleichen unschuldige Dinge aus seinem Boden vollführt; er wäre im Stande mich enthaupten zu lassen wegen dieser nichtsnutzigen hergelaufenen Jüdin. So komm doch mit mir, Mädchen", schrie er noch einmal laut auf. „Wenn Du keine Ehren für Dich willst, so thue es Deiner Stammesgenossen wegen. Bis jetzt habe ich alle Juden von meinen Besitzungen vertreiben oder gar töten lassen; wenn Du aber mit mir gehst, so verspreche ich Dir, daß ich von nun ab u.ld weiter den Juden auf meinen Gütern eine Freistadt gewähren will; so viele auch kommen wollen, sie sollen bet mir es gut haben." Esther nur durch eine schwache Thür von Pan getrennt, stand zitternd und gab keine Antwort. „Mädchen", schrie der Pan von Wola, „wohl wenn Du keck genug bist, diese Hand zu verschmähen, mit der Dich ein Großer des Reichs, mit der ich, der Pan von Wola Dich beehren will, dann werde ich fürchterliche Rache an Dir üben, und Deinem ganzen Stamm. Ich werde die Juden verfolgen, wo ich sie finde, ich werde den Brand werfen in ihre elenden Hütten und das schwöre ich Dir, dieses ganze Geschmeiß von der Erde zu vertilgen." Auch auf diesen Wuthausbruch gab Esther keine Antwort, in der Ferne aber hörte man den lustigen Hörnerschall der Jagd, die das Wild erlegt hatten, und nun das Hallalt anstimmte. „Hörst Du den Hörnerschall, Esther," rief der Pan, „dort drüben jagt der König Kasimir mit den Großen seines Reichs; es ist sein Boden, auf dem Du hier stehst und glaube mir, wenn ich Dich bei ihm verklage, mein Wort wird mehr gelten in seinem Ohre, als das Deine. Fürchte meine Rache, Mädchen, denn sie wird schrecklich sein. Roch einmal, willst Du mir folgen, oder wollt ihr zu Grunde gehen, Du, Dein Vater und Dein ganzer Stamm." „Herr, habt Erbarmen mit mir", wimmerte Esther. H:;' „Willst Du mit mir gehen?" - /;• „Nein, nein, ich kann nicht, ich darf nicht." „Nun denn, dann kommen die Folgen auf Dein Haupt." „Weil Du mich verschmäht hast, deshalb verschmähe ich Dich, deshalb verderbe ich Dich, Dein ganzes Haus und Deinen ganzen Stamm. Fürchte meine Rache, denn sie wird entsetzlich sein. So spreche ich Jan, der Pan von Wola." Noch einige Augenblicke stand der Pan wartend da, als aber noch immer sich nichts regte in dem anstoßenden Zimmer, da ergriff er mit der Rechten das Schwert sammt der Scheide und schüttelte es gewaltig in der Luft. „Das sollst Du büßen, elende Dirne", schrie er, „ich will nicht umsonst um Dich geworben haben, Du wirst es bereuen." Und mit diesen Worten stürzte er aus dem Hause, band sein Pferd los und schlug die Sporen in den Leib des unschuldigen Thieres, daß es entsetzt sich aufbäumte. Als er zurückkehrte zur Jagdgesellschaft, da frug ihn Roßny lachend, was er denn erreicht hätte bei der schönen Jüdin. Jan aber blickte finster vor sich hin und schwieg. In Angst und Zagen blieb Esther zurück. Nachdem der Pan gegangen, wagte sie eine lange Zeit nicht, die Thüre zu öffnen und als sie endlich sich getraute hinaus zu gehen, da war der Pan von Wola längst hinweg gegangen. Nach kurzer Zeit aber kam Rabbi Jehoschua zurück. Seine Kleider waren etwas mit Blut besprengt von dem Thiere, das er geschlachtet hatte. Unter Weinen und Stammeln erzählte Esther, was sich während der Zeit zugetragen hatte. Rabbi Jehoschua vermochte es aber, seine Tochter zu beruhigen. Hier sind wir sicher vor dem Pan von Wola, denn hier sind wir auf dem Gebiet unseres großen und erhabenen Königs Kasimir, dessen Lob ist im Munde aller unserer Glaubensgenossen." Für alle Fälle aber beschlossen die Beiden, Eltscha von dem Vorfall zu benachrichtigen, damit, wenn allenfalls ihnen etwas zustoßen würde, er wisse, wo der Grund hierfür zu suchen sei. Indessen schien sich die Annahme Rabbi Jehoschua's zu bestätigen. In der That verging ein Tag, ohne daß sich irgend etwas zu Ungunsten Rabbi Jehoschua's oder seiner Tochter ereignethätte,Z und schon glaubten die Beiden sich vollständig sicher vor der Rache des jungen Pan, denn sie ahnten ja nicht, was an diesem Tage vorgegangen war. Der Pan hatte sich so bald wie möglich von dem

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