Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-07-02 · Heft 52 (2.7.1894) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 52 (2.7.1894)
Date
1894-07-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448458--38816-2486939
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

959 / Der Großrabbiner von Frankreich, Herr Zadoc Kahn, richtete an die Großrabbinate der einzelnen Departements ein Rundschreiben, worin er eine Trauerfeicr in sämmtlichen Synagogen Frankreichs anordnete. England. London, 29. Juni. (Esrogim als Handelsartikel.) In dem Bericht des Consuls Haggard in Triest an das englische auswärtige Amt weist dieser in ausführlicher Weise auf die Wichtigkeit des dortigen Eitronenhandels, und besonders in Esrogim hin, die er als „Citronen des Gesetzes" bezeichnet. Dieser Theil des Berichtes ist so interessant und zeigt von biblischer Gelehrsamkeit, was man gewiß selten in einem consularischen Bericht vor finden dürfte, daß wir ihn ausführlich bringen wollen: „Der Citronenhandel in Triest ist von großem Interesse und auch von einiger Bedeutung. Zwei Gattungen von Früchten werden eingeführt, jede für einen ganz anderen Zweck bestimmt. Die eine Frucht ist die zum Einmachen und Cristallistren bestimmte, die auf o cul irten Bäumen wächst und von November bis Januar gesammelt wird; die andere „Citrone des Gesetzes" genannt, von u no c ul irten Bäumen von Juni bis Aug. 15. gesammelt, ist die natürliche, unreife und nicht eßbare Frucht. Letztere wird ausschließlich für die religiösen Gebräuche der Juden bei dem Hüttenfeste verwendet und von dem Handelsstandpunkte aus, hat sie öfters den wichtigeren Theil des Eitronenhandels in Triest gebildet. Es ist dies ein Unternehmen von langem Alter her. Seit Jahunderten sind die jüdischen Kaufleute aus Polen, Rußland und Ost- Europa gewohnt, ungefähr im Monat August jeden Jahres sich in Triest einzufinden, um die Ankunft der Eitronen zu erwarten. Bis ganz kürzlich war dieser Hafen der einzige Centralpunkt für den Handel in Esrogim. Politische und andere Gründe ließen diesen Platz als Markt besonders geeignet erscheinen, aber vor Allem hinderte die Furcht vor den Seeräubern in der Levante die Juden daran weiter südlich zu reisen, um an den Productionsorten einzukaufen." Der Ursprung dieses Handels befindet sich in der Bibel, (Leviticus XXIII, 40) und werden die darauf bezüglichen Stellen in dem Berichte mit den Belegen cittrt, die wir aber bei unseren Lesern als bekannt voraussetzen dürfen. Aus dem Italienischen Text, der citirt wird, geht merkwürdiger Weise der Name der seit Alters her gebrauchten Frucht (Frutto di Cedro) hervor, welchen die Juden gewählt haben sollen, wegen ihrer Aehnlichkeit mit dem menschlichen Herzen und ihres angenehmen Geruches. Von jeher hat man darauf gesehen, daß die Frucht so fehlerlos als möglich sei, weßhalb die Preise außerordentlich schwanken, im Berhältniß zur Tadellosigkeit der Frucht, welche bisweilen in den letzten Jahr bis M. 70 per Stück brachte. Selbst 1893 wurden einige Exemplare für M. 20 verkauft. Es ist unbedingt nöthig, daß die Stiele an der Frucht und intact sind, und aus diesem Grunde (da die Frucht noch nicht reif zum Feste ist), wird sie unreif gesammelt. Die Wichtigkeit dieses Punktes liegt darin, daß das Vorhandensein des Stieles die vollständige Frische bekunden soll, um die Fiction aufrecht zu erhalten, daß der Käufer (vielleicht in Polen) selbst die Frucht im heiligen Lande gesammelt hat. Man sagt, daß durch die Abnahme der Frömmigkeit bei den Juden in Ost- Europa die Nachfrage nach den Citronen des Gesetzes abnehmen würden, aber bisher ist nichts davon zu verspüren; im Gegenthetl, es würde sich lohnen weiter zu pflanzen, da die Preise noch so hoch sind; und die Aufmerksamkeit britischer Unternehmung sei darauf gelenkt, besonders in Cypern, mit dem Zusatze, daß den Jüdischen Anforderungen genügt werden muß. Die Jüdischen Kaufleute, die vom Osten Europa's zum Einkauf kommen, sind oft Leute von bedeutendem Vermögen, obgleich ihr Ausehen dies Lügen straft. Obgleich eine größere Anzahl zur Zeit in Triest versammelt ist, sieht man sie nur gelegentlich, einzelne oder zu zweien. Sie wollen damit den Eindruck erwecken, daß nur sehr wenige in der Stadt seien, um mitzubieten, und so die Preise zu erhöhen. Der Handel ist fast ausschließlich in den Händen von Juden, die einen großen Ruf als tüchtig und intelligent haben. Die Esrogim wachsen vorzugsweise auf den Jonischen Inseln, Sarga, Jaffa und im übrigen Heiligen Lande. Heute giebt es für Letztere keinen Vorzug mehr, der früher vorhanden war. Bis vor kurzem waren die Früchte aus den Jonischen Inseln die gesuchtesten, allein die hohen Preise, die die Griechen forderten, und die Judenverfolgungen in Corfu 1891, wegen deren die russischen und polnischen Rabbiner die Citronen aus dieser Gegend in Acht gethan haben, haben das griechische Monopol gebrochen. In Folge der üblichen Anordnungen der Rabbiner bei diesem Handel hat obige Maßregel eine große Bedeutung, denn auf diese Weise können die Verfolgungen ihrer Race gerächt und zugleich auch die Preise gedrückt werden. Jeder Kiste Früchte, die bet dem Hüttenfeste gebraucht werden soll, muß ein Zeugniß des Rabbiners am Verschiffungsorte beigelegt sein. Dies beweist, wie leicht die Juden diesen Handel vollständig controlliren können. Neuerdings haben die im heiligen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.