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Der Israelit · 1894-07-02 · Heft 52 (2.7.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 52 (2.7.1894)
Date
1894-07-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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V 956 < ■ genannt werden, wurden der Krieg und seine Schrecken, an die man doch gewöhnlich denkt, wenn vom Schwert die Rede ist, nicht ausdrücklich genannt.^ Die weise Vorsicht und Gewissenhaftigkeit, welche* selbst die Bildersprache unserer Weisen in jedem Zuge bekundet, legt die Frage nahe, warum der Krieg, nicht ausdrücklich genannt, sondern das Schwert als bildliche Bezeichnung dafür gewählt ist. Da dürfte es sich denn ergeben, daß Schwert und Krieg, vielleicht dennoch nicht so vollständig identische Begriffe sind, wie man leicht zu glauben geneigt ist. Es kann einen Krieg geben ohne Schwertstreich und das Schwert kann in der Welt sein und seine Verheerungen anrichten, ohne daß es zu einem Kriege kommt. So paradox diese Thesen auch klingen, so sind sie doch durch und durch wahr und jeder Tag beweist die Wahrheit desselben. In einer Abhandlung „Krieg und Frieden" im „Politischen Jahrbuch der Schweizerischen Eidgenossenschaft" von Prof. Dr. Hiliy treffen wir, was die erste dieser beiden Behauptungen betrifft, folgende überaus zutreffenden Sätze: „Die Bewegung des Socialismus, der stets zunehmende Klaffenhaß, der leidenschaftliche Antisemitismus, die Ausbeulung ganzer Klassen der Bevölkerung eines Staates durch andere, der Raubbau sogar in der Natur ohne alle Rücksicht auf kommende Generationen und ihre Bedürfnisse, ist das etwa nicht Krieg, oder was ist es sonst? Bürgerkrieg, der schlimmste von allen Kriegen, wird vielleicht in verschiedenen Staaten das Ende des vielgerühmten neunzehnten Jahrhunderts mit allen seinen Humanitätsbestrebungen sein." Schwert ohne Krieg ist dagegen die Signatur, die gegenwärtig dem ganzen öffentlichen Leben aller Staaten der Erde ausgeprägt ist. Alle Staaten und Völker haben das Schwert gezückt, sie seufzen unter einem eisernen Panzer, der ihnen den freien Gebrauch ihrer Kräfte und Bewegungen versagt, sie drohen der Kriegsbereitschaft und seinen Opfern zu erliegen, die von Tag zu Tag noch größere Dimensionen annimmt, weil ein Staat eifersüchtig über die militärischen Fortschritte des anderen wacht, um sich dieselben anzueignen. So geht alles unter dem Zeichen des Schwertes. Die Elite der Nation muß in der Blüthe ihres Lebens die schönsten Jahren dem Dienste des Schwertes weihen. Die nicht unmittelbar im Dienste des Schwertes stehenden Volksklassen müssen durch hohe Steuern, mit Vertheuerung der Lebensmittel durch ungewöhnliche Zölle die Opfer bringen, die das Schwert verlangt. Alle höheren Ansprüche des Lebens, Religion, Kunst, Wissenschaft, alle müssen sie zurücktreten, um den Anforderungen des Schwertes zu genügen. Wohlgemerkt des Schwertes, nicht des Krieges. Alle diese Opfer werden dem Schwerte gebracht, um die Thätigkeit des Schwerts hintanzuhalten. Man giebt für die Bereitschaft zutn Kriege alles hin, um nur den Krieg zu vermeiden. Und alle Staatskunst ist darauf gerichtet durch Erhaltung dieses bewaffneten Friedens den Ausbruch eines Krieges hintanzuhalten. Es ist wohl Niemand, der das Unerträgliche dieses ungesunden Zustandes nicht fühlte, aber man hält ihn und gewtß nicht mit Unrecht als ein kleineres Uebel, als den Krieg selbst. Frägt man sich aber, was ist es denn, was eigentlich den Zündstoff bietet, der jeden Augenblick eine Explosion befürchten läßt, so werden uns die Politiker eine ganze Reihe von alten nnd neuen Fragen, Verwickelungen und verjährtem Unrecht aufzählen, von welchen eine einzige ausreicht, einen Weltbrand zu entfachen. Da ist die orientalische Frage, die bosnische, serbische, polnische, irische Frage und wie sie alle heißen, welche so sehr dazu geschaffen scheinen, das Schwert aus der Scheide zu reißen, daß man sich bei diesen zahlreichen Verwickelungen mehr über den Frieden als über den Krieg wundern mag. Sieht man diesen Fragen einmal vorurtheilsfrei ohne diplomatische Brille ins Auge, so liegt ihnen allen ein brutaler Rechtsbruch, eine offenbare Vergewaltigung zu Grunde, die laut nach Sühne ruft: Wäre Recht Recht, gälte uns Unrecht als Unrecht und würde als solches behandelt, so wären diese Fragen längst beantwortet, ja dann könnten diese Fragen keine Fragen sein. Aber das ist eben die Kunst unserer Diplomatie, das Unrecht Jahre, Jahrzehnte und selbst Jahrhunderte verjähren zu lassen, bis es ihr gelungen ist, das anfänglich tief verletzte Rechtsgefühl soweit einzulullen, daß das, was ursprünglich als schreiende Rechtsverletzung empfunden wurde, heute zweifelhaft, fraglich, eine Frage geworden ist. Da nun die Schwachen, Uebervortheilten und Hintangesetzten, deren verletztes Recht man in Frage gestellt hat, um sich leichter über dasselbe hinweg setzen zu können, nur auf die Gelegenheit warten, um zu ihrem mit List und Gewalt ihnen vorenthaltenem Recht zu gelangen, so müssen die Großen und die Kleinen, die Schwachen und die Starken fortwährend Gewehr bei Fuß auf dem Mi vive stehen, um gegen diese Eventualität gerüstet zu sein. Diese Hintanhaltung, Hinausschiebung und Verjährung des Rechts hat somit ganz unmittelbar den Unsegen des Schwertes zur Folge, unter dem alle seufzen, pn wy hy D^ij/b ann psyDi nöu pn D’jnrr mumao y"“> «n'D .imx ppviv pw Kommt es dann denn doch einmal im Verlauf der Jahre dazu, daß die interessirten Staaten und

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