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Der Israelit · 1894-07-02 · Heft 52 (2.7.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 52 (2.7.1894)
Date
1894-07-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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m / / XXXV. Jahrgang. GERMANIA JUDAICA Kölner Bibliothek wax Geschichte des deutschen Judentums 7 /"! W .UH ■>>1 M 5?. Der Israelit. Ein Gentral-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den S. Juli 5654 (1894). Leitender Artikel. Sprüche der Jäter. « Fünftes Buch. XIX. Mainz, den 1. Juli. Dnion Vyi pn rmy tyi pn by ta mn .nabro miro „Schwert tritt in die Welt, wegen Hintanhaltung des Rechts, wegen Krümmung des Rechts und wegen derjenigen, welche in der Thora entscheiden, nicht der Ueberlieferung entsprechend." In eitler Zeit, die in Waffen starrt, und die wie die unsrige die alte Verheißung: rrnn -pin by „auf deinem Schwert wirst du leben" in einer bis jetzt unerreichten Weise zur Wahrheit macht, in einer solchen Zeit dürfte ein Hinweis auf den Gegenstand des Väterspruchs, der uns heute beschäftigt, wohl von einigem Interesse sein. — Schon in dem Wortlaut des vorliegenden Ausspruchs spricht sich eine Anschauung aus, die von unserer alltäglichen, landläufigen entschieden abweicht. Uns gelten Recht und Gewalt als disparater Gegensatz. Das Schwert ist das stärkste und empfindlichste Vollstreckungswerkzeug der Gewalt, die damit dem Recht sein Recht streitig macht. Der Spruchweisheit der Väter gelingt es diesen Gegensatz in vollständige Harmonie aufzulösen, indem sie uns das Schwert als Sühne des verletzten Rechts begreifen lehr*. Gewalt geht nicht vor Recht trotz der scheinbaren Triumphe. Die Gewalt des Schwertes steht im Dienste des gekränkten Rechtes und verhilft ihm zu seiner bislang versagten Anerkennung. Selbst das Esau-Schwert, durch welches Esau sein Dasein fristet, dient den Zielen und Zwecken der Jakobstimme nayn -pnx rwi rmn *pin by\. Denn das Schwert tritt in die Welt, wenn das Recht in ihr verkümmert wurde. Die Welt, von welcher hier die Rede ist, bedeutet zunächst die jüdische Welt, aber die Wahrheit, die sich hier ausspricht, geht weit über die Grenzen des jüdischen Volkes und Staates hinaus. — Dieser Staat wurde dem Volke Israel von Gott angewiesen, um auf demselben den Willen Gottes zur Verwirklichung zu bringen, wie ihn sein Gesetz ausspricht. Erfüllt Israel mit seinem Staatswesen diesen Zweck nicht,' so mahnt das Schwert, welches dieses Land überzieht, die Bewohner an ihre Pflicht. Wird aber nicht nur das Recht, wie es die Thora vorschreibt,iß praxi nicht mehr geübt, sondern auch die Kenntniß der Thora selber nicht mehr gepflegt, wie es Vorschrift und Ueberlieferung fordert, dann sühnt das Schwert in Esau's Händen das Unrecht, das an der Jakobsstimme verübt wurde. Hunger, Pest, Schwert, Gewild und Verbannung sind die Gottesboten, durch welche Gott in immer intensiverer Weise dem gekränkten Rechte Geltung verschafft. — In der Heimsuchung durch das Schwert liegt eine Verschärfung, welche der Pest abgeht. König David zog die Pest dem Schwert vor, weil sie ein Strafgericht bedeutet, das unmittelbar von Gott ausgeht, während das Schwert uns Menschen überantwortet: „Ich will lieber in Gottes Hand fallen, denn sein Erbarmen ist groß, aber in Menschenhand will ich nicht fallen." Sehen wir hier nun von der Bedeutung ab, welche die Anwendung dieser Wahrheit zunächst auf unsere staatliche Selbstständigkeit hat, so führt uns ein äußerer Umstand noch auf eine Erwägung, deren Bedeutsamkeit tief in das gesummte staatliche Leben der Gegenwart eingriff. Unsere Väterweisheit spricht hier von sieben Heimsuchungen, die alle schlicht und plank aufgeführt sind, wie sie sich oben geltend machen; mit der einzigen Ausnahme, die uns augenblicklich beschäftigt. Während vorher der Hunger und die Pest und nachher das Gewild und die Verbannung

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