Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 51 (28.6.1894)
- Date
- 1894-06-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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941 schlesiens und aus dem benachbarten Oesterreich, namentlich aus Oswiecim und Umgegend, erwies dem Hingeschiedenen die letzte Ehre. Der letzte Wunsch, den Rest seiner Tage auf geheiligtem Boden in Jerusalem zu verleben, blieb ihm versagt. Eine würdige Gattin und ein einziges Kind, eine jugendliche, noch unversorgte Tochter beweinen den frühzeitigen Tod eines tugendreichen, liebevollen, frommen Gatten und Vaters. Der Rabbiner aus Königshütte und ein T'i aus Oswiecim würdigten in längerer Rede eingehend die reichen, menschlichen und israelitischen Tugenden und Vorzüge des Frühverklärten. msjn. — nc. — Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 26. Juni. Die Freiwillige Rettungs- Gesellschaft hat die unfreiwillige Demission des Chefarztes Vragassy angenommen und den ehemaligen Jnspektionsarzt Charras mit der Leitung betraut. Vragassy hat sofort seinen Posten verlassen. Rußland. Petersburg, 26. Juni. Den Israeliten, welche widergesetzlich in den inneren Gouvernements leben, wird gestattet, Handelspatente bis zu den von dem Minister des Innern für die Uebersiedlung nach dem Ansiedlungsrayon bestimmten Fristen zu lösen. England. P. London, 24. Juni. Der durch seine Untersuchungen der Zustände unter den russischen Juden bekannte Herr Arnold White, bat durch seine rückhaltlose Kritik der Juden vielfach Anstoß erregt; in seinem neuen Werk über „die englische Demokratie" läßt er jedoch dem jüdischen Einfluß volle Gerechtigkeit widerfahren. Obgleich man einzelnen Aeußerungen die Parteilichkeit eines Menschen anmerkt, der nicht für uns eingenommen ist, so hebt er doch folgende Punkte besonders hervor: „Das Bestehen jüdischer Körperschaften in unserer Mitte, mit ihrer sprichwörtlichen Meisterschaft in Sparsamkeit, voll von Handelstrieb und zum größten Theil enthusiastische Verfechter der unverletzlichen Privateigenthums- Rechte ist ein unzweifelhafter Vortheil in einem socialistischen Proletariat." — „Die von der Aufnahme der jüdischen Flüchtlinge in England am hauptsächlichsten Leidenden sind die englischen Juden; die Armuth der Ankömmlinge fällt auf sie, und wenn ein Verbrechen begangen wird, so wird der Ruf der die Gesetze am strengsten beobachtenden Race Europas geschädigt." — „In der Philanthropie sind die Juden anerkannt das großmüthigste Volk, und sie führen ihre Wohlthätigkeits-Einrichtungen in seiner Weise, die sie als Vorbilder für die ganze civtlisirte Welt hinstellt. Als Beschützer der Kunst, Wissenschaft und Literatur haben sie die Verfeinerung und Civilisation unseres Landes gefördert. Und in nicht geringem Maße hat das literarische und künstlerische Verdienst ihrer Beiträge zum Nationalgeschmack inbezug auf Formen« und Farbenschönheit, sowie zum Drama und der Belletristik im allgemeinen die Stellung geschaffen, welche England in solchen Dingen vor der civilisirten Welt einnimmt." Bei den Titels- und Preis-Stipendien-Verlei- Hungen an der Universität Cambridge haben sich zahlreiche jüdische Studierende hervorgethan, darunter besonders Herr Julius Jakob in der Mathematik und Herr Michael Lange in semitischen Sprachen. Beide sind kaum 21 Jahre alt; der erstere ist ein Neffe des bekannten Portrait-Malers Julius Jakob in Berlin. Ferner sind zu nennen: Herr Alfred Eichholz, Herr Abraham Levine, Herr Lionel D. Barnet, Herr A. I. Jordan, Herr Walter S. Myers, Herr K. N. Salaman und Herr I. A. Chotzner. Sogar eine Dame, Frl. Nettie Nachbar, hat sich durch ihre geschichtlichen Studien eine Auszeichnung erworben. Frl. Olitzka gab am Dienstag Abend mit vielem Beifall die Rolle der Fricka in der deutschen Vorstellung der „Walküre" in der Königlichen Oper in Drury Lane. Bei der kürzlich stattgehabten Jnspection der jüdischen „Pi'66 School“ wird das Resultat von dem König!. Jnspector als „phänomenal" bezeichnet. Am 13. d. Mts. fand im Kristalpalast das jährliche Sommerfest des Londoner „Sonntagsschul- Chors und „Orchesters" statt. Unter den Stücken, die von dem Hauptchor, aus 5,000 Stimmen bestehend, gesungen wurden, war die Hymne „Preise den Gott Abrahams", deren Melodie mit derjenigen des „Jtgdal" identisch ist, die gewöhnlich Freitag Abend in den englischen Synagogen gesungen wird. Es war in den Liederbüchern jahrelang als „Hebräische Melodie" bezeichnet und trug den Titel „Leont", nach dem Componisten, der zu Anfang des letzten Jahrhunderts Chasan in London war. Der Vortrag der Hymne mit dem Chor, der Orgel und einer Kapelle von 290 Instrumental- Musikern erwies sich als äußerst wirkungsvoll, und Herr Dr. M. Davis, der Chorführer der West End- Synagoge, der das Orchester dirigirte, erntete reichen, ungetheilten Beifall. (Vielleicht ist der geehrte Herr Korrespondent in der Lage, uns die Noten dieser hervorragenden Jigdalmelodie zu übermitteln, welche dann durch Abdruck im „Israelit" auch in den deutschen Synagogen heimisch werden kann. R.) London, 25. Juni. Wie bereits berichtet, wurde im Concil der Iluiäet S^naxo^ue beschlossen, im östl. Stadttheile eine Rtesensynagoge und gleich-