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Der Israelit · 1894-06-28 · Heft 51 (28.6.1894) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 51 (28.6.1894)
Date
1894-06-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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942 zeitig eine große Halle für das vn tva zu erbauen. Sir Samuel Montage ist diesem Projekte nicht geneigt, weil diese Projekte der Gemeinde eine zu große Last (die Kosten sind L. 35,000) ausbürden würde. — Nächsten Sonntag wird nun eine Generalversammlung der Mitglieder der Unidet Synagogue, die Lord Rothschild präsidiren wird, einberufen werden. -£» vermischtes. -4- WormS. Dieser Tage beschäftigte sich die hiesige Stadtverordnetenversammlung mit der Annahme einer Stiftung eigener Art. Der verstorbene Rentner, Herr Leopold Scheftel, früher ")DiD, hatte dem hiesigen Oberbürgermeister alljährlich den' Betrag für 100 Ctr. Kohlen an verschämte Stadtarmen zugehen lassen. Damit diese edle That mit seinem Tode nicht aufhöre, hat Herr S. testamentarisch M. 1500 für diesen Zweck bestimmt, welche Stiftung selbstverständlich von der Stadtverordnetenversammlung angenommen wurde. Mannheim. Zu der vom preußischen LandwirthschaftSminister einberufenen Conferenz, welche die Maßnahmen zur Hebung der Landwirthschaft berathen soll, hatte auch der hiesige, erst kürzlich von unserem Großherzoge dekorirte Bankdirektor Hecht eine Einladung erhalten. Marburg, 17. Juni. Im Böckel'schen „Reichsherold" findet sich folgende Notiz: „Nach zweijährigem Bestehen ist Drumonts Zeitung „La libre Parole“, das erste antisemitische Blatt Frankreichs, in der Lage, ihren Aktionären eine Dividende von 30 Frzu gewähren. Die französischen Antisemiten sind also den deutschen in Bezug auf Opferwilligkeit in der Unterstützung ihrer Presse weit voraus." Wenn jemals ein Seufzer aus vollem Herzen und aus leerem Beutel kam, so ist es dieser. In dem Siegener Bankprozeß gegen Brüggemann und Genoffen wurde am 16. Juni das Urtheil gefällt. Brüggemann wurde wegen Benachtheiligung des Bankvereins, Differenzhandel, Verschleierung und Betrugs zu 5 Jahren Gefängniß, 16 000 Mk. Geldstrafe und 3 Jahre Ehrverlust, Koelsch wegen derselben Strafthaten, ausgenommen Betrug, zu 2 Jahr 6 Monate Gefängniß und 9000 Mk. Gell strafe, Schroeder wegen absichtlicher Benachtheiligung zu 1 Jahr Gefängniß und 3000 Mk Geldstrafe und Franz wegen Beihülfe zur Verschleierung und Bankerott zu 2 Jahr Gefängniß und 1500 Mk. Geldstrafe verurtheilt. Von den Verurteilten waren zwei Hauptstützen der Stöckerpartei, welche die öffentliche Moral in Erbpacht genommen und Unehrlichkeit und Unsolidität im Geschäftsverkehr als eine jüdische Eigenthümlichkeit zu verdammen beflissen ist. Wien, 25. Juni. Anläßlich der antisemitischen Demonstrationen in der Vorlesung Nothnagels wurden sämmtliche klinischen Vorlesungen an der Universität ststirt. Eine Kundmachung besagt, daß die Theilnahme an diesen Demonstrationen mit den strengsten DiSziplinarmitteln geahndet wird. Budapest, 25. Juni. Das Abgeordnetenhaus nahm mit großer Majorität den Gesetzentwurf über die Religionsfreiheit als Grundlage der Spezialdebatte an. Londou. Sir Philipp Magnus, ein Mitglied des Senates, wurde zum Repräsentanten der Londoner Universität anläßlich der im August stattfindenden 200 jährigen Gedenkfeier der Universität Halle, ernannt. Petersburg, 23 Juni. Die Vergünstigungen, welche im vorigen Jahre den mit Hilfe der jüdischen Kolonisations- Gesellschaft nach Südamerika auSgewanderten Israeliten gewährt wurden, sind seit dem 1. Juni auch auf solche jüdische Auswanderer ausgedehnt worden, die mit Hilfe der genannten Gesellschaft nach andern außereuropäischen Ländern auswandern. — Die beim Justizministerium zur Reorganisation der Advokatur eingesetzte Kommission hat sich dahin ausgesprochen, daß die Anzahl der vereidigten Rechtsanwälte jüdischer Konfession nicht 10 pCt. der Gesammtzahl betragen soll. JohauueSburg (Süd-Afrika), im Mai. Die Lage unserer Glaubensgenossen ist zwar hier nicht so traurig, wie die unserer unglücklichen Glaubensbrüder im Norden unseres Erdtheils (Marokko), aber trotzdem vollziehen sich auch hier mitunter Gewaltakte gegen unsere Stammesgenoffen, die uns immer daran erinnern, daß wir nicht im zivilisirten Europa leben. An einem der Landesfeiertage hatten die Kaffern wieder einmal ein bischen über den Durst getrunken, und schaarenweiie häuften sich die beiden feindlich gegenüberstehenden Kaffernstämme an einen Ort zusammen, wo sie in heftigen Streit und heißentbrannten Kampf geriethen. Mit Stöcken, Schleudern und Steinen wurde der Kampf auf beiden Seilen gleich erbittert geführt. Plötzlich schleuderte einer der Kaffern, sei es durch Zufall, sei es mit böswilliger Absicht, einen Stein nach dem Fenster eines jüdischen Ladens und dieses wirkte wie ein Blitzableiter. Der Streit, die noch frisch geschlagenen Wunden, der heißentbrannte Kampf waren vergessen, und mit vereinten Kräften gehen die beiden, sich feindlich gegenüberstehenden Stämme plündernd und raubend in das Geschäftslokal des Juden. Die Immobilien und Möbelstücke wurden zerstört, und selbst damit begnügten sie sich noch nicht, sondern nunmehr trachteten sie auch nach dem Leben des Kaufmanns und seiner Familie. In Nothwehr griff derselbe nach einem Revolver und schoß blindlings in die plündernde Schaar hinein. Zwei Kaffern wurden getödtet, andere schwer verwundet, und nun suchte der Rest zu entkommen. Nunmehr erschien erst die heilige Hermandad. Sie ließ die Todten bestatten, die Verwundeten ins Krankenhaus und den Juden ins Gefängniß schaffen. Jedoch wurde er bald darauf gegen eine Kaution von 10 Schilling wieder entlassen. Der Vorfall wurde nach Pretoria (der Hauptstadt) berichtet, dieser Tage wurde der Mann völlig freigesprochen, da er in berechtigter Nothwehr gehandelt hatte, aber sein Vermögen? Die „Aeademie des inscriptions et. belles-lettre*“ in Paris hat den Sainton-Preis von 2000 Fr. Prof. Hartwig Derenbourg für seine Edition der Autobiographie von Osama verliehen. Die Stadt Janow im Gouvernement Kowno brannte total nieder, 204 Wohnhäuser, 100 Kaufläden, die katholische Kirche und 3 Synagogen wurden zerstört. Ueber 1500 Menschen sind brod- und obdachlos D"3._ Personalien. Gumbinnen, 26. Juni. Die vielen Freunde und Verehrer unseres Predigers, des Herrn Moritz Scherbel dahier dürfte es vielleicht interessiren, wenn ich Ihnen mittheile, daß genannter Herr am 2. August sein 25jähriges Amtsjubiläum begehen wird. Der nächste» Ausgabe des „Jsraelit" werden wir zur Probe ein Exemplar unserer Central - Firmen - Liste der in Deutschland ne« eingetragenen Firmen nebst Angabe der Branchen etc. beifügen. Frankfurt a. M., 27. Juni. Statist. Institut für Handel und Industrie.

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