Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 51 (28.6.1894)
- Date
- 1894-06-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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935 als nvr und Mensch unsere volle Anerkennung verdient, der beides im besten Sinne des Wortes, ein -ivi x»-nr ein pirr tyisi v'vn war. Herr Michael Lehmann von hier beschloß am 17. d. nach längerem Leiden im 61. Lebensjahre seine irdische Laufbahn zum unsäglichen Schmerze der Seinigen, zum Leidwesen seiner Gemeinde und zahlreichen Bekannten und Freunde. Und wohl mit Recht, denn die herrlichsten Eigenschaften zeichneten ihn aus, Liebe und Gerechtigkeit, Grobheit und Schlichtheit waren die Grundzüge seines Charakters. Von Jugend auf zeigte er schon viel Sinn für alles Höhere, Wahre und Gute und so war es ihm möglich trotz frühzeitigster Inanspruchnahme vom Geschäfte ein höheres Maß von Bildung in sich zu vereinigen. Erfüllt von Liebe zur nnnw min gab er sich um deren Verständniß Mühe und übte die it.sd mit Freude, Innigkeit und Hingebung; dabei wahrte er das 'n oy ro^> yjsn im vollsten Sinne, denn nichts lag ihm ferner als Ehrsucht und Scheinheiligkeit. Ebenso war es alstyis, als Wohltäter; er schloß sich nicht nur allen öffentlichen Sammlungen in hervorragender Weise an, sondern übte Wohltaten im Stillen und stand Hilfsbedürftigen mit Rath und That bei. Kein Wunder, daß sich einem solchen Manne auch das öffentliche Vertrauen und Ansehen zuwandte; er war Jahrzehnte lang Vorstand der hiesigen Gemeinde, an deren Interessen er den regsten Anthetl nahm und deren religiösen friedlichen Sinn er zu fördern suchte; auch bei seinen übrigen Mitbürgern stand er in Ansehen und fand seine Biederkeit vollste Anerkennung. Diese seine Gesinnung und Charakterfestigkeit kam auch bei der Erziehung seiner Kinder zur Geltung, die dem edlen Beispiele folgten, und zeigte sich bet der Wahl seiner Schwiegersöhne; er rechnete sichs als besondere not, Herrn Rabb. Dr. Deutsch in Burgprebach Schwiegersohn nennen zu können. Derselbe eilte denn auch auf die Trauernachricht an die Bahre seines geliebten Schwiegervaters und gab unter der zahlreichen Betheiligung der Gemeindemitglieder und Bürger dort den Gefühlen des Schmerzes und der Trauer, ob des schweren Verlustes, der Anerkennung und Verehrung für den theuren Hingeschiedenen den beredtesten Ausdruck. Nicht besser, hob der gewandte Redner hervor, könne er ein Lebensbild von dem Verblichenen geben als in den Worten des Psalmisten Capitel 112, in welchen der wahrhaft Fromme geschildert wird; denn auch von Michael Lehmann konnte man sagen tnd pn vnisoa 'n nt bon n»«, sowie alle übrig dort erwähnten Eigenschaften auf ihn anwendbar seien. Sehr treffend war auch die angewandte v-nv-Stelle: Als der fromme König irr*w die Gebeine der Baals-Priester zu verbrennen suchte, kam er auch an ein Grabmal, an dessen einer Seite Dornen und Disteln D'^nrn oouwsp und dessen andrer Seite O'vvai d’dti Myrthen und Gewürzkräuter wuchsen. Verwundert fragte der König Hn p'xn no, was ist doch dies für ein Grabmal, das von so gegensätzlichen Gewächsen umgeben ist? Da ward ihm die Antwort: „Hier liegt ein Mann Gottes." Die Erklärung zu den gegensätzlichen Gewächsen mag die sein, daß der Fromme für sich im Leben nur Dornen und Disteln hat, indem er sich keine Freuden, keine Genüsse gönnt, nur Mühe und Entbehrung sich auserlegt, andere hingegen freudig Genüsse bietet, ein duftendes Feld ivx rrw \n *pa ist. Hierin glich der Hingeschiedene ebenfalls dem wahrhaft Frommen, denn für sich war er der anspruchloseste, einfachste Mensch seiner Familie, seinen Nebenmenschen suchte er Gutes und Angenehmes in jeder Weise zu erweisen. Darum seien auch des Psalmisten Worte hier angebracht p'iu nvp D^iy, das Andenken eines solchen Frommen wird ein dauerndes sein, er hat für die Ewigkeit gelebt und gewirkt und wird stets im gesegneten Andenken bleiben. Auch wir schließen uns dem Redner hierin an, das Andenken Michael Lehmann's wird hier stets ein gesegnetes sein. pns istl Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 18. Jnni. (Der Antisemitismus in der Freiwill. Rettungsgesellschaft.) Unser vorwöchentlicher Artikel, schreibt N. Fr. Pr., der sich mit den Vorgängen in der Freiwilligen Rettungsgesellschaft beschäftigte und die Gründe für den Massenaustritt der Medieiner jüdischer Confession erörterte, hat in allen Kreisen der Bevölkerung das nachhaltigste Interesse erregt und nachträglich auch die gesammte Wiener Publicistik zur eingehenden Dtscussion dieser Frage veranlaßt. Die Gründer der Gesellschaft, die, wie nicht anders denkbar, einmüthig von der Anschauung durchdrungen sind, daß eine Institution, wie die Freiwillige Rettungsgesellschaft, welche die Aufgabe hat, den humansten Interessen zu dienen, den politischen und confessionellen Hader ferne von ihrer Schwelle halten müsse, haben beschlossen, eingehende Erhebungen über die Beschuldigungen zu pflegen, welche die ausgetretenen Mediciner gegen die Leitung der Gesellschaft erheben. Die Namen der Persönlichkeiten, die mit der Untersuchung dieser Angelegenheit betraut sind, bieten die volle Bürgschaft, daß dieselbe mit ebensolcher Gewissenhaftigkeit als Vorurtheilslosigkeit, nach Prüfung aller Umstände und Anhörung aller Betheiligten geführt werden wird. Die Wiener Bevölkerung, der das Schicksal der Freiwilligen Rettungsgesellschaft am Herzen liegt, steht mit Spannung den Resultaten dieser