Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-06-25 · Heft 50 (25.6.1894) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 50 (25.6.1894)
Date
1894-06-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448456--38778-2486899
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

924 zwar auf der Tagesordnung „Leichenverbrennung", ebenso Verhalten Mischehen gegenüber, sowie bezüglich Unterlassung der Beschneid ung etc., allein diese und ähnliche Punkte kamen nicht zur Verhandlung. Es kann aber auch in Wirklichkeit die Besprechung derartiger Fragen in einer solchen Conferenz in keiner Weise einen Zweck haben, denn für die Orthodoxen ist d"p D'poiBi maßgebend, für die Neologen — ihre eigene Weisheit. — Was den projectierten Htlfsverein für kleine Gemeinden betrifft, so ist diesem Plane wohl auch wenig Zukunft zu versprechen, denn nachdem sowohl der Gemeindebund in Berlin, als auch die freie Vereinigung in Frankfurt a. M. gleiche Bestrebungen im Auge haben bezw. schon ausführen, dürfte es sich weit mehr empfehlen, diese zu unterstützen als eine neue Stiftung oder einen Verein zu schaffen, deren Erfolge im voraus schon mehr als zweifelhaft bezeichnet werden müssen. Zum Schluffe sei als Curiosum noch ein Punkt jener Tagesordnung erwähnt, nämlich das Erlaffen von „gemeinschaftlichen rmMri-Brtefen." Der Stil einer von strengster Orthodoxie und äußerster Reform zusammengesetzten nrow müßte sehr interessant sein! Nur schade, daß dieser Punkt nicht zur Besprechung kam, vielleicht wäre ein Elaborat zu stände gekommen, dessen Eindruck so mächtig, dessen Worte so zündend und dessen Erfolg so großartig geworden wäre, daß alle Lust zur Reform geschwunden wäre. Dann freilich hätte die Conferenz bayerischer Rabbiner Erfolge aufzuweisen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Brody, 13. Juni. Mit großer Majorität wurde heute Herr Isaak Chajes zum Rabbiner der Stadt Brody gewählt. Die Wahl wurde mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen. Rußland. Ueber die Ausnahmestellung jüdischer Kaufleute in Rutzlaud auch nach Abschluß des Handelsvertrages äußert sich der Jahresbericht der Königsberger Kaufmannschaft wie folgt: Lebhaft bedauern wir, daß es nicht möglich war, durch den deutschrussischen Handelsvertrag die exceptionclle Behandlung deutscher Kaufleute jüdischer Religion hinsichtlich der Erlangung des Paßvisums nach Rußland zu beseitigen. An entsprechenden Vorstellungen bet der Retchsregierung haben wir es nicht fehlen lassen. Nach dem Vertrage sind zwar deutsche Kaufleute befugt, persönlich oder durch in ihren Diensten stehende Reisende in Rußland Waareneinkäufe zu machen oder Bestellungen zu suchen, das unbedingte Recht zum Eintritt in Rußland ist aber nicht ausdrücklich gewährt worden, da hinsichtlich des Paßwesens lediglich bestimmt worden ist, daß die Angehörigen beider Theile wie die der meistbegünstigten Nationen behandelt werden sollen. Jndeß hoffen wir, daß nach der mit dem Handelsverträge erfolgten Herstellung besserer wirthschaftspolitischer Beziehungen in Rußland die Ertheilung des Paßvisums an deutsche Kaufleute jüdischer Religion liberaler gehandhabt werden wird. Petersburg, 18. Juni. Der englische Philanthrop Olifant hat von der türkischen Regierung einige bedeutende Landstücke gekanft und sucht nun beim Ministerium des Innern um die Erlaubniß nach, dorthin 500 russische Juden überführen zu dürfen. M a r o c c o. Tanger, 18. Juni. Der Oberrabbiner von Marokko hat sich mit einer Abordnung von Juden bei dem Pascha von Tanger eingefunden, um die Glückwünsche der Judenschaft zu der Thronbesteigung Abdul Aziz' zu überbringen. Der Rabbiner sprach den Segen über den jungen Kaiser. Der Pascha dankte der Abordnung für ihre auf's Neue bewiesene Loyalität. P a l ä st i n a. Jerusalem Dem aus vorliegenden Bericht des deutsch isr. „Hospital-Bicur Cholim" in Jerusalem für das Jahr 1893 entnehmen wir: Das Gebiet der Wohlthätigkeit ist wohl das einzige, auf dem sich alle Menschenklassen ohne Neid mtb Gehässigkeit begegnen; denn angesichts der Leiden der Mitmenschen verstummen die Leidenschaften. Auf dem Berge Zion ist der Wohlthätigkeit ein Tempel, das Hospital Bicur-Cholim, erbaut, dessen Bestehen es milden Gaben verdankt. — Dreißig Jahre sind verstrichen, seitdem die Aschkenasische Gemeinde dahier zwei ärmliche Stübchen zu Spitalzwecken einrichtete; heute erhebt sich am selben Platze ein dreistöckiges palastähnliches Gebäude, welches ein Häusermeer überragend die Aussicht nach dem Jordan bietet. In 6 geräumigen luftigen, und lichten Zimmern stehen 50 Betteu, die den größten Thetl des Jahres hindurch besetzt sind. Andere 6, ebenfalls geräumige freundliche Zimmer dienen verschiedenen Zwecken u. zwar den Aerzten, der Ambulanz, der Apotheke, dem Operationsraum, dem Sitzungssaal und der Kanzlei. 3 Zimmer sind für Küche, Waschstube und Gesinderaum bestimmt und die Kellerräume werden als Magazin benützt. In den Stockwerken befinden sich Altane, die dem genesenden Kranken den Aufenthalt in frischer Luft und die Aussicht nach dem Jordanthale gewähren. Das Beamtenpersonal besteht aus 2 Aerzten, dem beliebten jüdischen Armenarzt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.