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Der Israelit · 1894-06-25 · Heft 50 (25.6.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 50 (25.6.1894)
Date
1894-06-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Beilage jtt 50 -es „Israelit ". Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen Deutschland. Berlin. Nach ihrem erschienenen 61. Jahresbericht erziehen die unter dem Protektorat der Kaiserin Friedrich stehenden Baruch Auerbach'schen Waisen-Erztehungs-Anstalten 50 Knaben und 26 Mädchen. Die Zöglinge genießen den Unterricht größtentheils in höheren Schulen. Besonders fähige Knaben bleiben bis zum Abiturienten - Examen, welches zu Michaelis v. Js. zwei mit vorzüglichem Erfolge bestanden haben, die Mädchen sämmtlich bis zur erlangten Erwerbsfähtgkeit in der Anstalt. Jedem Zögling wird die Möglichkeit einer seiner Beanlagung entsprechenden Entwickelung und dereinstigen Lebensstellung geboten. Beihilfen zur Selbständigmachung oder Berheirathung früherer Zöglinge — von denen des Mädchen-Waisenhauses haben sich bisher etwas mehr als die Hälfte verheirathet — und sonstige Unterstützungen gewähren die Zinsen von Stiftungskapktalien, welche einschließlich einiger Spezialfonds 325,271,40 M. betragen. Unantastbares Vermögen besitzen die Anstalten 765,670,97 bezw. 377,560,87 M. Ein Baufonds von jetzt erst 60,032 M. ist dazu bestimmt, für den voraussichtlichen und dringenden Fall einer Verlegung und Erweiterung der Anstalten als Grundstock zu den alsdann erforderlichen Neubauten zu dienen. Die Ausgaben betrugen einschließlich Gottesdienst, Büreau, Renten, Stipendien u. a. Zuschüffen 48,502,30 bezw. 25,539,03 M., die Kosten der Verpflegung 11,376,85 bezw. 5754,72 M., d. h. für den Kopf und Tag annähernd 54. Pf. Seit 1885 wird alljährlich für die meisten Zöglinge eine Ferienkolonie eingerichtet, ebenso ist der Handfertigkeitsunterricht zu einer stehenden Einrichtung geworden. Den Vorstand bilden neben dem Direktor Dr. Strelitz die Herren Berthold Marckwald, Louis Gradenwitz, Kommerzienrath E. Lohnftein, Generalkonsul Eugen Landau, und die an Stelle der verstorbenen Mitglieder Herren Louis Liebermann und Kommerzienrath Jacob Israel koopttrten Söhne derselben Herren Dr. Felix Liebermann und Hermann N. Israel. — In der Einleitung zu dem eben erschienenen Bericht spricht sich der Letter der Anstalt über die Erziehungsprinzipien derselben folgendermaßen aus: „Auf dem festen Grunde barmherziger Menschenliebe errichtet, haben die Anstalten von Anbeginn den Waisen mehr als nur ein schützendes Obdach gegen die rauhe Sorge des Lebensund eine die nothdürftige Bildung vermittelnde Stätte sein wollen. Ihre Aufgabe war vielmehr seit jeher die eines Elternhauses für Waisen, und dieser Bestimmung entspricht ebenso wohl die sorgfältigste leibliche Pflege der in ihre Obhut genommenen Zöglinge, wie die zweckmäßigste Entwickelung der Biloungsfähigkeit derselben und die auch ins Leben hinaus sie begleitende Fürsorge. Soll dieser Charakter. welchen die Anstalten während des ganzen Verlaufs ihrer Geschichte bewahrt haben, unverändert bleiben, so müssen wir es ablehnen, das Gebiet der Waisenerztehung als ein Versuchsfeld für soziale Bestrebungen gelten zu lassen, die dahin zielen, die Jugend durchaus nur dem Handwerkerstande oder dem Ackerbau zuzuführen und in Hinsicht darauf ihre Bildung zu beschränken. Solche nicht in der Eigenart der Zöglinge begründete Rücksichten sollten wie überhaupt von jedem Erzlehungswerk, so ganz besonders von dem an eitern- oder vaterlosen Kindern geübten fern gehalten werden. Wenn wir deshalb auch, durch Tagesmeinungen unbeirrt, bei dem durch die reichste Erfahrung wohlbewährten Verfahren bleiben, den Bildungsstand der Zöglinge nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit zu heben und sie das Handwerk wie jeden andern Beruf nur dann ergreifen lassen, wenn Neigung, Fähigkeit und die sonstigen Bedingungen für denselben vorhanden sind, so haben wir trotzdem hinsichtlich der Berufswahl das den Freunden des Handwerks willkommene Ergebniß zu verzeichnen, daß sich demselben ohne irgend welche einem Zwang ähnliche Beeinflussung die Mehrzahl der im Laufe des letzten Jahres aus dem Knaben-Waifenhause ausgeschiedenen Zöglinge gewidmet hat, während nur zwei zum Kaufmannsstande und zwei, diese allerdings mit rühmlicher Auszeichnung und als die beiden Ersten aus ihrer Schule entlassen, zum Studium übergegangen sind." Aus Bayer«. Die Correspondenz aus Bayern in Nr. 47 Ihres gesch. Blattes war sicherlich allen orthodoxen Lesern ganz aus der Seele gesprochen, und dürfte man der Conferenz bayerischer Rabbiner zurusen rnawo *oaa ans N-i3j uh Niajr iBoyi. Denn genau betrachtet ist eine Vereinigung von Elementen, die in ihrer religiösen Richtung so verschieden von einander sind, nicht denkbar und kann daher auch für die Dauer keinen Halt haben. Die gegenwärtigen Zeilen sollen nur Folgendes richtig stellen. Die in jener Correspondenz enthaltene Vermuthung, als hätte sich die Conferenz für die Letchenverbrennung ausgesprochen, kann ich auf Grund eingeholter Information als vollständig unbegründet bezeichnen. Es stand

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