Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1894)
- Date
- 1894-06-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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917 (ft unrichtiger, als sich vorzunehmen, in gewissen Fällen wahr und aufrichtig zu sein, in manchen Fällen aber, wo es der momentane Vortheil erfordert, sich über die Wahrheit leichten Gewissens htnwegzusetzen. Das ist grundfalsch. Es ist mit der Wahrheit wie mit der Gutherzigkeit. Wie der wahrhaft Gutmüthige sich nie in den Sinn kommen läßt hart und grausam sein zu wollen, so darf derjenige, der die Wahrheit zum Leitstern seines Daseins stch gemacht hat, von ihr nie und nimmer weichen. Wahrheit und Güte sind auch von einander bedingt, sind unzertrennlich. Der Falsche kann nicht gut sein, der Aufrichtige aber meint es immer gut mit dem Nächsten. Darum sollen Güte und Wahrheit dich nie verlassen, binde sie als Schmuck an deinen Hals, schreibe sie in deine Herzenstafeln und du findest Gunst und Wohlgefallen in den Augen Gottes und der Menschen (das. 3.3,4,). Du magst im Leben wohl oft wahrnehmen, wie die Lüge Siege erringt, und die Heuchelei Triumphe feiert und das große Wort führt, das ist nur für den Augenblick, aber die Sprache der Wahrheit besteht ewiglich, sie mag für die Gegenwart oft Unannehmlichkeiten zur Folge haben, für die Zukunft, für die Dauer ist sie immer heilbringend, (das. 12,19.) Auch die Mächtigen der Erde hören gerne ein Wort der unverhüllten Wahrheit und es gefällt ihnen die ehrliche aufrichtige Sprache, auch dann, wenn dies zuweilen verletzend für sie klingt (das. 16,13.), denn sie wissen sehr wohl, daß sie durch die Wahrhaftigkeit ihrer Unterthanen am besten geschützt werden und ihr Thron die festeste Stütze findet (das. 20, 27,) und wieder umgekehrt, der König, der der Wahrheit ergeben ist und der nach Wahrheit richtet, deß Thron wird ewig bestehen (das. 29,14.). Wie die Bibel so hebt auch der Talmud die hohe Bedeutung der Wahrheit vielfach hervor: das Siegel Gottes ist Wahrheit (Sabbat 56.)*) und alles was göttlich ist, trägt das Gepräge der Wahrheit an stch. Der Mensch als das Ebenbild seines Schöpfers kann daher nicht als solches betrachtet werden, wenn er die Wahrheit verleugnet und sein Bestand ist erst dann möglich, wenn er auf dieselbe stch stützt, denn so heißt es auch, auf drei Dingen besteht die Welt, auf Gerechtigkeit, Wahrheit und Frieden und das Eine ist von dem Anderen bedingt, weil wo Gerechtigkeit herrscht, herrscht auch Wahrheit und waltet der Friede (Jeruschalmi Schekalim Perek 6.)2) Da die Weltordnung auf der Wahrhaftigkeit beruht, so ist es ganz selbft- . 0"j fp naw) ,ncN rr'apn Pw mnin (i tyi nsxn pn ty ,c”p n^yn nnan nteftw Ty (2 ,ncxn nwy: ,pn rwyi ,p ihn -qi inwbwi ,oi^n . ("1 p"lD E’t>pW 'Q7WN') , DWil nwyj verständlich, daß das Gottesgesetz, welches eben dieselbe zum Ziele hat, auch nur Wahrheit lehrt (Berachot 5, b.)3.) Mit strenger Gnv ssenhaftiakelt soll darum Jeder in seinem Sprechen auf die Wahrheit achten und sich gewöhien in zweifelhaften Dingen lieber zu sagen: „ich w.iß nicht", als Ungewisses zu behaupten (Derech Ecez 3)*) Wer anders denkt als er spricht, den hasset der Herr (Peßachim 108 b.)5) Freilich wird heutzutage derjenige für klug gehalten, der bei allem Hatz, den er gegen seinen Nebenmenschen im Herzen empfindet, mit ihm freundlich zu verkehren versteht. Ein großer Staatsmann des vorigen Jahrhunderts hat sogar die geistreiche aber durchaus nicht moralische Behauptung aufgestellt, daß die Sprache dazu da sei, um die Gedanken hinter derselben zu verbergen. Bon Esprit mag wohl dieser Ausspruch zeugen, aber aufrichtig, ehrlich, gewissenhaft, mit einem Worte: jüdisch ist er nicht. Selbst im Hasse, der doch verwerflich ist, sei ehrlich und ohne Heuchelet, den Brüdern Josefs, denen ihr Bruderhaß gewiß nicht zum Lobe gereichte, wird es als Verdienst angerechnet, daß sie nicht freundlich mit ihm reden konnten, weil sie im Herzen ihm unfreundlich gesinnt waren (Nascht zu Genesis 37,4.)«) Denn du magst noch so klug deine wahre Denkweise vor der Welt zu verheimlichen trachten, es ist ein Gott da, „ein gerechter Richter, der Herz und Nieren prüfet." der die Tiefen des Gemüthes ergründet, der Jeglichem nach seiner Gesinnung lohnet oder strafet. Ist Er nicht der Herr, der Jedem nahe ist und ein Gott, der niemals ferne ist? Meinst du, daß sich Jemand so heimlich verbergen könne, daß Er ihn nicht sebe? Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllet? spricht der Ewige. Es ist dir gesagt worden, Mensch, was recht ist, und was der Herr von dir fordert: Gerecht sein in Allem, Aufrichtigkeit und Liebe üben und bescheidener Wandel vor deinem Gotte." Wenn du einst vor dem Weltenrichter stehen wirst, um Rechenschaft über dein vollbrachtes Leben abzugeben, so wird die erste Frage an dich lauten: Warst du wahrhaftig in deinem Wandel und Verkehr gewesen? (Sabbat 31.)*) Es genügt nicht, wenn du nur gewissenhaft bist in deinen Pflichten gegen Gott, du weißt, daß Er . (a"y m mana) n:p nsx avx^w , mm it een (3 rooD) , mxm mann new ynr tn "ct? (4 . ('a pns px rn -inxi rvaa mx -dich ehe anxi jxjiw mapn 'j (5 . (a"y ,n"p etids) , a^a x^w Enaw »io? nnuj imo : e£b^ nan 'by x1?: (f> . (h p*ds ,a,;? rrwxaa ’"wn) , a>a nnxi naa nnx nan nrui nxtw nanoix pm c~x pd’jdbw nywa (7 . (x"^ naw) .ruiBxa