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Der Israelit · 1894-06-21 · Heft 49 (21.6.1894) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 49 (21.6.1894)
Date
1894-06-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu Deutschland. Dürkheim a. d. H., im Juni. Vorüber sind die Jubeltage, die wir anläßlich des Besuches Sr. Kgl. Hoheit des Prinzen Luiipold in unserer Pfalz durchlebt haben. Der Liebevolle Fürst mit dem freundlichen Antlitze und dem noch freundlicheren Herzen ist in seine Residenz zurückgekchrt. Noch aber hallt die Freude in den Herzen aller Israeliten der Pfalz, besonders aber in denen der Mitglieder unsrer kleinen jüdischen Gemeinde nach. Und das mit Recht! Eine hohe Auszeichnung ist anläßlich deS Aufenthaltes Sr. Kgl. Hoheit des Prinzregenten in unsrer Stadt dem hiesigen israelitischen Bez'rksarzte, Herrn Dr. Veit Kaufmann, zutheil geworden. An der Stätte seiner Wirksamkeit, die zugleich auch die eigenste Schöpfung des Herrn Dr. Kaufmann ist, für deren Entstehung dieser Philantrop unermüdlich gewirkt, der Heilstätte für scrophulöse Kinder, ist demselben das Dccret zu seiner Ernennung als kgl. Hofrat von dem Allerdurchlauchtigsten Herrn und Fürsten eigenhändig übergeben worden. Diese Auszeichnung legt wohl am besten Zeugnis dafür ab, daß unser allgeliebter Landesfürst keinen Unterschied des Glaubens kennt, wenn es gilt das Verdienst zu belohnen. Denn groß sind die Verdienste, die Herr Dr. Kaufmann sich durch sein gemeinnütziges Wirken um das Wohl der Stadt, deren Vertretung er seit 27 Jahre angehört, erworben hat. Möge Herrn Dr. Kaufmann eine noch lange Reihe von Jahren segensreichen Schaffens befchteden sein! Unfern edlen Fürsten erhalte uns die himmlische Vorsehung zum Heile und Wohle des Bayernlandes und seiner Bewohner. Danzig, im Juni. Der Regierungspräsident des Rgbz. Danzig hat dem Vorstande der Synagogengemeinde Carthaus nachstehendes Schreiben zugehen lassen: Auf die bei dem Herrn Minister eingelegte und mir;ur Erledigung abgegebene Beschwerde vom 17. März d. I. über die am 9. Mai v. I. erlassene Polizei-Verordnung, betreffend das Töten der Schlachtthiere, erwiedere ich dem Vorstande ergebenst, daß ich die Beschwerde für erledigt erachte, da ich die betreffende Polizei-Verordnung durch Polizei-Verordnung vom heutigen Tage aufgehoben habe. Der Regierungspräsident." Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 17. Juni. Gegenüber einer Deputation des katholischen Lehrbundes äußerte Ministerpräsident Windischgrätz den Wunsch, daß die Mitglieder des Vereins innerhalb ihres beruflichen Wirkungskreises auf Erhaltung und Beförderung deS konfessionellen Friedens und Pflege der christlichen Nächstenliebe bedacht sein und sich von antisemitischen Bestrebungen fernhalten mögen. England. London. Vor mehreren Wochen brachten Sie ein Notiz aus Fürth über das schwere und langwierige Leiden des ehrwürdigen Rabbiners P. M. H. Wechsler von Höchberg mit der Aufforderung an seine Freunde, täglich einen pns n» für ihn zu lernen. Da derselbe nun seit über 30 Jahren Tag und Nacht fast kein anderes Ziel verfolgte als DH'ö*>n Topnb zu sein, so dürfte die Zahl seiner Freunde keine unbeträchtliche geworden sein und wenn viele derselben tagtäglich einen extra -w aus Veranlassung seiner Krankheit lernen, so dürfte ihm diese Kundgebung einen Trost bei seinem schweren Leiden bilden. Vielleicht würden Ihnen diese Freunde eine diesbezügliche Postkarte einsenden. Rußland. Helfmgfors, 11. Juni. Der finische Landtag hat sich am letzten Tag seiner kürzlich geschlossenen Session mit der Frage der Besserung der Lage der im Großfürstenthum wohnenden Juden befaßt. Der Ausschuß, welchem diese Frage zugewiesen war, hat in seinem Berichte die gegenwärtige Lage der Juden in Finland als eine solche bezeichnet, die mit den Forderungen der Gerechtigkeit und Humanität im entschiedenen Widerspruch stehe. Der Ausschuß empfahl den Ständen des Landtages, das Erforderliche zu thun, um zu erwirken, daß dem im Jahre 1897 wieder zusammentretcnden Landtage ein Gesetzvorschlag unterbreitet werde, wodurch es den in Finland geborenen Juden sowie auch Denjenigen, welche sich längere Zeit im Großfürstenthum aufgehalten haben, gestattet werden soll, daselbst überall unbehindert zu verweilen und ihren Geschäften nachzugehen. Des Ferneren bezeichn ete es der Ausschuß als wünschenswerth, daß den Juden erlaubt werde, religiöse Gemeinden zu bilden. Schließlich sprach der Ausschuß den Wunsch aus, daß bis zur entgtltigen Erledigung dieser Frage, das anderen Ausländern zustehende Recht, in Ftnland dem Erwerbe nachzugehen und um Aufnahme in den finlschen Unterthanenverband einzukommen, auch den Juden ertheilt werde. Die Vorschläge des Ausschusses sind, nachdem sie von den Städten des Adels, der Geistlichkeit und der Bürger angenommen wurden — nur der Bauernstand verhielt sich ablehnend — als Beschlüsse des Landtags anzusehen. (Die finischen Blätter, welche die ausführlichen Verhandlungen hierüber brachten, sind uns von unseren Glaubensgenossen in Helsingfors zugesandt worden, jedoch waren wir nicht in der Lage, uns eine deutsche Uebersetzung hiervon zu beschaffen. Red. des Israelit.)

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