Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1894)
- Date
- 1894-06-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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heimlichen nächtlichen Versammlungen der Leibeignen und Juden statt zu finden pflegten, aber eiligst ritten ste vorbei, bis sie auf die Spitze eines Hügels kamen, die ihnen einen Blick bis über den Wald hinaus gestattete. „Stehst Du dort den röthlichen Schein, Mädchen", sagte Jankele zu Esther, „das sind die Lagerfeuer der Gruster. Dorthin richte den Lauf und frage dort nach Elischa, jeder aus dem Lager wird ihn kennen. „Wenn es aber nicht der ist, den ihr sucht, so fürchte Dich dennoch nicht, denn die Gruster sind edeldenkende Männer und viele Juden leben unter ihrem Schutze." „Jedenfalls wird Euch bei ihnen eine Freistatt gewährt und ihr könnt es abwarten, bis bessere Zetten für Euch kommen." „Ich selbst aber werde zurückkehren in das Schloß des Pan, denn ich bin von dem Führer der Gruster befohlen über jenen jungen Mann zu wachen, dessen Maß der Sünde sich bald gefüllt haben wird." So sprach Jankele und entledigte sich des Rocks, den er trug und verbarg denselben sammt dem Schwerte in einem Gehölze am Fuße des Hügels. Dann faßte er die beiden Pferde, bestieg eines derselben und jagte in gestrecktem Lauf wieder zurück nach dem Schlosse des Pan. Rabbi Jehoschua aber und seine Tochter dankten Gott in heißem, innigen Gebet, daß er sie auch diesmal errettet habe von allen den mannigfaltigen Gefahren die ihnen drohten und trotz der Anstrengungen des vergangenen Tages, trotz der Aufregung dieser Nacht setzten ste den Weg fort bis zu den Lagerfeuern. Der Regen hatte nachgelassen, und so war es eher möglich auf dem Pfade vorwärts zu kommen. Nicht sehr lange hatten sie zu wandern, da wurden ste von einem Manne aufgehalten, der dieselbe Kleidung wie Jankele angelegt hatte. In unverständlichen armenischen Lauten redete der Posten die Beiden an. „Elischa" entgegnete Esther und weiter nichts. Der Gruster schien sie verstanden zu haben, denn er setzte ihrem Vorwärtsdringen keinen weiteren Widerstand entgegen. Noch mehr denn sechs Mal wurden die Beiden von Posten angehalten und immer war es das Wort „Elischa", das ihnen freie Bahn verschaffte. Endlich waren ste an das Hauptlager der Gruster gelangt. Auch hier sagten ste jenes Wort, das sie bis daher geleitet hatte und der Posten rief zwei Leute aus dem Lager auf und befahl ihnen den Greis und das junge Mädchen zu Elischa zu bringen. Der Morgen war mittlerweile angebrochen und gerade kam der junge Arzt aus seinem Zelte; er hatte soeben in heißer Andacht das Morgengebet verrichtet und hatte eine heiße, innige Bitte zu Gott gesandt, daß es ihm in seinem Leben doch noch einmal vergönnt sein möge, seine geliebte Braut, seine Esther wieder zu sehen. Und da erhob er seine Augen und stieß einen Schrei des höchsten Entzückens aus. Vor ihm stand ste, die heiß herbei Gesehnte, und auch sie schrie auf vor Wonne und im nächsten Augenblick lagen sie sich in den Armen, Elischa und Esther. (Fortsetzung folgt.) Der „Israeli t" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis der Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 ReichS-Mark, für's Ausland 16 ReichS-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestell» ngen an. — Durch it» Duchhauärl M bestehe» bei E. f. Steinackrr, Leipzig, Deßpiatz 16. — Inserate 26 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Directe Franco Zusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. öüerr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung non an die Redaetio« eiugefandten Manuscripten findet nicht statt, «au dittet deshalb sich von allen Einsendungen «ine Copie zurückznbehalten. Inhalt (Hauptblatt) r Leitender Attikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — England: London. — Feuilleton: Esterka, Königin von Polen. Historische Erzählung von Hugo Freund (Fortsetzung). Inhalt der erste« Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten u. Cocrespondenzen: Deutschland: Dürkheim a. d. H. Danzig. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — England: London. — Rußland: HelsingforS. — Feuilleton: Eine jüdische Mutter. Bon Bernard Auerbach (Schluß). Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Erwiederung. — Aus jüdischen Vereinen und Stiftung»«. — Brr-- mischte-. — Pädagogische Beilage. Verantwortliche Redaktion: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition deS »JSraelit*, Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wtrth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«.