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Der Israelit · 1894-06-21 · Heft 49 (21.6.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 49 (21.6.1894)
Date
1894-06-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Aber glaubet nicht, daß die Gruster ein gewöhnlicher Räuberstamm sind. Sie leben unter der strengen Regierung ihres Fürsten und nur die Schlechten, nur die Bösewichter überziehen sie mit Krieg, während alle Guten und Edlen sicher sind, bei ihnen eine hülfreiche und unterstützungsbereite Hand zu finden. „Aber hier können sie uns nichts nützen", jammerte Rabbi Jehoschuah, „denn ach, vielleicht schon in der nächsten Stunde wird mein armes unglückliches Kind verloren sein." Ein lautes Getöse unterbrach die Unterhaltung der beiden Männer. Vorsichtig schlich sich Jankele hinaus nach der Treppe zu und schaute hinab; dann kehrte er zu dem Rabbi zurück. „Die Gäste sind gegangen; hört Ihr die Glocken ihrer Pferde, sie fahren von dannen. Unser schlauer Pan hat jedenfalls gewußt, wie er sich ihrer entledigen konnte, um allein seiner Beute habhaft zu werden und nun, Rabbi Jehoschuah, kommt es darauf an, daß wir handeln. Faßt allen Muth zusammen, vielleicht wird es uns gelingen. „Erfahrt denn, was ich nie sonst Jemanden gesagt habe. „Ich selbst bin im Dienste der Gruster, wie überhaupt wir alle, die wir an den nächtlichen Versammlungen Theil nehmen. „Die Gruster tragen ein eigenthümliches Gewand von Fellen und mit merkwürdigen persischen Abzeichen geschmückt, welche wohl mit dem heidnischen Gottesdienst derselben zusammen hängen mögen. „Hier hüllt Euch in dieses Weiße Tuch, Rabbi, ich aber will das Kleid der Gruster anlegen, ein Schwert besitze ich auch; vielleicht gelingt es uns dem Pan die Beute zu entreißen. „Sicher wäre es nicht möglich, wenn er im Besitze seiner gesunden Sinne wäre; aber er ist so trunken, daß er kaum mehr auf den Füßen zu stehen vermag, und auch die Diener im ganzen Hause, die von dem reichlich kredenzten Wein ebenfalls ihr Theil hinuntergespült haben, sind trunken. „Rabbi, seid Ihr bereit, das Wagestück zu vollführen und wenn es sein muß zu sterben? „Ja, ja, das bin ich" rief Rabbi Jehoschuah, „wenn mir meine geliebte Tochter vor Schande und Elend bewahrt bleibt." „Run denn, so thut wie ich Euch gesagt habe und folgt mir leise." Jankele und der Rabbi schlichen die Stufen des Hauses hinab; sie hörten wie unten der Pan noch redete mit dem letzten der Gäste, der eben das Haus verließ, und an seiner schweren Zunge konnten sie wahrnehmen, daß sich die Vermuthung des Kochs vollständig bestätigte. Sie verbargen sich unter dem Absätze der Treppe, der nach den Schlafzimmern des Pan führte. Dieser vermochte kaum die Stufen zu ersteigen und die Diener, die ihm dabei helfen wollten, kollerten selbst die Treppe hinunter, denn sie konnten in Folge des im Unmaß genoffenen Branntwetn's kaum mehr auf den Füßen stehen. Jetzt gerade als der Pan die Thüre seines Schlafgemachs öffnen wollte, trat ihm Jankele entgegen, eine schwarze Larve deckte das Gesicht des Kochs und um seine Schultern hing der so gefürchtete rothe, mit Pelz besetzte Mantel der Gruster. In seiner Hand hatte er das kurze entblößte Schwert, das die Angehörigen jenes wilden Völkerstammes stets zu tragen pflegten. „Zurück", donnerte er dem Pan entgegen und zu gleicher Zeit zeigte sich auch der Rabbi, der von Kopf bis zu Füßen in ein schneeweißes Tuch eingehüllt war; es war eines der kostbaren Tischtücher des Pan. an die Jankele der Koch leichtlich gelangen konnte. In furchtbarem Entsetzen schrie der Pan auf. „Die Gruster, die Gruster überfallen mich" und dann schlug er besinnungslos zu Boden. Einige Diener, die in seinem Gefolge waren, flüchteten sofort und erfüllten das ganze Haus mit dem Schreckausruf die Gruster sind da, die Gruster haben das Schloß überfallen. Jankele riß die Thüre auf zu den Schlafgemächern des Pan und sofort stürzte ihm die bis zum Tode geängstigte Esther entgegen. Sie erkannte ihn nicht. „Mörder", schrie sie ihn an. „Mörder, tödte mich, lebendig wirst Du mich niemals in Deine Gewalt bekommen." „Meine Tochter", schrie Rabbi Jehoschua sich vordrängend. „Wir sind es, mein Kind, sei still um Gotteswillen und folge uns." Schnell ergriff Jankele die Hand Esthers und sie eilten die Stufen hinab. Das ganze Haus war schier wie ausgestorben, selbst die Wachen an den Thoren hatten sich geflüchtet vor dem Schreckensrufe, daß die Gruster sich nahten; so gelangte Jankele mit seinen beiden Schützlingen ungehindert in's Freie. Sie gingen zu den Ställen des Pan und entnahmen denselben zwei schnelle Pferde. Esther bestieg das eine, das andere Jankele, der den schwachen alten Mann vor sich auf dem Sattel festhielt. Und in wildem rasendem Galopp griffen nun die Pferde aus und brachten die Flüchtlinge mit Windeseile hinweg nach dem Walde. Jankele wußte ganz genau den Weg zu finden und er zeigte im Walde auch die Stelle, wo die

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