Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1894)
- Date
- 1894-06-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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896 wollen, jedoch eS sich Vorbehalten, gegebenenfalls concrete Fälle zu veröffentlichen, müssen die ihnen vom Chef Arzt und Leiter Dr. v. Bragaffy unter ganz eigenthümlichen Verhältnissen gestellte Zumuthung, gegen Bezahlung (anstatt Natural-Berpflegung) in nächster Zeit Dienst zu machen, auf daentschiedenste zurückweisen. Die Gefertigten halten sich gebunden, diese vorstehende Erklärung abzugeben, um sich gegen einen eventuellen Vorwurf zu schützen, der Wiener Freiwilligen RettunISgesellschaft, welcher sie unter anderen, gesünderen Verhältnissen mit Stolz angehörcn würden, muthwillig und grundlos den Rücken gekehrt zu haben. Statistisch stellen sie fest, daß von 191 Mitgliedern (laut des 1893 erschienenen Jahresberichtes unter Dr. Mundy) am 7. Juni 1894 circa 65 active Mitglieder übrig blieben. Indem die Unterzeichneten für die Veröffentlichung dieser Zeilen der löblichen Redaction den herzlichsten Dank sagen, zeichnen in hochachtungsvollster Ergebenheit: (Folgen 33 Unterschriften.) Wien, 14. Junt. Da der Chefarzt der Freiwill. Rettungsgesellschaft Vragassy, wie oben gemeldet, öffentlich des Antisemitismus beschuldigt wurde, setzte die Gesellschaft eine Commission, bestehend aus den Grafen Wilczek und Lamezan, den Hofräthen Nothnagel und Grünhut und dem Herrenhausmitglied Lobmeyer, ein zur Untersuchung der Sachlage an Ort und Stelle; das Resultat der Untersuchung wird veröffentlicht werden. England.?. London, 14. Junt. Das vielbesprochene sogenannte East-End-Project nähert sich seiner Verwirklichung o er auch seinem Ende, je nachdem die Mitglieder der Hoitsä-S^naxoAus am Sonntag den 1. Juli dafür oder dagegen stimmen werden. Die 6 Haupttheile des vorgelegten Textes sind folgende: 1) Bauten zu errichten, welche speziell dazu bestimmt sind, den Bedürfnissen der jüdischen Arbeiterklassen im Osten Londons Rechnung zu tragen. 2) Cultusbeamten einzusetzen, deren Zeit ' gänzlich dem Dienste besagter Juden gewidmet sein soll. 3) Einen zum Gottesdienst bestimmten Raum zu beschaffen, welcher mindestens 1000 Männer-und 400 Frauen Sitze aufwetsen kann. 4) Das Beth- Hamidrasch in 8t. Jame’s Places nach der geplanten neuen Synagoge zu verlegen. 5) Ein paffendes Gerichtshaus für das Beth-Dtn mit Wartezimmern für die Bethetligten und die Zeugen sowie Amtszimmer zu errichten. 6) Eine große Halle zum Gebrauch für die Mitglieder der geplanten Synagoge und für offizielle Gemeinde-Versammlungen herzustellen. Besonderes Gewicht wird auf den Theil gelegt, der Bezug auf das Beth-Din hat, da es in seiner jetzigen Lage demjenigen Viertel zu fern liegt, in welchem die meisten Juden wohnen, und wo also das Bedürfnitz dafür am größesten ist. Die Kosten für Platz und Bauten werden annähernd auf Lst. 35,000 — M. 700,000 geschätzt. Der Plan zu einer Zweig-Synagoge der Spanischen und Portugiesischen Gemeinde geht seiner Verwirklichung entgegen, seitdem die erste von den Jehidim gestellte Bedingung reichlich erfüllt worden ist, nämlich die Summe von Lst. 2,100 zu beschaffen, um des Betrages von Lst. 3,000 seitens des Gemeinde-Fonds gewiß zu sein. Das neue Gotteshaus soll im Westen Londons, in Naiäa Vale, errichtet werden, wo sich das Bedürfniß danach seit längerer Zeit fühlbar gemacht hat. Der Registrator der Londoner Universität theilt dem Oberrabbiner Dr. Adler in einem Briefe vom 18. Mat mit, daß auf sein Ansuchen hin das B. A. (Baccalaureus Artium) Examen, das etwa dem deutschen Doctor-Examen entspricht, für jüdische Candidaten vom 22. aus den 17. October verlegt werden solle, um den betheiligten Juden die Feier des Laubhütten-Schlußfestes nicht zu stören. Freilich würden die Candidaten je 50 M. Gebühren zu entrichten haben, um die Hälfte der Extrakosten zu decken, die durch dieses Verfahren verursacht würden. Am zweiten Sonntag im Junt jeden Jahres findet in London auf Anregung des Lord Mayor in allen Kirchen ein Gottesdienst statt, mit dem eine Aufforderung von der Kanzel zur Beisteuer zu den Fonds der bestehenden Hospitäler verbunden ist. Wie kaum erwähnt zu werden braucht, haben sich die englischen Juden dieser Sitte nie entzogen, und zwar besteht die Einrichtung, daß am Sabbat vor dem „Hospital Sunday" in allen Synagogen der Hauptstadt (auch die Provinzialstädte haben bestimmte derartige Tage) ein den genannten wohlthätigen Zweck entsprechender Gottesdienst gehalten wird. In diesem Jahre zum ersten Male haben Kirchen und Synagogen zu gleicher Zeit sich der guten Sache gewidmet, da der erste Tag desjenigen Festes auf den betreffenden Sonntag fiel, an welchem das Gesetz der Liebe und Barmherzigkeit den Kindern Israels offenbart worden ist. ^Feuilleton. Estrrlra, Königin von Ioten. Historische Erzählung von Hugo Freuud. 6.) (Nachdruck verboten.) Diese übermütigen und reichen Adeligen dort oben, so keck sie find, wenn man ihnen den Namen der Grusier nennt, so zittern sie, denn sie sind keinen Augenblick sicher, daß nicht von den Schaaren derselben eines ihrer Schlösser überfallen und zerstört wird.