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Der Israelit · 1894-06-18 · Heft 48 (18.6.1894) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 48 (18.6.1894)
Date
1894-06-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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884 suche zu vermeiden und es gelingt ihm, diese Aufgabe zu lösen mit einer Geschicklichkeit, die uns von Vers zu Vers steigende Bewunderung seines Scharfsinns abgewinnt. Er entwickelt dabei eine außerordentliche Gewiffenhafttgkeit in der Beobachtung der grammatischen Formen und eine mit liebevoller Vertiefung in den Stoff bis ins kleinste prüfende Genauigkeit in der Beobachtung der Vergleiche und Bilder aus der belebten und leblosen Natur und vereinigt in seiner Darstellung eine Fülle, von Reizen, deren Wirkung wir durch Herausreißen von Einzelheiten nur abschwächen könnten. —Ws sei darum nur nochmals angelegentlichst auf das hervorragende Merkchen aufmerksam gemacht. R. B. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu. Deutschland. Ans der Pfalz, 28. Mai. Am letzten Sabbat, den 26. d. Mts., beehrte der Prinz Ludwig von Bayern, Sohn des Prinzregenten von Bayern, auf seiner Reise durch die Pfalz auch die Stadt Kaiserslautern mit seinem Besuche. Obgleich ein osficieller Empfang nicht stattsand, so ließ er sich doch nach seinem Eintreffen auf dem Bahnhofe die zu seiner Begrüßung gewünschten und erschienenen Herren — die Mitglieder der Behörden und der Geistlichkeit — unter Anderen auch den Bezirks-Rabbiner Herrn Dr. Landsberg, vorstellen, an welchen er freundliche Worte richtete und dem er auch versprach, die neue Synagoge zu besichtigen. Rach einer Stunde etwa erschien der hohe Herr mit Gefolge an der Pforte der Synagoge und wurde von dem Herrn Rabbiner und der Gemeindevertretung feierlichst empfangen. Herr Dr. Landsberg hielt eine herzliche tief empfundene Ansprache, die der Prinz unbedeckten Hauptes, sichtlich erfreut, anhörte, und schloß mit dem Priestersegen. Unter Führung des Rabbiners betrat der Prinz die Synagoge, ließ sich genau Alles erklären, was sich auf den Gottesdienst rc. bezieht, und sprach seine hohe Befriedigung aus über die ganze Einrichtung und den Bau der Synagoge. Mit herzlichen Worten des Dankes und der Anerkennung veraschiedete sich der hohe Herr von dem Rabbiner, der in äußerst würdiger und taktvoller Weise die Gemeinde vertrat. Alle aber, die Zeuge waren dieser kurzen, aber wirkungsvollen Feier, erhielten den Eindruck, daß es zu wünschen wäre, wenn gekrönte Häupter, oder solche, die diesen nahe stehen, öfter das zu hören bekämen, was H:rr Dr. Landsberg in seiner Ansprache dem Prinzen Ludwig von Bayern gesagt: „Hier in diesem Gotteshause wird die Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen gelehrt, aber auch die Liebe zum Vaterlande und dem angestammten Fürstenhause, auf daß diese Lehren von Allen, die sie vernehmen, auch im Leben bewahrt und beherzigt werden." — Ueber den bevorstehenden Besuch des Prinzregenten, der gleichfalls zu wiederholten Malen die Kaiserslauterner Synagoge besuchen will, hoffen wir demnächst berichten zu können. O e st e r r.-U n g a r. Monarchie. Wie«, 7. Juni. (Die Affatre Deckert vor dem Bezirksschulrathe.) Der Wiener Bezirksschulrath wird sich in seiner am nächsten Mittwoch statifindenden Vollversammlung mit der Affaire Deckert zu beschäftigen haben. Die Veranlassung hiezu bietet ein Erlaß des Landesschulrathes, welcher bereits zu einer lebhaften Debatte in der zweiten Fachsektion des Bezirksschulrathes geführt hat. Wir sind heute in der Lage, den vollen Inhalt des vom Statthalter Grafen Kielmansegg gefertigten Erlasses des Landesschulrathes mitzuthetlen. Der Erlaß lautet: „Der Landesschulrath hat aus dem Artikel: „Die drei Predigten des Pfarrers Deckert" in Nr. „105 des „Wiener Tagblatt" vom 18. April 1894 „entnommen, daß während der vom Weinhauser „Pfarrer Dr. Deckert am 17. April gehaltenen „Predigt von hiezu bestellten Schulknaben die Bro- „schüre Deckert's: „Türkennoth und Judenherrfchaft" „in der Kirche verkauft worden ist. „Der Bezirksschulrath wird angewiesen, hier- „über sofort die geeigneten Erhebungen zu pflegen „und über das aus diesem Anlässe Verfügte zu „berichten. „Bemerkt wird, daß durch inzwischen gepflogene „Erhebungen der k. k. Polizeidirektion, mit welcher „sohin das Einvernehmen in kurzem Wege zu pflegen „sein wird, die Namen der verkaufenden Schulkinder bereits sichergestellt worden sind." Der Referent des Bezirksschulrathes, Rath Prcyer, vertritt bekanntlich den Standpunkt, daß gegen den Pfarrer Deckert nichts zu verfügen sei, weil er zu dem Verkaufe seiner Broschüre gerade in der Kirche anwesende Kinder ohne Rücksicht auf ihre Schulpflicht verwendet habe. Diese Anschauung wurde in der zweiten Fachscktion des Bezirksschulrathes in der entschiedensten Weise bekämpft und es wurde beschlossen, die Angelegenheit dem Plenum des Bezirksschulrathes vorzulegen. Wie wir erfahren, wird in den Kreisen der Bezirksschulräthe der Schwerpunkt auf die katechetische Stellung des Pfarrers Deckert an der Weinhauser Volksschule gelegt und in den Pourparlers, die bisher in der Sache gepflogen wurden, wurde auf das nachdrücklichste betont, daß ein Mann, der öffentlich gegen eine Religtonsgesellschaft in der

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