Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 48 (18.6.1894)
- Date
- 1894-06-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXV. Jahrgang. Beilage zu M 48 des „Israelit". Literarischer Bericht. Wenn dte Nothwendigkett der Worte des Mischnalehrers Rabbi Akiba (Jadajkm III, 5), nach welchen das „Hohelied hoch heilig" (owip tnp r'n*0 ist, noch eines Beweises bedürfte, so könnte der Umstand dafür angeführt werden, daß keines der heiligen Bücher mit so viel falscher Deutung und Profanisirung zu kämpfen hatte, wie das Hohelied und zwar nicht nur seitens ntchtjüdischer Erklärer, sondern auch von jüd. Gelehrten und nicht nur von Anhängern mehr oder minder radikaler Bibelkrktik, sondern auch von Männern, dte sonst fest und treu zum unverfälschten, überlieferten Text und zur traditionellen Auffassung und Werthschätzung desselben halten. Unter diesen Umständen dürfte es für wette Kreise von Interesse sein, zu erfahren, wie ein durch ebenso gründliche Forschungen auf dem Gebiete dcs Talmuds wie der Exegese längst rühmlichft bekannter Gelehrter, R. Joseph Stern in Schual (Polen), Verfasser des vw by *pi.T nar, über Wesen und Inhalt von ü'iwn iw urtheilt. Sein Werk, vrnw by ttnn tn’3, dem ich Nachfolgendes entnehme, um auch die deutschen Kreise, denen cs weniger bekannt sein dürfte, darauf aufmerksam zu machen, ist in Wilna 1875 erschienen, und enthält nach einer trefflichen Vorrede und einer Einleitung zwei Haupttheile 1Q2 und ttnpn, deren erster ausführliche Wort- und Sinnerklärungen enthält, während der zweite mehr den ethischen und moralischen Inhalt des hohen Liedes — ähnlich den rainn nvbyn — entwickelt. In seiner Vorrede gibt der Verfasser außer einer eingehenden Untersuchung über die Bedeutung des Namens rvw einen ausführlichen, von erstaunlicher Belesenheit zeugenden Ueberblick über dte bisherigen ^.iv-Erklärungen in den Talmuden, den Midraschim, dem Sohar und bet den Exegeten und Reltgtonsphilosophen des Mittelalters (u. A. Jbn Esra, Levt b. Gerson, Maimonides), verwirft die häufige falsche kritische Behandlung des hl. Buches weist insbesondere darauf hin, wie allen jenen Erklärer», dte nur Allegorie und nicht Wirklichkeit in dem Text des heiligen Liedes finden zu sollen glaubten, grammatische, stilistische und lexikalische Schwierigkeiten entgegentraten, dte sie zumeist nicht oder schlecht überwanden, wie namentlich ihre Commentare eine Menge von Fragen über den Zusammenhang der einzelnen Kapitel und Verse, über anscheinend unvermittelten plötzlichen Wechsel der Rede u. dgl. mehr ungelöst lassen. Was aber zu dem Wichtigsten aus dieser inhaltreichen und — selbst für denjenigen, der den weiterhin zu skizfirenden Erklärungsversuch nicht unterschreiben möchte — höchst bedeutungsvollen Vorrede gehört, ist die Zusammenstellung von talmudischen und uachtalmudischen Aussprüchen über die Tendenz und hochheilige Bedeutung deS iw □’i’rn. Mit ernster, wissenschaftlicher Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit tritt Verfasser entschieden jener profanistrenden Anschauung entgegen, die — wie z. B. einer der jüngsten v'.-w-Commentare- „Grundgedanke und Zweck des hl. Liedes" staden zu sollen glauben in der „Darstellung des Unterschiedes zwischen einer geistigen Liebe und der auch Lieb) genannten Erregung stnnlicher Triebe." Er vertritt solchen Auffassungen gegenüber den überlieferten Standpunkt, den z. B. der so oft mißverstandene Jbn Esra so kernig ausspricht in den Worten noao by nson ntr irroip ip'nynp no «’a noNn y« und den auch Maimonides (Hilchath Tschubah X, 3) codifizirt, wenn er von der Liebe zu Gott spricht, und einem als Beleg angeführten Citat aus vrnt? hinzufüzt: nt yW «in fcn. — Die auf diese Vorrede folgende Einleitung offenbart uns in kurzen Zügen den Plan des Werkes: Schir Haschirim enthalte eine Lrbensgeschichte Salomos und zerfalle in fünf, die Hauptperioden seines Lebens behandelnde Theile. In dem ersten (K. 1, V. 1, — K. 2, V. 7) hören wir einen Helden, etwa Benajahu, als Vertreter der Nation dem zukünftigen Herrscher zujubeln, und ihre Treue versichern im Gegensatz zu jener Partei, die Adontjahu für seine Regierungsgelüste zu begeistern verstanden hatte. Der zweite Abschnitt (II, 8, — III, 5 —) behandelt die Zeit, wo Adonijahu's Pläne durch Davids kräftiges Einschreiten zerstört waren, und SalomoS Freunde offen auftreten konnten.. Mit III, 6 beginnend und V, l schließend, behandelt der dritte Thetl jene Periode, wo König Salomo nach dem Tode seines Vaters regiert, die Zeit des Baues und der Einweihung des Tempels, jener Zeit des Glückes und der Zufriedenheit für Israel und seinen König. Im vierten Theil (V, 2, bis VI, 4) hören wir von der Empörung Jerobeams und den erfolgreichen Versuchen der besseren Elemente im Volke, die gefährliche Bewegung zu unterdrücken. Die Wiederaussöhnung von König und Volk und die Versicherung unwandelbarer Unterthanentreue werden endlich im letzten Abschnitte berichtet. In der Ausführung sucht der Verfaffer alle dte obenerwähnten Mängel..älterer Erklärungsver-