Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-06-18 · Heft 48 (18.6.1894) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 48 (18.6.1894)
Date
1894-06-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448454--38730-2486849
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

-r: **•• ■-':f5»'' "; - .-..‘w?*»?.*^!;?.•*’**h«5* *5*? 6ÖÖ ihrer doch nur Beschimpfungen und Bedrohungen harren, ihr Getreide absetzen und den Verkehr mit den ungarischen Produzenten pflegen zu können. Die Aufhebung des Saatenmarktes dürfte auch nicht so sehr die Getreidehandler und Getreide- Spekulanten als vielmehr die Stadt Wien und zahlreiche Kreise von Gewerbetreibenden empfindlich treffen, und in dieser Beziehung dürfte die Agitation gegen den Saatenmarkt vielleicht den entgegengesetzten Effekt üben, als sich die antisemitischen Matadore von derselben versprechen. (Inzwischen hat der Handelsminister in einer Zuschrift an die Börsenkammer die Abhaltung des Saatenmarktes angeordnet.) Budapest. (Ein Rede des ungarischen Handelsministers.) Vor Kurzem feierte der israelitische Handwerkerverein dahier das Jubiläum seines fünfzigjähringen Bestandes. D.'r Festversammlung wohnten viele Notabilitäten, darunter der Handelsminister das Cabtnets Wekerle, Herr Bela Lukacs, mit seinem Staatssecretär. je ein Staatssecretär aus dem Ministerium für Cultus und für Ackerbau in Stellvertretung ihrer Ressort-Chefs, der Ober- Bürgermeister u. s. w., bei. Nach dem Festvortrage des Vereins-Präsidenten ergriff Minister Bela Lukacs das Wort, um in bezeichnenden Worten die Haltung zu sktzziren, welche die damalige ungarische Regierung Bestrebungen und Zielen gegenüber einnehme, wie sie der jubtlirende Verein verfolge. „Die Regierung", sagte der Sprecher, „und soweit eS sich um die Pflege der materiellen und gewerblichen Interessen handelt, ich in erster Reihe, hegen das wärmste Interesse für jede gesellschaftliche Thätigkeit, welche, aus eigener Kraft emporgewachsen sich auf geistigem und materiellem Gebiete bemerkbar macht. Das Wirken Ihres Vereins legt Zeugniß davon ab, daß Arbeit und Fleiß in diesem Lande fruchtbaren Boden finden und ihre ganze Kraft zu enthalten vermögen. Die Thätigkeit und der Bestand dieses Vereins sind die beste Gewähr dafür, daß auf dem Boden der ungarischen Nation heute ein Jeder, ohne Unterschied des Glaubens und des Standes, sein Fortkommen finden kann und daß unter dem Schirme unserer gemeinsamen Freiheit bürgerliche Arbeit, bürgerlicher Erwerbssinn und rechtschaffenes Streben zur vollen Entwicklung zu gelangen vermögen. Wir verlangen nur, daß Jeder stets und immer ein guter Patriot sei und bleibe." Mit einem Appel an den Patriotismus und mit dem Wunsche, daß alle Scheidewände fallen, jede egoistische Strömmung verschwinden möge, schloß der Minister unter den Eljen-Rufen der Anwesenden seine Dankes- und BeglückwünschungSrede. 4 Vermischtes. 4 Berlin. Wie der Reichsanzeiger meldet, hat die königliche Akademie der Künste dahier unter fünf Bewerbern für ein Michel Beer'sches Stipendium mit 2250 Mk. zu einer italienischen Studienreise dem Maler Jehuda Epstein aus Hömel (in Rußland), derzeit in Wien, den Preis zuerkannt. — Der israelitische Religionslehrer und Kantor Herr S. Salomonsohn in Hunge« feierte am 22. Mai seinen 80. Geburtstag. Er ist seit 1842 im Dienst der Hungener Gemeinde und versieht noch heute in völliger geistrige Frische sein Amt. 8 e « tlle t o ». Estrrka, Königin von Iolen. Historische Erzählung von Hugo Frennd. 5.) (Nachdruck verboten.) Sie flüchtete sich fort von ihrem Verfolger, aber alle Wege zum Ausgang des SaaleS waren versperrt und wie ein scheues, gehetztes Wild lief sie im Saale umher. An einer Stelle blieb sie stehen, doch sofort war der junge Herr von Lubormirsky an ihrer Seite. „Ah, zu mir willst du, mein Püppchen, seht Kameraden, sie hat mich selbst gewählt, sie zieht mich Euch vor, weither Pan von Wola." „Ho, was will der Lubormirsky, weg von ihr, Lubormirsky", schrieen die Andern, „es hat keiner ein Recht an ihr, als Jan, in dessen Schloß sie freiwillig gekommen ist." Trotzdem der junge Pan berauscht war, hatte er so viel gesellschaftliche Erziehung genoßen, daß er mit einem Schlage die Situation übersah, daß ihm bewußt ward, es sei hier ein Grund gegeben, um die schöne Kameradschaft und Freundschaft, die bisher zwischen ihm und seinen Gästen geherrscht hatte, zu zerstören, und andererseits konnte ihm von denselben leicht die verlockende Beute entführt werden, die er da vor sich sah und die er mit den Augen schier verschlang. Durch einen gewandten Scherz suchte er sowohl die Ruhe im Saale herzustellen, als sich auch seiner Beute zu versichern. „Aber ihr Herren!" rief er lachend, „wer wird denn gleich so heftig sein, und noch dazu wegen dieser kleinen Jüdin. Seht sie nur einmal an, sie ist ganz beschmutzt von dem Koth der Straße, ich meinerseits möchte schönstens für solche Liebkosungen danken, wenigstens so lange, bis sie sich gereinigt hat." Das Scherzwort, so fad es auch war, erreichte doch völlig seinen Zweck, denn die Gäste des Pan lachten, und er hatte ja auch wohl in der That, die Meinung Aller mit diesen Worten getroffen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.