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Der Israelit · 1894-06-18 · Heft 48 (18.6.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 48 (18.6.1894)
Date
1894-06-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ttode das Wort redete. Es wollte aber bis jetzt Niemand hinetnfallen. Wenn auch jeder deutsche Bürger verfassungsmäßig das Recht hat, sich so gründlich zublamiren, als er eben kann, so nöthigt einem doch der ausgiebige Gebrauch, der hier von diesem Privilegium gemacht wird, ein staunendes Lächeln ab. Seit 1871 hat keine Synode und seit 1884 hat keine Rabbinerversammlung stattgefunden. Da viele den Unterschied zwischen beiden nicht klar ist, so sei daran erinnert, daß Synoden auch von Nicht- Rabbinern, Rabbinerversammlungen natürlich nur von Rabbinern beschickt werden. Herrn Lehmann wäre es nun höchst fatal, wenn das Judenthum durch Rabbinerversammlungen gerettet würde, weil er dann mit seiner Beredtsamkeit zu Hause bleiben müßte. Dagegen wollen die Rabbiner lieber unter sich tagen, als ihre Lorbeeren mit „Laien" theilen. Wie die Freunde der Synoden und diejenigen der Rabbinerversammlungen sich darüber einigen, ist ihre höchst eigene Sache. Ob aber das Bedürfniß sich alle 10 oder 20 Jahre öffentlich zu blamtren wirklich in dem Maße vorhanden ist, wie es die Einberufung einer Synode oder Rabbtnerversammlung erfordert, scheint sehr zweifelhaft. — Man kann das bedauern. Es ist heilsam für die gute Sache, wenn das abgewirthschastete Reformjudentbum von Zeit zu Zeit seine vollendete Impotenz öffentlich und officiell constatirt. Da man aber ohne viel prophetische Gabe schon jetzt sagen kann, daß diese Jubiläumswünsche sich nicht verwirklichen werden, so kann es für heute damit sein Bewenden haben. Es kann nur constatirt werden, daß es mit dem Reformjudenthum noch nie so herzlich schlecht gestanden hat, als jetzt; 50 Jahre nach seiner Taufe. Es leidet an gallopirender Schwindsucht, es ist nrrs und zwar ganz rapid. — Heute leben noch zwei Mitglieder der Braunschwetger Rabbiner-Versammlung und einer derselben hat den Muth gehabt an dieses vor 50 Jahren verübte Attentat auf das überlieferte Judenthum zu erinnern. Noch 50 Jahre und kein Mensch weiß mehr etwas von ihrer Existenz. Wenn das orthodoxe Judenthum in dem Maß die Geister und Gemüther wieder gewinnt, wie das Reformjudenthum an Boden verloren hat, dann wird man, wenn wieder sünffig Jahre dahingegangen sind, die Möglichkeit, daß Rabbiner sich zu einem solchen Attentate bereit finden ließen, für ein Märchen halten. Wenn sich dann ein versprengtes Reform - Rabbiner-Exemplar noch in irgend einem verlorenen Welt-Winkel finden sollte, wird man es in Spiritus legen und es in irgend einem Museum ausstellen, um der ungläubigen Welt ad oculos zu demonstrtren, was sie sonst niemals glauben würde: „Es Hateinmal eineZeit gegeben, in welcher Leute, die für die Hut des Judenthumsbezahlt wurde «.dasselbe öffentlich verriethen und Versammlungen anberaumten, um des Judenthums mit Anstand ledig zu werden. Und dieGemeindensahen dasmtt offenen Augen zu und ließen es sich ruhig gefallen!" Zeitungsuachrichteu «ud Correspoudeuzen Deutschland. Mainz, nyiap hv jn nox. Unser Gottesdienst erhielt in den eben verflossenen Festtagen eine besondere Wethe. Herr D. Levinger hier ließ eine neue prächtige Thorarolle schreiben und übergab solche am ersten Tage Schabuoth unserer Religtonsgesellschaft in feierlicher Weise. Vor Beginn des Thoralesens gingen zehn Mitglieder des Vorstandes und Ausschusses unserer Gesellschaft mit den bereits vorhandenen Sefarim der neugeschriebenen Rolle entgegen, welche vom Vorbeter in Begleitung unseres Herrn Rabbiners unter Chorgesang an ihren heiligen Bestimmungsort getragen wurde. Nach einigen Umzügen um den Almemor, kam aus dem betreffenden Sefer der dem Tage entsprechende Thoraabschnttt zur Verlesung. Die Thorarolle ist von Herrn ibid Holzmann auf das sorgfältigste in schönen, großen und deutlichen Buchstaben hergestellt. Der sie umgebende Mantel, welcher mit prachtvoller Goldstickerei versehen, ging aus dem Atelier des Herrn Rothschild in Frankfurt a. M. hervor. Das Silber bildet ein hervorragendes Kunstwerk der auf diesem Gebiete weltbekannten Firma Lazarus Posen Wwe. in Frankfurt a. M. Zur Erinnerung an dieses freudige Ereigniß stiftete Herr Levinger einen Betrag von 1200 Mk. für den hiesigen Htlfsverein. Möge der edle Geber Kinder und Enkel sehen, die sich mit der Thora beschäftigen. Berlin, 11. Juni. Die Urheberin eines Gerüchts über einen angeblichen „Ritualmord" stand dieser Tage vor dem Schöffengericht in Bereut. Die Wlttwe Herrmann hatte sich, wie die,, Danziger Ztg." berichtet, wegen Erregung ruhestörenden Lärms und Verübung groben Unfugs zu verantworten, weil sie im April durch ihr Geschrei, „die Juden hätten ihr Kind geschlachtet" (dasselbe hatte bekanntlich eine Ziege zum Kaufe ausgeboten und sich dabei lange aufgehalten), einen großen Menschenauflauf verursacht hatte. Die Beschuldigte

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