Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 47 (14.6.1894)
- Date
- 1894-06-14
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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WM^WEMWWWWWMMW 110 r Die Kolonisation. Palästinas. Ackerbau in Palästina. (XI. Fortsetzung.*) Es erklärt sich eben nicht Alles an der Hand ruhig abwägender Verstandesgründe, auch das Gefühl, das ideale Empfinden und Streben der Menschen wirkt bestimmend ein auf die Vorgänge der Weltgeschichte. Auch hier ging es nicht anders; jene Jünglinge begleitete die lebhafte Sympathie aller ihrer Stammesgenossen, und eben dies auch zwang die „Zionsfreunde“, aus der Reserve, die zu beobachten man beschlossen hatte, hervorzutreten und mit der Anlage neuer Kolonien lür diese jungen Leute zu beginnen. Zu diesem Zwecke erwarb man etwa 25 Kilometer von Jaffa entfernt, in dem Dorfe Katrah ein Areal von 277 Hektar. Der Plan ging dabei dahin, dass die neuen Ansiedler zunächst, nach wie vor, als Tagelöhner ihr Fortkommen suchen sollten, der Grund und Boden sollte in ihren Besitz erst übergehen, wenn sie sich das nöthige lebende und todte Inventar verschalt, vor Allem auch einen Brunnen angelegt haben würden. Doch konnte man diesen Zeitpunkt nicht ab warten, da anhaltende Arbeitslosigkeit die Kolonisten schon bald zwang, jenen Besitz anzutreten. Es geschah dies am nDun-Feste 1884, und so entstand — ein wichtiges Datum für die Kolonisation-Geschichte Palästinas — die Ansiedelung „Gadrah“. Diese erste auf Kosten der öffentlichen Wohl- *) 8. Nr. 516. =^C> i ■'» I »- thätigkeit vollzogene Gründung einer Kolonie in Palästina versetzte die „Zionsfreunde“ pekuniär in eine, gegenüber der bisherigen, erheblich schlechtere Lage, Es fehlte ihnen vor Allem an Geld, das ihnen weder die geschlossenen Massen der Armen, noch die aufstrebenden jungen Talente — ihre beiden Hauptunterlagen — bieten konnten. Allmählich, in kleinen Beträgen sammelten sie in den Jahren 1884—1890 die Summe von 400000 M., die — wäre sie auch einmal zu ihrer Verfügung gestellt worden — sicher gereicht hätte, um die hilfsbedürftigen Kolonien sicher zu stellen, die aber in den kleinen Beträgen und grossen Zwischenräumen, in welchen sie einging, nicht die gehörige productive Anlage erfuhr, so dass sie nur zum Theil der Vervollständigung des landwirtschaftlichen Inventars, zum Häuserbau und dergleichen diente. Dazu kam, dass von dem Boden nur zwei Drittel sich zum Getreidebau eignen, und auch dieser Theil ist durch Raubbau, den die Vorbesitzer Jahrhunderte lang getrieben, ganz erschöpft, so dass er erst mit grossen Kosten gehörig gedüngt werden muss. Pessach-Tikwah hat freilich einen zum Getreidebau geeigneteren Boden, dafür waren aber die Kolonisten selber, welche bis dahin nur im Hause oder in der Synagoge zu weilen gewohnt waren, zur schweren Arbeit des Getreidebaues wenig qualificirt. (Fortsetz, folgt.) Alliance Israelite Universelle. Schalen and Lehrlingswerk. Auszug des Berichts, welchen der Director der Ackerbauschule zu Ja f f a über die Leistungen der Anstalt im Februar 1894 an das Central-Comitä gerichtet hat. Wir hatten einige sehr sorgenvolle Tage; die Hitze war bereits eine ziemlich grosse, und es war nur sehr wenig Regen gefallen; wir sahen unsere gesammte Ernte durch den Mangel an Wasser gefährdet, da kamen einige gründliche Regengüsse, die alle Sorgen von uns nahmen. Die Versuche, die umliegenden Hügel zu bewalden, die seit zwei Jahren gemacht werden, werden fleissig fortgesetzt; wir pflanzen solche Bäume an, die sich schnell entwickeln, namentlich Eucalyptusbäume, und wir sehen den Tag kommen, wo die ganze Besitzung mit schönen Waldungen bedeckt sein wird, was als die grösste Seltenheit des Landes angesehen werden kann. Ich hatte einige Sorge geäussert über die uns bevorstehenden Schwierigkeiten in Bezug auf den Absatz unserer Weine; es war dies überflüssig. Unser Wein wird in hiesiger Gegend, ja sogar in Egypten, derart geschätzt, dass unsere Kunden sich mehr ausbitten, als wir ihnen liefern können. Die Hälfte der Ernte von 1893 ist bereits verkauft, und bis zu Ende des Jahres werden alle Sorten, über die wir verfügen können, verkauft sein. Angesichts der niedrigen Weinpreise ist dies ein beruhigendes Vorzeichen für die Zukunft unserer Weinproduction. Auch aus unseren Baumschulen haben wir in diesem Monate grosse Einnahmen erzielt; wir haben in Jerusalem und Umgegend eine grosse Anzahl junger Bäume verkauft. Während