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Der Israelit · 1894-06-14 · Heft 47 (14.6.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 47 (14.6.1894)
Date
1894-06-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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861 Bisher waren die guten Stuttgarter gewöhnt, ohne Tallis aufgerufen zu werden. Das hat schon aufgehört. Sie haben jetzt wieder den Tallis gekriegt. Auch soll der Mißbrauch, daß die Metzger schächten, abgeschafft werden. Herr Dr. Kroner wird noch Vieles zu verbessern finden, und ist ihm bester Erfola zu wünschen. Schwerin, 7. Juni. Obgleich man bisher in Schwerin und Umgegend nichts von Antisemitismus bemerkte, so hat dennoch in voriger Woche jemand, der von „der Schmach dieses Jahrhunderts" angesteckt wurde, in hiesigen Anstalten ein blaues Etiquett mit der Umschrift: „Kauft nicht bei Juden" und einige Tage später einen Streifen Papier mit der Aufschrift: „Willst du den Juden erfolgreich taufen, dann müffest du ihn gleich ersaufen" geklebt. Da diese Zettel gedruckt find, so ist es sehr wahrscheinlich, daß sie von auswärts zu diesem Zweck sind hierher gesandt worden. (Auch hier in Mainz wurde vor Kurzem Aehnliches inscenirt, doch sind die Zettel von den Schutzleuten entfernt worden.) Aus der Lehrerwett. Bericht über die 13. Jahresversammlung -es judwestdeulfchen Verbandes rsrael. Lehrer und Cuttusbeamten am 13. und 14. Mai I. im Gasthof Rothschild;u Bingen. Um 2 V2 Uhr eröffuete der Vorsitzende Eppstein- Hoppstädten die Versammlung, indem er seiner Freude über das Wiedersehen in Gesundheit Ausdruck gab, den Mitgliedern für ihr zahlreiches Erscheinen und dem D. I. G. V. für die auch diesmal geleistete Beihülfe und schließlich allen denen seinen Dank aussprach, die sich um das Zustandekommen der Versammlung bemüht haben. Ueber die Thätigkeit des Vorstandes sei zu berichten, daß sich dieselbe hauptsächlich auf das Gelingen der Vereinigung aller Israel. Lehrervereine zu einem Bunde erstreckt habe. Wenngleich alle Punkte der heutigen Tagesordnung wichtig seien, so gebühre doch dem des Zusammenschlusses der Vorrang, seien doch alle Vereine gegenwärtig — hoffentlich mit gutem Erfolg — mit diesem Thema beschäftigt. Hierauf berichtete der Unterzeichnete über die Kaffe, welche mit einer Einnahme von 198,80 Mk., einer Ausgabe von 143.60 Mk. abschloß. Nachdem dem Kasstrer Decharge ertheilt worden, ward der bisherige Vorstand wiedergewählt. — Herr RaLb. Dr. Grünfeld-Btngen begrüßte die Versammlung namens der dortigen Reltgionsgemeinde und sprach über die Bedeutung des Lehrerstandes. Herr Rabb. Dr. Bamberger - Bingen brachte den Gruß der dortigen Religionsgesellschaft, auf den Wochenab-chnitt hinweisend und den Priester mit dem Lehrer vergleichend, darauf hieß Lehrer Nußbaum- Bingen seine Eollegen herzlich willkommen und wünschte den Verhandlungen guten Erfolg und den Versammelten am herrlichen Rheknstrom vieles Vergnügen. Punkt 2 der Tagesordnung. Zusammenschluß. Der Vorsitzende führt hierzu aus, daß schon längere Jahre in aller Lehrer Herzen der Wunsch gehegt worden sei, daß alle israel. Lehrer sich zu einem Bunde vereinigen möchten. Um den Weg zu einer Verständigung zu bahnen, habe sich nun der Lehrerverein in der Provinz Hannover mit einen Statuten- Entwurf an die bestehenden Verbände gewandt, und die Angelegenheit sei so weit gediehen, daß im Herbste d. I. eine Delegirten-Bersammlung stattfinden werde, um diesen Eentral-Verein zu gründen. Es wurde einstimmig beschloffen, daß hierzu auf Vereinskosten 2 Delegirte zu entsenden seien und zwar: Eppstein-Hoppstädten und Ransenberg-Neuwied; zu Stellvertreter wurden Sender-Tholey und Nathan-Mayen bestimmt. Die Delegirten wurden beauftragt, dem Statutentwurfe des Hannoverschen Lehrerveretns zwar ihre Zustimmung zu ertheilen, jedoch eine Aenderung einiger (Paragraphen zu erstreben. Insbesondere sei 8 4 zu streichen, § 4 solle heißen: „Der Vorstand des Lehrerbundes sitzt sich zusammen au8 den Vorsitzenden der Zweigvereine" und zu § 14 sei ein Passus einzuschalten, der über Auflösung des Bundes handelt und daß das etwaige Vermögen in diesem Falle dem D- I. G. B. zufalle. (Warum ntcht^den einzelnen Lehrervereinen? Red.) Nun erhielt der Unterzeichnete das Wort zu Punkt 3 derjTagesordnung: Lehrplan der Volksschule A Religionslehre. Er sprach über die Nothwendigkeit eines gesonderten Unterrichts in der syst. Religionslehre und über die Aufgabe und das Ziel derselben. In der einklasstgen Elementarschule seien nur 2 Abtheilungen zu bilden, A Unterstufe, 1.—4. Schuljahr, B Oberstufe 5—8. Schuljahr, Die Reltgtonslehre der Unterstufe beruhe auf bibl. Geschichte, die überhaupt das Fundament der gesammten Reltgionslehre sei. Nachdem eine bibl. Geschichte vorbereitet und vorerzählt worden, finde die eigentliche praktische Behandlung derselben statt. Die Nutzanwendung der Hinweis auf göttl. und menfchl. Wohlgefallen oder Mißfallen ist auf dieser Stufe die Religionslehre. Die Kinder werden die guten Personen ltebgewknnen, die bösen verabscheuen, mit den Irrenden Geduld und mit den Leidenden Mitleid haben. An einer bibl. Geschichte ward praktisch gezeigt, welche Lehren rc. aus derselben zu suchen, welche Bibelsprüche anzuwenden seien und wie diese überhaupt zu be-

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