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Der Israelit · 1894-06-14 · Heft 47 (14.6.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 47 (14.6.1894)
Date
1894-06-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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862 handeln sind. Die eigentliche systematische ReligionSlehre trete erst im 5. Schuljahre auf, der ganze Stoff sei auf 2 Schuljahre zu verthetlen, sodaß derselbe im 7. und 8. Schuljahre nochmals — aber tiefer und ausführlicher — zur Besprechung kommt. Hieran schloß sich eine specielle Pensenvertheilung, wobei gezeigt ward, daß aus den 10 Geboten die meisten Glaubens- und Pflichtenlehren abzuletten sind. Die Fest- und Fasttage werden vor den betreffenden Zeiten durchgenommen, die relig. Gebräuche da, wo sich im bibl. Geschichtsunterricht oder beim Gebetübersetzen Gelegenheit findet. Bezügl. der Lehrbücher ward bemerkt, daß das in den meisten Schulen eingeführte Religionsbuch von Herxheimer für die einfachen Schulverhältnisse der einkl. Elementarschule oft zu breit sei, das von Rector ManduS herausgegebene Reltgionsbuch würde sich ganz gut eignen, wenn es nicht in Form von Frage und Antwort dargestellt wäre, es empfiehlt sich vielleicht, die vom D. I. G. B. herausgegebenen „Grundsätze der jüd. Sittenlehre" zu gebrauchen, die „Belegstellen" zu demselben sind jedenfalls sehr gut verwendbar. Die Arbeit des Referenten rief eine sehr lebhafte Debatte hervor, die indes zeigte, wie nothwendig es sei, diesen Gegenstand im nächsten Jahre nochmals zu besprechen. Auf Antrag des Referenten ward deshalb eine Commission ernannt — Lißner-St.-Johann, Nußbaum- Merzig und der Unterzeichnete, — die der Versammlung einen Normal-Lehrplan für syst. Religionslehre vorzulegen hat, wobei auch auf Reltgionsschulen und auf die Religionslehre an Hähern Schulen Rücksicht zu nehmen ist. Nach einer kleinen Pause ward das gemeinschaftliche Mahl eingenommen, welches der Küche und dem Keller des Herrn Rothschild alle Ehre machte. Die Stimmung ward erhöht durch vorzügl. Toaste und Reden von dem Vorsitzenden, Ransenberg-Neuwied, Dr. Dr. Kohn-Bonn und Bamberger-Btngen, Sender-Tholei und Stamm- Dierdorf. II. Tag. Die Sitzung ward um 8 Uhr eröffnet u. es erhielt Lehrer Seelig-St. Ingbert das Wort zu seinem Referate: Ueber Chewroth". Der Vortragende verbreitet sich über die Entstehung der CH., deren Zweck und Nothwendigkett, die verschiedenen Arten derselben, die von den Mitgliedern der CH. übernommenen Pflichten Kranke zu pflegen, Sterbenden beizustehen, Leidende aufzurichten, Verstorbenen die letzten Ehren zu erweisen, insbesondere die Pflicht des Gesetzstudiums und die heilsamen Folgen der Vereinigung der verschiedenen Ständen einer Gemeinde. Dann schildert Referent den Jndtfferentismus in rel. Dingen der heutigen Generation und die traurigen Folgen desselben, daß diesem Uebel dadurch zu steuern sei, indem unser Volk mehr mit seiner Geschichte, seiner Literatur und den hebr. Schriften bekannt gemacht werde. Letzteres insbesondere sei die Aufgabe der CH., fie seien eine Art Fortbildungsschule für Pentateuch- und Gebetübersetzen und für Besprechung der Feiertage nebst ihren Gebräuchen. Hieran schließen sich Vorträge über nachbibl. Geschichte. Der Vortragende gibt die Hülfsmittel für die Lehrer an und verlangt, daß derselbe den Stoff vollständig beherrsche und das nöthige Geschick habe, populäre Vorträge zu halten. Die Seminare sollten hierzu Anleitung geben. Zum Schluffe bespricht der Referent die anzuwendende Methode und fordert gründliche Vorbereitung und einen freien Vortrag. Nachdem der Vorsitzende dem Referenten seinen Dank für die eingehende Arbeit ausgesprochen, wird in die Debatte eingetreten; ganz besonders die vom Ref. aufgeftellte Forderung eines schulmäßigen Pentateuch- und Gebetübersetzens findet lebhaften Widerspruch. 5. Der Lehrer als Prediger: Alexander- Bendorf. Die hochinteressanten Ausführungen des Ref. lassen sich aus folgenden Thesen erkennen: Bei dem herrschenden Jndifferentismus und der Unkenntnis der Geschichte und der Geschicke unseres Volkes, seiner Sitten- und Glaubenslehren, denen wir unter den Erwachsenen unserer Gemeinden begegnen, m Erwägung der mannigfachen Schädigungen, denen unser Religionsunterricht durch solche Uebelstände ausgesetzt wird, ist es als unbedingt erforderlich zu erachten, daß 1) die Lehrer neben dem Lehrerberuf in der Schule auch dem der Kanzel sich widmen, d. h. religiöse Vorträge (Predigten) halten sollen, die 2) den Zweck haben, Belehrung und Kenntnis über Religion, Juden und Judenthum unter den der Schule entwachsenen Personen der Gemeinde zu verbreiten, weshalb sie 3a) dem jeweiligen Wochenabschnitte entnommen, die Bedeutung der Feste erläuternd oder religionsgesetzliche Vorschriften erklärend, und 3d) kurz, allgemein verständlich und dennoch erbauend sein sollen. Zu diesem Zwecke vertiefe sich der Lehrer 4) selbst in den Inhalt seines Vortrages und trage ihn vor allem in musterhaftem Deutsch und fließend seinen Zuhörern vor, wodurch er 5) erreichen wird, daß man ihn bei jeder Gelegenheit als Prediger betrachten wird. Der Vorsitzende dankt dem Ref. für seine vortrefflichen Ausführungen, worauf in eine Diskussion eingetreten wird, die einen Widerspruch gegen die Thesen des Referenten nicht zu Tage fördern. Als nächster Konferenzort wird Neuwied (Pfingsten 1895) gewählt und bestimmt, daß Lißner- St.-Johann eine Lehrprobe über ein noch zu be-

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