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Der Israelit · 1894-06-14 · Heft 47 (14.6.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 47 (14.6.1894)
Date
1894-06-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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855 öffentllchten Bericht zu ersehen, daß dieselbe anfängt, praktisch thätig zu fein und sich mit vielen wichtigen religiösen und administrativen Fragen zu beschäftigen, nicht etwa darum, weil wir eine gedeihliche Lösung dieser Fragen von jenen Konferenzen, in welchen die äußerste Reform neben der strengsten Orthodoxie vertreten ist, erwarten, sondern weil es stch schon bei Behandlung dieser Fragen alsbald zeigen muß, wie recht Sie seinerzeit hatten, als Sie der Schaffung jenes Verbandes mahnend mit der Begründung entgegentraten, daß nur die äußere und innere Zusammenstimmung der zum Zusammenwirken Berufenen eine heilsame Wirksamkeit verspreche. Alle jene Phrasen, daß es möglich sei, innerhalb einer religiösen Vereinigung die verschiedensten Glaubens- und Geistesrichtungen zu befriedigen, erweisen sich schließlich als unwahr und haltlos, weil eine jüdische Association, eine man, das nvvan die zusammenstimmende Gesinnung und That ihrer Mitglieder zur unbedingten Voraussetzung hat. Greifen wir aus den zahlreichen Gegenständen, mit welchen sich die Konferrnz beschäftigte, einen Punkt scheinbar rein finanziell administrativen Charakters heraus, und die Wahrheit des Gesagten wird sich uns alsbald zeigen. Die Konferenz hat die Gründung einer Centralcasse zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Kultusgemeinden beschlossen, und da in diesen Sachen nsa nro px ist, erwartet sie hierbei natürlich die Mitwirkung der großen und reichen Kultusverwaltungen. Daß geringen jüdischen Gemeinden auf dem Lande, die nicht im Stande sind, ihre Kultusbedürfnisse zu befriedigen, von Setten der besser gestellten Gemeinden Hilfe zu bringen sei, darüber wird wohl nur eine Meinung herrschen. Anders aber in Bezug auf die Frage: was eigentlich ein dringendes Kultusbedürfniß ist und welchem bei einer Collision der Ansprüche der Vorrang einzuräumen sei? Uns z. B. gilt die Schaffung einer Institution, welche der Verwirklichung eines religiös - gewiffenhaften Pflichtlebens dient, als das dringendste Kultusbedürfniß, dringender als Synagoge und Predigt, ja dringender selbst als die einheitliche Durchführung der Absolutorialaufgaben an den humanistischen Gymnasien, worüber die Konferenz zwei Referate anhörte und eine eigene Commission einsetzte; wir sind aber nicht so naiv zu glauben, daß Vorstände und Rabbiner, denen die Schaffung und Erhaltung einer Mikwah ein glücklich überwundener Standpunkt ist, in Bezug auf die Werthschätzung der in den Gemeinden hervortretenden Bedürfnisse und Aufgaben, mit uns gleicher Meinung sein werden, höchstens werden sie aus liberaler Connivenz — das ist ja jetzt Mode —sich auch die Förderung solcher Institute angelegen sein laffen, die ihrer Ueberzeugung nach zu den überflüssigen gehören, um die andersgesinnten Conferenzler nicht vor den Kopf zu stoßen, dafür aber — und mit Recht — von jenen verlangen, daß auch sie nichts dagegen einwenden, wenn aus den Mitteln der Zentralkaffe die Kultusbedürfnisse solcher kleinen Gemeinden befriedigt werden, die nicht auf altüberliefertem Standpunkte stehen und deren Förderung und Unterstützung einem map naiy ’T nptm gleichkömmt. Denn kein in Wahrheit von seiner Stellung zu religiösen Fragen Ueberzeugter bezweifelt, daß es nicht Gottesdienste und Religionsunterrichte gibt, deren Pflege und Förderung er als unstatthaft zurückweisen müßte. Darum hat das weitschauende Auge des Rabbiner Hirsch Var es erkannt und zu verwirklichen gesucht, daß auch in solchen scheinbar finanziell-administrativen Hilfsmaßnahmen sich nur die Männer von gleicher religiöser Richtung zusammenschließen, und daß sie als unheilbringend jeden Pact mit solchen vermeiden, die zwar aus überzeugungsloser Humanitätsduselei auch für die Anliegen des streng jüdischen Pflichtlebens ein tolerari posse haben, im Herzen aber denselben fremd gegenüberstehen und darum unmöglich die Vertretung der Ueberzeugungen Jener führen können und dürfen. Hoffen wir, daß unsere Gesinnungsgenossen in Bayern stch bald ermannen, und das Wort D'pnab beherzigen. Für die Dauer wird die Vereinigung doch nicht möglich sein. Vielleicht ist diese Erkenntniß auch der unausgesprochene Grund der Urheber für die Gründung jenes bayerischen Centralunterstützungsverbands, um den voraussichtlich bald etntretenden Zerfall des Gelehrtenelements der Conferenz Succurs durch Heranziehung des Laienelements (Delegierten der Vorstände) zuzuführen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Lemberg. Dem Jahresberichte über die Wirksamkeit der Stiftung des Frciherrn v. Hirsch sind folgende interessante Einzelheiten zu entnehmen: Zu Beginn des Schuljahres 1893/94 wurden vier neue Schulen, und zwar in Wcstgalizien zu Dombrowa und in Ostgalizien zu Delatyn, Sntatyn und Solotwtna errichtet. Der Bericht konstatirt mit Befriedigung, daß jene feindselige Haltung, welche früher ein gewisser Thetl der jüdischen Bevölkerung Galiziens bei Schulgründungen angenommen, und welche nur allmählich und nur durch die Entwicklung der Schulen und durch taktvolles Vorgehen zu bewältigen war, bei Gründung der neuen Schulen im letzten Jahre die frühere Schärfe eingebüßt hat, und daß die Stiftung mit ihren Schulgründungen bereits auf keine besonderen Schwierigkeiten stößt. Allerdings ist von einem opferfreudigen Entgegen-

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