Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 47 (14.6.1894)
- Date
- 1894-06-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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^**&'*K' -3 852 mttäten die Ursachen derselben immer außer sich sucht, lehrt unS der vorliegende Väterspruch sie bei unS selbst zu suchen und — zu beseitigen. Die Heimsuchung des Hungers tn seinen verschiedenen Abstufungen erblickt die Väterweisheit alS Bezahlung für die Nichterfüllung der Pflicht den Zehnten abzugeben und vom Teige Challa abzuscheiden. Man ist leicht geneigt ohne den tiefen Blick der Weisen die Wirkung unverhältnißmäßig hart im Vergleich zu der Ursache zu finden. Die Bedeutsamkeit gerade der hier betonten Gesetze von Maaser und Challa, wird uns aber andererseits in einer Weise nahe gelegt, die so weit geht, daß fie die Verwirklichung dieser Bestimmungen sogar als letztes Ziel der ganzen Welt-Schöpfung bezeichnet. An das erste Wort der Thora — mwna — knüpfen fie die Bemerkung: 76m n^yo nun iwm ytopjr mit Rücksicht auf Maaser und Challa sei das ganze Universum geschaffen worden. Zur richtigen Würdigung dieser Momente müssen wir uns über den Umfang des Begriffes -,vyv und r6n, wie er hier verstanden wird, zunächst verständigen. Bekanntlich dürfen die Felder des heiligen Landes nur sechs Jahre bebaut werden, im siebten Jahre bleiben alle Felder brach liegen. Die sechs Jahre werden nun hinsichtlich der Zehntenabgaben vom Ertrag der Früchte in zweimal drei Jahre getheilt. Alljährlich mußte ohne Rücksicht auf diese Zweitheilung 1/i0 des ganzen Ertrags dem Leviten übergeben werden. Dieser Stamm hatte keinen Grund und Boden bet der Vertheilung des Landes, wie die anderen Stämme erhalten, weil ihm die Fürsorge und Obhut des Gotteshetligthums oblag. Dieser zehnte Theil führte den Namen -wya yrto der erste Zehnte. Im ersten und zweiten, sowie im vierten und fünften Jahre dieses sechsjährigen Cyclus wurde nach Ausscheiden des erwähnten ersten Zehnten noch ein zweiter Zehnte ausgeschieden. Dieser war zum Selbstgenuß bestimmt, durfte jedoch nur in Jeruscholajim genossen werden. Dieser Zehnte führte den Namen w -wyo der zweite Zehnte. Im dritten und sechsten Jahre wird statt des zweiten zum Selbstgenuß bestimmten Zehnten, ein Zehnte für die Armen gegeben. — Man nennt denselben wbv irvyv der dritte Zehnte oder gewöhnlich \>y ntw der Armen-Zehnte. Nachdem das Getreide bereits zu Mehl gemah len und zu Teig geknetet worden ist, wird ein Tüetl desselben abgeschieden und dem Kohen gegeben, bevor der Teig zu Brod gebacken wird. — Das ist Challa, und von allen diesen Abgaben, die einzige, die auch für uns außerhalb des heiligen Landes noch zur Erinnerung an die für andere Verhältniffe eingesetzte Institution, in abgeschwächter Form verblieben ist. Alle diese Abgaben find darauf berechnet den Gefahren des Besitzes entgegen zu treten. Damit uns materieller Besitz nicht in den Dienst der Erde und ihrer Güter jocht, ist uns jeder körperliche Genuß unserer Ernte untersagt, bis wir nicht zuerst des Stammes Levi gedacht, dem die Pflege der geistigen Gottesheiligthümer anvertraut ist. porn -uryo. Um selbst den eigenen körperlichen Genuß zu veredle» ist uns in zweiter Reihe geboten, denselben im Mittelpunkt alles geistigen Lebens zu genießen, wodurch selbst der sinnliche Lebensgenuß ein gottesdienstlicher Akt wird, “i»yo. Damit wir unseren Besitz und Genuß nicht engherzig auf das eigene Ich beschränken, hält uns der dritte Zehnt dazu an, der Armen, der Wittwe, der Waise und des Fremden zu gedenken und ihnen zunächst ihren Theil an dem uns von Gott gespendeten Segen zuzuweisen, 'jy wo. Damit das Getreide, welches Gottes Allmacht der Gesammtheit reifen ließ, auch wenn es in den Einzelbesitz getreten und zum Genüsse des Hauses und seiner Genossen nun bereit steht, erst den Dienern des Gotteshetligthums gereicht wird, bevor wir es uns zum Genüsse gestatten, dafür ist uns Challa geboten. Dafür hat Gott Israel sein Land, dafür hat Gott der ganzen Menschheit den Boden gegeben, der sie trägt, und die Früchte, die ihm erblühen. Daß Menschen die Güter, die Früchte, dte Blüthen dieser Erde in den Dienst des Göttlichen stellen und so den Willen Gottes fördern, dafür fällt der Regentropfen nieder, dafür reift der Sonnenstrahl die Frucht, dafür wirkt das ganze Universum harmonisch zusammen, dafür hat Gott die ganze Welt geschaffen ivyv nun nt>n nun. Die Vergeistigung und sittliche Hebung der irdischen Welt für die Hochzwecke des göttlichen Willens sind der erste Beweggrund ihrer Erschaffung sindn'v^'i, und das letzte Ziel ihrer endlichen Vollendung. Wenn die Menschen diesem göttlichen Weltzwecke zuwiderhandeln und die Segensfülle, mit der sie Gott überschüttet, krampfhaft festhalten, wenn sie keinen Sinn und keine Hand für die Güter des Geistes, für die Veredlung des Körpers, für die Noth der darbenden Brüder haben, dann hält auch Gott seine Güter, seinen Regen, seinen Sonnenschein, sein Gedeihen und seinen Segen zurück und die Folge ist mnn bv ajn, Hunger, der aus Dürre erfolgt. Die Dürre hebt das Wachsthum noch nicht vollständig auf, sie beschränkt und vertheuert durch diese Beschränkung die Lebensmittel, so daß