Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 47 (14.6.1894)
- Date
- 1894-06-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXV Sa-rgM. ' M 4$. Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orthodoxe IudenLHum. Bcgründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, de« 14. Juni 5654 (1894). Leitender Artikel. Sprüche der Wäter. Fünftes Buch. XVII_ Mainz, den 12. Juni, rvnuy »bu nyar by D^yV y«« nroyrs wq nyar nw mm Pr aya ^'iryv p’N jnspoi pryo inypö Pr ayi iryp t^»Pr nea a-yar inspoi O'ayi inspD Sr ay-i nPrir. n« P'.dP apri rwa mixa Pn nomo .rwn N'p2 „Sieben Arten Heimsuchungen überkommen dieWelt für sieben v erschied ene Versündigungen. Erfüllen einige die Pflicht des Verzehntens und einige nicht, so kommt Hunger und Theuerung; einige hungern und einige sind satt. Hat man ganz aufgehört den Zehnten zu vergeben, so kommt ein Hunger der Verwirruug und der Theuerung. Hat man dt e Challa abzuscheiden unterlassen, kommt eineHungersnoth der Vernichtung." Wenn es wahr ist, daß die Frage, welche heute alle Geister und Gemüther in erster Reihe bewegt, — die soziale Frage — im Grunde genommen, nichts als eine Magenfrage ist, dann ist der Gegenstand unserer vorliegenden Mifchna wie kaum ein anderer geeignet die allgemeine Aufmerksamkeit aus sich zu lenken. Behandelt er doch die Frage, wie der Hunger in dieWelt kommt und die Unterscheidung von drei Formen, in welchen das Hungergespenst austritt, zeigt, daß die Spruchweisheit der Väter auch die Naturgeschichte des Hungers umfaßt. — Sie .sucht die Quellen des Hungers und Ueberfluffes allerdings nicht da, wo sie nach Ansicht unserer Nationalökonomen und Sozialpolitiker zu finden sein sollen. Ihr gilt der Hunger und eine Reihe anderer Calamitäten nichts als Produkt von Umständen und Verhältniffen, welche in der äußeren Gestaltung und Entwickelung der Dinge ihre Erklärung finden. Sie nennt dieselben: Strafen oder wörtlich! Heimzahlungen, also Ausgleichung von Schulden, die Menschen contrahtrt und nicht eingelöst haben. Diese Calamitäten find somit die Mittel, deren sich der große himmlische Gläubiger der Menschheit bedient, um das, was ihm auf Erden geschuldet wird, bezahlt zu erhalten. Es sind deren hier sieben aufgeführt. Dem Hunger wird unter diesen sieben nicht nur die erste Stelle eingeräumt, sondern jedes seiner verschiedenen Stadien ist als besonderes Verhängnitz aufgeführt, so daß die sieben Calamitäten sich zusammensetzen. aus: 1) Hunger der Theuerung, 2) Hunger der Verwirrung, 3) Hunger der Vernichtung, 4) Pest, 5) Schwert, 6) Gewild, 7) Verbannung. Bei allen diesen Calamitäten forschen die von ihnen Betroffenen sorgfältig jederzeit nach den Ursachen. Man führt z. B. den Hunger auf Mißwachs, auf ungleiche Vertheilung der irdischen Güter, auf das ungesunde Verhältniß zwischen Kapital und Arbeit und auf hundert andere Ursachen zurück. Die Weisheit der Väter unterscheidet sich hier schon in der Fragestellung. Sie frägt nicht nach der Ursache. Diese liegt unter allem Zweifel erhaben in unserer sittlichen Mangelhaftigkeit. Sie zieht daher nur diese in Betracht. Denn ihr sind, wie bereits erwähnt, diese Calamitäten nichts als „Bezahlungen" einer auf uns lastenden Verschuldung. Aus dem Charakter der Bezahlung zieht sie ihre Schlüsse auf den Charakter ihrer Schuld. Ist der Hunger da, so muß auch eine Schuld unsererseits-da sein, womit wir ihn verdient haben. Da nun die Weisen nicht müde werden uns auf die Eigenart der göttlichen Waltung zu verweisen, die immer Maaß gegen Maaß mißt — ib piiv ydd dinw moa — so hat ihre Weisheit nur aus dem Wesen der Kalamität das ihr entsprechende fittliche Uebel zu eruiren, welches auf diese Weise gesühnt werden soll. Während die große Menge bet eintretenden Cala-