Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 45-46 (7.6.1894)
- Date
- 1894-06-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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■ '■-^u.?WT 828 > vermischtes. < Neto-Uork, 24. Mai 2O1Z/2 j"7. 2’y,i ja pns: ntf’Jf’ □££22 nsny. Die Abreise einebedeutenden Mannes aus einer Stadt macht einen Eindruck, sagen unsere Weisen und heute bot sich unseren Blicken eine herrliche Illustration diese- Talmudspruches dar. Der Rev. Dr. PH. Klein trat mittels dehamburgischen Schnelldampfers Columbia eine Europareise an, und diese Abreise gestaltete sich zu einer Kundgebung der höchsten Verehrung, zu einer imposanten Ovation. Alsich vor wenigen Wochen das Gerücht verbreitete, daß Herr Rabbiner Dr. Klein '"J seine Mutter in Ungarn und seine Schwiegereltern in Frankfurt a M. zu besuchen, eine mehrwöchentliche Urlaubsreise anzutreten gedenke, bemächtigte sich der gesammten jüdischen Bevölkerung eine Gefühl des Bedauerns. So sehr hat man sich daran gewöhnt Herrn Dr. Klein ’"J als den Mittelpunkt alles religiösen Schaffens und Wirkens zu betrachten, daß selbst seine temporäre Abwesenheit eine empfindliche Lücke zurückläßt. Kaum 4 Jahre sind es, seitdem Herr Rabbiner Dr. Klein '"5 den amerikanischen Boden betreten, aber schon nach wenigen Wochen seiner hiesigen Wirksamkeit war er so zu sagen zur Are des geistig religiösen Lebens geworden, nicht nur in seiner Gemeinde, sondern der gesammten jüdischen Bevölkerung unserer Stadt, so wie der bedeutendsten Städte der Vereinigten Staaten in tausenden von Meilen im Umkreise. Keine einzige Angelegenheit von Bedeutung wird ohne seine Mitwirkung, ohne seinen Rath und ohne seine maßgebende Entscheidung erledigt. Ruhig und gemessen mit Bedachtsamkeit und Ueberlegung, aber auch mit einer Klarheit, Sicherheit und Entschiedenheit, die aller Welt imponieren, werden alle vorgebrachten, oft verwickelten Angelegenheiten erledigt. Seine meisterhaften begeisterten Predigten wie seine lehrreichen Vorträge fesseln und entzücken die zahlreichen Zuhörer und reißen zur Bewunderung hin. Durch die natürliche herzgewinnende Bescheidenheit und ungeheuchelte Anspruchslosigkeit gewinnt die rückhaltlose Energie an tiefer Wirksamkeit, ohne auf irgend welcher Seite Neid, Mißgunst oder auch nur Unwillen zu erregen. Gleich bei seiner Ankunft wurden ihm sehr verlockende materielle Anerbietungen gemacht, wenn er sich entschließen wollte, den einige Jahre vor ihm aus Rußland hier eingetroffenen 22 77122 Rabbi Jakob Joseph '"2 zu ignoriren. Mit Indignation und Entrüstung wurde jedes solche Ansinnen zurückgewiesen. Um so enger schloß er sich an den 77122 22 an, je mehr er bemerkt, daß deffen Ansehen zu schwinden begonnen hatte und die von ihm getroffenen Einrichtungen dem Untergange entgegeneilten. Das Ansehen und das Vertrauen war bald wieder hergestellt und gehoben, und in völliger Einmüthigkeit wirkten beide fortan zusammen Hand in Hand. Keine Frage von Bedeutung hat der eine ohne Zustimmung des andern entschieden. Bei jeder wichtigen Angelegenheit hört man in Stadt und Land die Namen des 22 und Dr. Klein in einem Athem nennen. Und seitdem leider der Gesundheitszustand des l?7i22 22 erschüttert ist, ist wohl Herr Dr. Klein allein die Seele aller religiösen Angelegenheiten geblieben, aber dennoch wird nichts ohne die Zustimmung des 77122 22 gethan und dieser weiß, daß er ruhig und sicher den Vorschlägen des Herrn Dr. Klein beipfiichten kann und darf. Daher ist es wohl nicht zu verwundern, daß heute, gelegentlich seiner Abreise nach Europa, verschiedene Gemeinden und Vereine theils vollzählig erschienen, theilS durch Deputationen sich vertreten ließen. Eine unabsehbare Menschenmenge war am Deck versammelt, um dem geliebten Lehrer, Führer und Leiter den Abschiedsgruß mit dem innigen Wunsche eines baldigen Wiedersehens zuzurufen. Auch aus der Nachbarstadt Newyork, wo er erst rn den letzten Wochen die 2v'2^-Angelegenheit mit großem Geschick und Erfolg geregelt, war eine Deputation zum Abschied erschienen. Auch der Schreiber dieses, ein stiller aufmerksamer Beobachter, schließt sich dem Wunsch der Menge an, daß er bald zu seiner ersprießlichen Wirksamkeit mit neuer Kraft und neuem Muth zurückkehren möge?) I. F- Feuilleton. Estertra, Königin von Föten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 3.) (Nachdruck verboten.) Der Pan von Wola war ein noch junger Mann, der erst vor kurzer Zeit die ausgedehnten und reichen Güter seines Stammes, durch den Tod seines Vaters geerbt hatte. Er war ein etgenthnmlicher Charakter. Seine Leibeigenen bezeichneten ihn als ein wildes Thier, als ein Geschöpf, der nur Freude hatte an Schmerzen und Qualen, die er anderen bereiten konnte, doch war dies Urthetl wohl ein viel zu strenges. Der junge Pan war überhaupt kein Charakter, er war eine excentrische und dabet weichliche Natur, die sich von der großen Macht, die ihm in so jungen Jahren geworden war, berauschen ließ. Der Vater des Pan hatte erkannt, zu welchen Excessen sein Sohn veranlagt sei und hatte ihn in Folge dessen während der ganzen Zeit seiner früheren Jugend nach den strengsten Maßnahmen erzogen. Vielleicht wäre es dem alten und klugen Herrn gelungen, aus seinem Sohne, dem es nicht an geistiger Veranlagung fehlte, noch einen tüchtigen Menschen zu machen, wenn nicht sein plötzlicher Tod dieses Vorhaben unterbrochen hätte. Johann, der nun aus der strengen Abgeschlossenheit, zu der ihn sein Vater verdammte und aus anstrengender Arbeit heraus plötzlich der unumschränkteste Herr über so viele tausend Seelen geworden war, vermochte nicht diesen plötzlichen Glückswechsel zu fassen. Und wie es stets zu gehen pflegt bet einem jungen und unerfahrenen Mann, der über große Reichthümer zu verfügen hat, es fanden sich sofort eine stattliche Anzahl von Schmeichlern und Speichelleckern bet dem jungen Gutsherrn ein, die jede Thorheit für einen genialen Stretch erklärten und für jede Schlechtigkeit, die er beging, beschönigende Worte hatten oder dieselbe noch gar als eine edle That priesen. Auch an dem Abend wieder, mit dem unsere Geschichte begonnen, hatte *) Anm. d. Redakt. Wir hoffen, daß Herr Dr. Klein uns während seines Aufenthaltes in Europa gütigst einige Mittheilungen über die religiösen Zustände in New-York und über die von ihm entfaltete Thätigkeit zukommen lassen wird. Wir fühlten uns dadurch zu lebhaftem Dank verpflichtet