Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 45-46 (7.6.1894)
- Date
- 1894-06-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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827 niedergelegt habe, so gelobe auch Redner namens der ganzen Gemeinde ihm dem Oberrabbiner unwandelbare Treue. Nun gedachte der Redner des Heimgegangenen Amtsvorgängers in dankbarer Weise und bat den Neuangekommenen sich der so lange verwaist gewesenen Kanzel, sowie der Schule anzunehmen; er versprach hierbei die volle Unterstützung des Vorstandes. Ein wohlgeordnetes Gemeindewesen in allen seinen Institutionen, gepflegt von Männern die sich mit Liebe ihren Aufgaben widmen, beschützt von wohlwollenden Behörden, dessen kann die Gemeinde sich rühmen, möge immer der Geist der Eintracht und des Friedens herrschen. Mit anerkennenden Worten für die Rabbinatsverweser, während der Vacanzzett schloß der Redner seine wohldurchdachte Ansprache. Ein kurzer Gesang folgte hierauf, schließend mit Ditoa ioy n« -pa» 'n in» idj/V ry 'n Mit diesem Vers begann nun S. Ehrw. seine Antrittsrede. Der Redner schien von dem Momente tief ergriffen, aber in fließender Sprache entwickelte sich sehr bald sein mit trefflichen Maten aus Talmud und Midrasch gewürzter Vortrag. Mit Dank für die Vergangenheit und mit Zuversicht für die Zukunft blicke er zum Allmächtigen empor *pa*> ^inn O'NL» Er fasse seine Aufgabe, wenngleich er schon eine Amtsfähigkeit hinter sich habe, nicht leicht auf, man müsse ihm zurufen wie einst derFeldherrJoab seinem Bruder Abischaj zugerufen habe pinru'i pin, der Geist der großen Männer, die hier gewirkt, möge ihm in Erfüllung seiner schwierigen Aufgabe beistehen, es sei keine Herrschaft, die er übernehme, sondern eine Bürde nnay rHx nvrw wie einst '-> gesagt. Mit Liebe und Duldung vereint, mit Wahrheit nicht unter Preisgabe dieser wolle er sein Amt treu zu wahren suchen. Der würdige Redner wies auf den glaubensstarken Stammvater vnnax hin, der auf einer Seite bereit gewesen, sein Bestes auf dem Gottesaltar zum Opfer zu bringen und andererseits mit aller Kraft für das schwer versündigte Sodom und Amora eintrat, indem er sein Gebet zu Gott auf die Erhaltung der Sünder richtete x^>x m»»y r« dp nvy iw Dpon . OM'v -nöy»i Als der große Gesetzeslehrer die heilige Lade öffnen wollte, um die zweiten Gesetzestafeln hineinzulegen da kam ihm der Gedanke, auch die ersten, die zerbrochenen, auf gleicher Stelle zu bewahren; das will uns lehren, daß wir diejenigen, die mit der Religion zuweilen brechen, nicht von uns stoßen sollen inxa i’ny.o nm6 natcn nmH. —Die ehrwürdigen Herren Rabbinatsverweser »«aa pan apy» p mno sowie piiD -nin& begrüßte der Redner als seine Amtsbrüder und bat diese, ihm mit ihrer Gelehrsamkeit und Erfahrung nach Kräften zur Seite zu stehen. „So reiche ich Euch Allen denn die Hand, reichet mir die Eurige" mit diesen Worten beschloß der Redner seine gedankenreiche Antrittsrede. Im Schlußgebet für Kaiser und Reich begrüßte der Redner noch die anwesenden Vertreter der Behörden sowie die Ehrstengäste und schloß selbige in sein Gebet mit ein. Nach kurzer Pause folgten noch zwei Gesänge und das übliche nywn pun womit 71U Uhr das schöne F.st seinen Abschluß fand. Die Gesänge des verstärkten Chores, wenngleich wir im Allgemeinen nbenn nyva das Chor sehr gerne entbehren möchten, waren vorzüglich und können solche als eine Meisterleistung des Dirigenten des Herrn Oberchasan Nathanson gelten, der mit seinem Solo ebenfalls vielen Beifall erntete. — Möge an dem aus dreifacher Wahl hervorgegangenen Herrn Oberabb. Dr. Lerner »nj der dreifache Segen nana in Erfüllung gehen . pm» mnoa ah »inni ,xp» px» pana^ England. P. London, 3. Juni. Vor einigen Wochen erging an den Oberrabbiner Dr. Adler die Anfrage, ob es den Juden erlaubt sei, am Sonnabend sich an den Wahlen für das Parlament zu betheiltgen. Die Antwort lautete dahin, daß zwar ein Verbot für einen Juden, am Sonnabend seine Wahlstimme abzugeben, nicht bestehe, falls damit nicht Fahren, Schreiben oder dergl. verbunden sei, daß aber doch viele gewissenhafte Glaubensgenossen sich der Wahl am Sabbat enthalten würden. Jnbezug hierauf hat Mr. Chamberlain, einer der Führer der Unionspartei, erklärt, daß sicher jedes Mittel angewendet werden solle, um den Wahltag zu verlegen, und womöglich die Bestimmung den Lokalbehörden überlassen werden würde. Am Sonntag, den 27. v. M. wurde in Manchester vor den Präsidenten verschiedener Thierschutz- Vereine ein von Herrn Henry Harris Hierselbst erfundener Apparat zum Niederwerfen des Rindviehs vor dem Schächten ausgestellt. Die Vorrichtung besteht in einem 8 Fuß langen und 5 Fuß breiten Brett, auf welchem das Rind befestigt und bis zu einem gewissen Winkel so in die Höhe gezogen wird, daß die Beine von selbst nachgeben müssen, und das Thier seitwärts auf dem Brette liegt. Abgesehen davon, daß die Methode humaner ist als die jetzt übliche, soll sie auch den Vorzug haben, daß das Schächten schneller vor sich gehen kann. Am Montag Abend gab ein kleiner Knabe, mit Namen Arthur Argiewicz, hier in der Printers Hall sein erstes Concert. Dr. Joachim, der ihm eine vorzügliche Violine zum Geschenk gemacht hat, nennt ihn „einen merkwürdigen Knaben, der eine sehr gute Ausführung besitzt und mit wunderbarem Ausdruck spielt." Dieser Ausspruch läßt auf eine glänzende Zukunft des kleinen Burschen schließen; u. a. brachte er Wteniawskl's Legende, Vteuxtemps Ballade und Polonnaise und Bruches Concert in 6l-Moll zum Vortrage.