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Der Israelit · 1894-06-07 · Heft 45-46 (7.6.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 45-46 (7.6.1894)
Date
1894-06-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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.'«iTj^lU.fl)»J. W.tW^»>.Or_v*«S£--frT.-f 829 der junge Pan wiederum eine große Reihe von Freunden und Standesgenossen in den prunkvollen Gemächern seines Schlosses versammelt. Schon der Vater des Pan war außerordentlich prachtliebend gewesen, sein Sohn aber stattete diese Säle glänzender aus, als es in der Hofburg Kasimir's des Großen der Fall war. Ungeheure venetianische Spiegel, in der damaligen Zeit eine große fast unschätzbare Kostbarkeit, eingeschloffen in Rahmen von echtem Gold zierten die Wände, und die Waffen, die zwischen den Spiegeln aufgehängt waren, zeigten manchen Diamant, der heller durch die Säle schimmerte, als die Kerzen, von denen eine endlose Zahl die Räume erhellte. Der Pan saß mit seinen Genossen am Tisch und so manchen Becher edlen Tokayerweins hatten sie schon geschlürft, und das hatte ihnen die Zunge gelöst und sie in Aufregung versetzt. Es schien indessen auch das Thema zu sein, das hier besprochen wurde, das die jungen Herren erregte. „Es ist eine Schande für ganz Polen", schrie der Pan von Rasny, während der junge Herr von Lasinsky, der nicht in der glücklichen Lage war, ein Gut geerbt zu haben, und nun sich an den Höfen seiner wohlhabenderen Standesgenoffen herum trieb, aus vollem Halse beistimmte und ebenfalls rief: „Es ist ganz unerträglich, dem muß unbedingt baldigst ein Ende geschaffen werden." Was", rief der junge Pan von Wola, und sofort verstummte alles, als der hochangesehne Hausherr das Wort ergriff „Was! sind wir nicht die Edlen Polens, sind denn nicht wir die Herren des Landes? Sollen wir ertragen, daß man uns behandelt, als ob wir Leibeigene wären, oder gar Juden?" „Ja, ja", fiel mit tiefer Stimme der Pater Franziskus ein, der aus dem nahen Kloster herab, das sich an das Schloß des Pan anlehnte, gekommen war, um an dem Gelage des jungen Herrn Theil zu nehmen. „Ja, ja Herr Pan. ihr sagt, man behandelt uns, als ob wir Leibeigne oder Juden wären, wie lange wird ks noch dauern, daß wir arme Christen noch froh sein müssen, wenn uns der König Kasimir überhaupt gestattet, die Leibeignen der Juden zu sein!" „Ihr schwatzt Unsinn", rief der Pan, der in Folge reichlichen Weingenusses seine Worte nicht mehr auf die Wagschale legte. „Was, wir Leibeigne der Juden, was soll das heißen?" „Nun, nun" erwtederte Pater Franziskus, „das ist leider gar nicht so unmöglich, als Ihr denkt. Unser König, der alle Ketzer besonders in sein Herz geschloffen hat, hat den Juden der ganzen Welt gestattet, hierher in unser geliebtes Polen zu kommen. Natürlich bringen sie Schätze mit, ungeheure Schätze, wie es ja diese Nation von jeher verstanden hat, uns Christen auszurauben. „Nun dann nehmt nur einmal an, dort drüben nur einige Hundert Werst von hier ist das Gut des Herrn von Batlansky, der mehr Schulden hat, als er je in seinem Leben wird bezahlen können und der dabei täglich noch große Summen verbraucht. Der Jude wird ihm Geld borgen; nach den Gesetzen des Landes darf er nun auch Güter erwerben soviel er will; der Jude wird nun den alten adligen Herrn von Batlansky von seinen eignen Gütern vertreiben, und sich selbst zum Herrn machen. Will Herr von Batlansky nicht verhungern, so bleibt ihm nichts anders möglich, als auf seinem eignen Gute eine Stelle als Verwalter oder sonst was avzunehmen; kurz und gut gesagt, er wird nach einiger Zeit der Leibeigne des Juden geworden sein. Und so wird es uns allen nach und nach ergehen, bis, wer weiß, sogar nach einiger Zeit ein Jude den Thron von Polen besteigt, und uns alle zwingt, unsrer heiligen Religion untreu zu werden und uns beschneiden zu laffen." Die Tafelrunde lachte hell auf so laut, daß die Waffen an den Winden erbebten von dem überlauten Getöse. „Pater Franziskus wird Jude", rief der Herr von Rosny, nachdem er sich von den. Ausbrüchen seines Lachens ein wenig erholt hatte „Ja, ja, wir alle lassen uns beschneiden," rief da wiederum der Freie von Lubomtrsky, während allein der Pan von Wola ernst geblieben war. „Pater Franziskus hat nicht so Unrecht, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag", rief er nun in die Versammlung, die sofort verstummte, nachdem er das Wort ergriffen. „Er hat bei Gott nicht so Unrecht. Der Jude wird uns von den Gütern vertreiben, und ich sehe die Zeit kommen, wo wir alle noch bei den Juden betteln gehen müssen." Als die Gäste sahen, daß der junge Gutsherr die Sache nicht im Scherze, sondern im Ernste nahm, wurden auch sie ernst, und Jeder der Gäste vermochte irgend Etwas zu sagen, das die Lage noch gefährlicher und ernster darstellen konnte. „Ihr habt ganz Recht, theuerster Pan", sagte der Herr von Rosny, „daß Ihr alle Juden, die in Euer Gebiet kommen, aufknüpfen laßt; man muß jedenfalls das seinige thun, um dieses Volk, so viel als eben nur möglich, zu vermindern, ich bin ebenfalls eurem erhabenen Beispiel gefolgt und habe auch für meine Güter denselben Befehl gegeben." „Wenn alle Adligen so ehrlich und bieder denken würden wie wir, dann könnte König

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