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Der Israelit · 1894-06-07 · Heft 45-46 (7.6.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 45-46 (7.6.1894)
Date
1894-06-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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824 ritz, nach welchem die ganze Zeitlichkeit ins Dasein gerufen wurde, wie könnte somit die Offenbarung der Thora durch die Zeit fixirt werden? Detzhalb hat die Thora ihren Eintritt in den Kreis der Menschen nicht an eine Zeit geknüpft, detzhalb ist das Fest der Thora nicht zeitlich festgestellt, wie alle anderen Feste. — Damit ist aber von vornhinein dem Wahn jede Berechtigung entzogen, der von einer Accomodation der Thora an die Forderungen der Zeit spricht. Wie sollte das Vergängliche, Zeitliche, den Gradmesser und Maßstab für das Unvergängliche, Ewige abgeben können! Nicht dazu hat der Himmel die Erde geküßt, hat der Höchste sich zur Erden-Niedere hinab gelassen, damit das Hohe, Einzige Göttliche sich dem Niveau einer jeder Zeitströmung bequemen und anpaffen solle! Nicht dafür stieg Moscheh empor zu Gott, um vom Himmel das Gesetz unseres Lebens für die Erde zu empfangen, damit nun menschliche Schwäche und irdische Kurzsichtigkeit die Worte des lebendigen Gottes der vorüberflatternden Laune des Tags gemäß zustutzte. Wie die Thora darüber wacht, daß man sie nicht von der Zeit abhängig glaube, tritt sie auch dem Wesen entgegen, als ob je der Geist der Zeit, sie durch Zusätze oder Streichungen vervollkoinmen, d. h. reformiren könne. Und sie tritt diesem Ansinnen nicht erst durch ihr y-on -svin durch ihr Verbot entgegen, nichts hinzuzufügen und nichts von ihr hinwegzunehmen. Sondern bevor sie noch in den Kreis der Menschen getreten war, bekunden dies die Worte, mit welchen der ganze Akt der Offenbarung einleitet. ri2 novb mn iv m vVn iop’i 'nh Vn r6y nwvi — omn on« — Vtoir 03^ noni 3py mb idno .Vni»' 03 bt* "om iLw Dna-in r6x — 'b vnn dtini „Moscheh stieg empor zu Gott; da rief ihm der Ewige von dem Berge um zu sagen: So sollst Du dem Haufe Jakob sagen und den Söhnen Israels verkünden — Ihr habt gesehen, was ich an Mizrajim gethan habe — Ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein, das sind die Worte die Du zu den Kindern Jraels reden sollst." (II. B. M., C. 19, V. 2—7.) Diese letzteren Worte sind scheinbar überflüssig, da ja schon im Eingang gesagt wird, daß dieses Gotteswort zur Mittheilung an Israel bestimmt ist. — Raschi scheint dieser Schwierigkeit entgegen treten zu wollen, durch den Hinweis, daß diese letztere Aufforderung nicht die Mittheilung, sondern die gewiffenhafte treue Wiedergabe der Mittheilung Moscheh zur Pflicht machte. crmm ->nv vb) mnD xb btcw 03!?n -nm tvm „Das sind die Worte, die Du zu den Kindern Israels reden sollst: nicht weniger und nicht mehr. Diese Erklärung Raschi's bedarf jedoch selber der Erklärung. Wie sollte bei Moscheh, dem bewährten Gottesboten die Notwendigkeit vorliegen, ihn besonders zu ermahnen nicht weniger und nicht mehr zu sagen, als Gott ihn zu sagen beauftragt? Fast scheint diese Erkärung noch dunkler als die Schwierigkeit, der sie entgegen treten will. Erwägen wir jedoch Folgendes. — Wenn Jemand einem anderen durch einen Dritten etwas sagen lassen möchte und es ist dem Auftraggeber darum zu thun, daß der Wortlaut ganz genau ohne jede Abweichung inne gehalten wird, so hat das seine große Schwierigkeit, ja es ist geradezu unmöglich. Denken wir uns z. B. der Auftrag laute wortwörtlich zu sagen: „Ich habe Dir viel Gutes gethan, und verlange nun eine Gegenleistung von Dir!" Der Bote will nun diesen Auftrag ausrichten. Er tritt vor denjenigen hin, an den er geschickt ist, und sagt diese Worte, aber keine Silbe mehr und keine weniger, dann sind diese Worte unverständlich für denjenigen, an welchen sie gerichtet sind. Wenn der Bote nicht die Worte hinzufügt: „N. N. läßt Dir durch mich folgendes sagen", so muß ja der Angeredete glauben, der Bote sei derjenige, der das Gute geübt und nun eine Gegenleistung verlangt. Will der Bote aber diesem Jrrthum keinen Vorschub leisten, so muß er darauf verzichten seinen Auftrag wortwörtlich auszurichten. Statt der ihm aufgetragenen Worte: „Ich habe Dir viel Gutes gethan" u. s. w. muß er sagen: „N. N. hat dir viel Gutes gethan und er verlangt nun eine Gegenleistung von Dir!" — Deßhalb leiten auch die Propheten ihre Gottesaufträge mit den Worten: ri idm ns „So hat Gott gesprochen" ein, oder sie bezeichnen durch den Personenwechsel Gott als denjenigen, der sein Wort an die Menschen richtet. Ebenso hätte hier auch Moscheh verfahren müssen, als er von Gott an Israel gesandt wurde, die Worte zu sagen: vr*y itew orvto on« Ihr habt gesehen, was ich Mizrajim gethan habe u. s. w. Moscheh hätte, wenn er den Wortlaut unverändert wiedergebcn wollte die Worte '71 713 hinzufügen, oder Tilvy für 'N'lyy setzen müssen. — In Wirklichkeit war dies jedoch nicht der Fall, da sich die Prophetie Moscheh's von derjenigen aller übrigen Propheten in einer Weise unterschied, die jede Abänderung des ertheilten Auftrags ausschloß, ntyo bw una “pno ircna nrsff Gott selber sprach derart aus Moscheh, daß Gott sprach, wenn Moscheh sprach und Moscheh nur das Organ für die Mittheilung Gottes war. Moscheh war nicht der Bote Gottes, der für Gott sprach,

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