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Der Israelit · 1894-06-07 · Heft 45-46 (7.6.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 45-46 (7.6.1894)
Date
1894-06-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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frXXV. JahrgaW. J\S']45 & 46. Der Israelit Ein Genlrat-Hrgan für das orlhodoXe Iudenlßum. Begründet von Di*. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 7. Juni 5654 (1894). Wir geben heute eine Doppelnummer, da HME Donnerstag, 14. Juni erscheint. Leitender Artikel. Zum Schabuothfeste. Mainz, den 6. Juni. Das Fest der Offenbarung Gottes am Sinai, das wir in wenigen Tagen zum dreitausend zweihundert und siebenten Male feiern, ist unter allen Festen das einzige, welches in der Thora so wenig an eine bestimmte Zeit geknüpft ist, daß sogar eine Meinungsverschiedenheit darüber exlstkt, ob es am 6. oder 7. Sivan war, als die Himmel sich öffneten und Gott der Menschheit auf dem Sinai seine Gesetze verkündete. Während es bei den anderen Festen heißt: am so und so vielten Tag dieses Monats ist das Fest, wird hier nur gesagt, daß wir von dem ersten Sichelschnitt des frühreifen Getreides fünfzig Tage zählen sollen. Der fünfzigste Tag ist das Schabuothfest, an welchem nach der mündlichen Ueberlieserung auch die Offenbarung am Sinai stattfand. Daß die Thora selber sich nicht klar über den Zeitpunkt ausspricht, an dem sie von Gott den Menschen anvertraut wurde, ist eine Schwierigkeit, welche die Weisen Israels vielfach beschäftigt hat. Hierüber sollte man doch glauben, wäre am wenigsten ein Zweifel denkbar. Von den vielen hierhergehörigen Erklärungen lassen wir hier diejenige von Rabbi Elieser Aschkenasi aus seinen! Werke 'n wya folgen. — Von dem Auszug aus Egypten wird uns an einer Stelle berichtet, daß er bet Nacht, und an einer anderen Stelle, daß er bei Tag stattfand. Dieser Widerspruch wird ausgeglichen durch die Ueberlieserung, nach welcher die Nacht, in welcher sich der Auszug aus Mizrajim vollzog, taghell gelichtet war. Er vollzog sich somit zur Nachtzeit, aber bei Tageshelle. Wenn nun jene Nacht taghell erleuchtet war, so mögen am folgenden Tage die des hl. Schabuothfestes wegen die nächste Nummer wunderbar Erlösten mit Recht darüber im Zweifel gelebt haben, ob dieser Tag nicht noch eine Fortsetzung des vorigen sei, da er ja durch keine Nacht unterbrochen worden war, oder ob er dennoch als ein neuer Tag anzuseben war. Zählten sie nun die Tage bis zum Schabuothfeste, so hielten naturgemäß die einen den 6. und die anderen den 7. Sivan für den Tag der Gottesoffenbarung. Ueber den Tag an und für sich war somit nie ein Zweifel, wohl aber darüber, als der wievielte des Monats er zu zählen sei. — Soweit Rabbi Elieser Aschkenasi. - Daß aber über ein so einziges Ereigniß, dem sich ja kein zweites in der ganzen Welt- und Menschengeschichte, was die Bedeutsamkeit betrifft, an die Seite stellen läßt, daß darüber keine ganz genau normirte Ueberlieserung vorliegt, um den Tag j eines Eintritts über alle Zweifel erhaben festzustellen, ja daß die Thatsachen selber dazu führen, um über diesen Zeitpunkt nicht ganz genau unterrichtet zu sein, das alles führt zu der Annahme, daß gerade dieser Unklarheit eine ganz besondere Absicht zu Grunde liegt. — Dieser Mangel jeder Zeitangabe über die Offenbarung der Thora, spricht es vor aller Welt aus: Die Thora steht höher als die Zeit. Die Thora kann nicht durch die Zeit bestimmt werden. Die Thora ist der Maßstab für alle Zeit, aber die Zeit ist nicht der Maßstab für die Thora. — Zeit ist das Maaß für die Bewegung der Wellkörper. Stunden, Tage, Wochen, Monate und Jahre bemessen sich nach dem Stand von Sonne und Mond und ihrer Bewegung. Ohne diese Gestirne ist für uns der Begriff-Zeit nicht denkbar. Die Zeit kann also nicht älter sein, als das Universum mit seinen Himmelskörpern. Die Thora ist aber um neunhundertvierundsiebenzig Generationen älter als die irdische Welt. Sie ist der Grund-

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