Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 44 (4.6.1894)
- Date
- 1894-06-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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i 1'jjßqp.V" 812 Für das kommende Jahr wurden einstimmig gewählt als Vorsitzender: Cohn, Jchenhausen, als Stellvertreter: Neubürger, Fürth; als Ausschußmitglieder Bamberger, Kissingen, Ziemlich, Nürnberg; als Ersatzmänner Groß, Augsburg, Mcyer, Regensburg. Wir schließen den Bericht mit dem Wm-sche, daß der jungen Konferenz eine segensreiche Wirksamkeit immerdar beschieden sein möge. Marburg, 25. Mai. In seiner Nummer vom 9. Januar d. I. hatte der „Reichsherold" Betrachtungen eines hessischen Bauern über die Handelsverträge gebracht und diese nach bekannter Manier als eine Art Opferspende der Regierung für die Judenschaft charakterisirt. In einzelnen Wendungen wurde eine Beleidigung des Reichskanzlers v. Caprivi erblickt, und dieserhalb hatte heute der verantwortliche Redakteur des antis.mitischen Blattes Medelsky, vor der hiesigen Strafkammer zu erscheinen. Der Angeklagte lehnte die Verantwortlichkeit für den inkriminirten Artikel ab, den er nicht einmal durchgelesen habe, und nannte als Verfasser — also den „hessischen Bauern" — den Herausgeber des Blattes Abg. Dr. Böckel. Der Staatsanwalt ließ die Ablehnung der Verantwortlichkeit nicht gelten und beantragte sechs Wochen Gefängniß. Der Gertchthof schloß sich hinsichtlich der Verantwortlichkeit den Darlegungen des Staatsanwalts an, erkannte aber, nur auf eine Geldstrafe von 50 Mark. Coblenz, 25. Mai. Die s. Z. von der hiesigen Staatsanwaltschaft mit Beschlag belegte Schrift „Das auserwählte Volk in Mayen", bildete heute die Anklage-Begründung gegen den Verleger der antisemitischen Zeitung „Koblenzer Volksfreund", Anton Simonis hier. Strafantrag hatten die Synagogengemeinde und 14 jüdische Einwohner in Mayen gestellt. Das Gericht verurtheilte den Herausgeber der Schrift, A. Simonis zu einer Geldstrafe von 150 Mark und sprach den Beleidigten das Recht der Veröffentlichung des Urtheils zu. England. dachten, den Frieden und die Einigkeit zu bewahren und Alles zu vermeiden, was einen doti W>n herbeiführen könnte. Am darauf folgendem Sonntag nahm Seine Ehrw. eine öffentl. Prüfung der Zöglinge der Religionsschule vor und prüfte jedes einzelne Kind mit großer Aufmerksamkeit in den verschiedenen Gegenständen einer Religionsschule. Nach beendigter Prüfung hielt er eine ernste, belehrende Ansprache an die Schuljugend, der er manche praktische und heilsame Winke zur Beherzigung für ihre Gegenwart und Zukunft gab. — Der öffentliche Empfang der Gemeindemitglieder im Gemeindesaal wurde von ihm benutzt, manche Vorschläge zur Verbesserung des Religionsunterrichts zur besseren Frequenz und zur Hebung der Moral und Sittlichkeit u. s. w. zu machen. Ec versäumte auch nicht, am selben Tage das hiesige königl. Strafhaus zu besuchen und einen Mincha-Gottesdienst für die daselbst befindlichen israel. Sträflinge in der Gefängnissynagoge abzuhalten. Die im Beisein der Strafhausverwaltung an die Gefangenen gerichtete Ansprache war eben so feierlich und großartig, als aufrichtig und vom Herzen kommend, daher auch zum Herzen dringend, und dürfte ihre Wirkung auf die Angeredeten nicht verfehlt und gute Vorsätze für ihr künftiges Leben erweckt haben. Nachdem Herr Dr. Adler noch am Montag in einer Sitzung des Comites des Aria College (Seminar) den Vorsitz führte und auch da Heilsames empfahl, verließ er die Stadt in Begleitung seiner würdigen Frau Gemahlin unter zahlreichen Segenswünschen der Gemeinde, die ihm ein baldiges Wiedersehen zurief. Feuilleton. Esterka, Königin von Folen. Historische Erzählung von Hugo Freund. 2.) (Nachdruck verboten.) Portsea, 29. Mai. Auf seiner Pastoral- Rundreise kam Seine Ehrw. Herr Oberradbiner Dr. Adler am vorigen Freitag den 25. d. M. hier an und wurde von dem Vorstande der Cultusgemeinde, des Aria College und anderen Mitgliedern der Gemeinde am Bahnhof empfangen. Den folgenden Sabbat hielt er eine geistvolle und wohldurchdachte Predigt, bei welcher auch protestantische Geistliche und mehrere andere Christen anwesend waren. Er ermahnte die Gemeinde, ein gottgefälliges, religiöses Leben zu führen, die Sabbate und Festtage zu heiligen, das Gotteshaus regelmäßig zu besuchen, die Speisegesetze streng zu beo¬ Jn diesem Augenblicke begann ein feiner Regen sich von dem nun vollständig umwölkten Himmel nieder zn senken; es war einer jener Landregen, die nur in ganz dünnen Strahlen ihr Wasser entsenden, die aber unaufhörlich fort dauern, viele Stunden lang, ohne Unterbrechung. Tapfer schritten die Beiden auf dem Wege dahin. Auf dem Wege?! Man ist so geneigt, bei diesem Worte sich die schönen chaussirten Straßen unserer Zeit vorzustellen. Davon war selbstverständlich in den damaligen