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Der Israelit · 1894-06-04 · Heft 44 (4.6.1894) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 44 (4.6.1894)
Date
1894-06-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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810 bedarf, gerade der Gefahr ausgesetzt, deshalb nicht für weise gehalten m werden, weil er mit dem Bekenntniß seiner Unwissenheit nicht zurückhält. Es ist daher begreiflich, warum unter den gewiß vielen empfehlenswerthen Eigenschaften gerade die genannte hervorgehoben wird. Sie sollte vielleicht weniger den zu Empfehlenden empfehlen, als denjenigen rechtfertigen, welcher die Empfehlung ausstellt. Wenn Rabbi Elieser aus seiner Unwissenheit keinen Hehl macht, und dadurch den Gedanken erweckt, er zähle gar nicht zu den Weisen, so mag diese Empfehlung diejenigen, an welche sie gerichtet war, bestimmt haben, nicht nach dem Schein zu urtheilen. Der wahrhaft Weise hat in der That nichts riskirt, wenn er der Wahrheit die Ehre giebt, und von einer Sache, die er nicht versteht, seine Unkenntniß zusteht. Es giebt eine solche Unzahl vcn G.'legevhetten, bei welchen er sich als Weiser bekundet, daß die Ausnahme die Regel erst bestätigt, Das geringere Wissen des macht ihn rechthaberisch und nöthtgt ihn sein bischen Recht und Wissen beisammen zu halten. Er wacht daher eifersüchtig über dem Fond von Wissen und Wahrheit, über den er verfügt; er kann nicht viel davon entbehren. Wir finden daher in den Schriften unserer großen Weisen wiederholt die überaus charakteristische Bemerkung, nt -dt x3 hd jnr *rx ctnsb jnr ’j’N „Diese Sache weiß ich nicht zu erklären," „ich weiß nicht, was uns hier gelehrt werden soll" und viele ähnliche. Wenn sonst Commentatoren, Autoren und Gelehrte jeder Art, denen diese göttliche Weisheit abgeht, in den Werken, die sie erklärt, in den Problemen, die sie behandelt, Schwierigkeiten entgegentreten, die sie nicht zu lösen vermögen, so gehen sie stillschweigend darüber hinweg. Daß sie aber selber sagen sollen, das und das habe ich nicht verstanden und so erst den Leser auf die eigene Unwissenheit aufmerksam machen sollen, das dürfte sich außerhalb unseres heiligen Schrtftthums nicht allzuoft finden. Bei unserer noxn ’ddh findet sich dieses Bekenntniß fast auf jeder Seite ihrer Schriften : ipTi ,wnvn ,ivy *ps tcn sind stehende Ausdrücke in der talmudischen Literatur, in welche unsere großen Meister das Bekenntniß ihrer Unwissenheit niedergelegt haben. Was haben aber die Weisen durch dieses selbstlose Bekenntniß der Wissenschaft der Thora für einen großen Dienst geleistet! Wo unsere leuchtenden Vorbilder in diese und ähnliche Bemerkungen das Bekenntniß der eigenen Unzulänglichkeit gekleidet haben, war dies für die Jünger aller folgenden Generationen ein mächtiger Sporn, sich an dem zu versuchen, was dem Meister zu bewältigen nicht gelungen war. Und da jeder seinen Thetl an Gottes Thora hat, und oft dem Begabteren etwas nur deshalb versagt wird, um dem minder Begabten eine Gelegenheit zu bieten, sich auch seinen Theil an der Thora zu sichern, so haben gerade diese Piecen die mannigfachste, vielseitigste Behandlung erfahren, deren Schwierigkeit den großen Weisen das Bekenntniß »nyo» x^, „ich verstehe es nicht", abgerungen hat. Das Bekenntniß, die Wahrheit nicht erfassen zu können, wird aber noch durch das Gfftändniß des eigenen Jrrthums überboten. Das ist das letzte Markenzeichen, an dem man den osn erkennt mioi noxn by „Er erkennt die Wahrheit an." Der oto ist unfehlbar, er darf nicht irren und glaubt durch Bekenntniß eines Jrrthums seine Grandezza für alle Zeit geschädigt. — Jn Aboth d. Rabbi Rath nt wird im Hinblick auf unsere Mischnah auf unseren größten Lehrer hingewiesen, wie er der Wahrheit die Ehre gab, ja wie Gott selber das von Menschen geäußerte billigend anerkennt, n’ön ’^x 'n töxt 'xw nffD nt noxn by mix» mn p -toxi» ntsxn by mm n'Dpn pi nm tpx (rb 's rm nnx) nron nns^ Von unserem Lehrer Moscheh wird uns ferner berichtet, daß er einen begangenen Jrrthum nicht etwa auf seine Unkenntniß, sondern auf seine Vergeßlichkeit zurückgeführt, ja daß er öffentlich seinen Jrrthum als solchen bekannt gemacht und sein Bruder Ahron als denjenigen bezeichnet habe, dessen Belehrung er die Entdeckung und Beseitigung dieses Jrrthums verdanke. tbx^ wd »d x^t mm vrya ddt nov yv«"i x'Lin (x"p ö'öat) mron myop tox x^x myotp x^> mx pnxi n^mn nx »rryo ’Jx tdxi njnon tns 's nm xip’t tmo) 'b nm'in xn Zeitnugsrrachrichten «ud Corresponderrzerr Deutschland. Darmstadt. Durch den Verlust einer edlen, für das Gedeihen unserer Gemeinde begeisterten Frau wurde die hiesige Jsr. Reltgionsgesellschaft in tiefe Trauer versetzt. Frau Rebecka Mayer wurde nach längerem Leiden in der vorigen Woche ihrer Familie entrissen. Als Tochter des in weiten jüdischen Kreisen durch seine Frömmigkeit und Gastfreundschaft hochberühmten Josef Sender y'xt in Biebrich hatte die edle Verstorbene die vielen Tugenden des Elternhauses geerbt und in schönster Weise in ihrem eigenen Hause bethätigt. Als wahrhafte n^x, als treffliche Erzieherin ihrer Kinder und als überzeugte Anhängerin unserer Gemeinde hatte sie sich daher die Liebe und Verehrung aller, die sie kannten, erworben, und die

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