Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 44 (4.6.1894)
- Date
- 1894-06-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448451--38646-2486762- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WMWMWWMMW rp^pp^Bl.w4^>.nj| jj«»j!. 809 genösstschen Jünger höher und vollendeter als diejenigen früherer Zetten, und sind auch vielleicht in Wirklichkeit zu dieser Annahme berechtigt. Die Medicin, die Astronomie, besonders die Naturwissenschaften haben so ungeahnte Fortschritte zu verzeichnen, daß der Mediciner, der Astronom 2c. von heute den wissenschaftlichen Standpunkt der früheren Jahrhunderte als einen überwundenen bezeichnet. Er steht auf den Schultern seiner Vorgänger, er hat sich ihre Forschungen angeeignet, aber er steht dennoch über ihnen. Die üu»mi in der Zeit sind die D\nnN im Rang und die du-wim in der Zeit sind demgemäß im Range die ouino. Das liegt in der Entwickelungs- und Vollendungsfähigkcit jeder menschlichen Wissenschaft begründet. Bei der Wissenschaft der Thora liegt dasVerhältniß umgekehrt. Hier heißt es: \n ounwn dn 'Di D'ttw ’23 um d’smVd „Wenn die Altvordern Kinder von Engeln waren, dann sind wir Kinder von Menschen u. s. w. (Talmud Sabbat fol. 112b.) Die Wissenschaft der Thora ist eben keine menschliche Wissenschaft, sondern eine von Gott gewordene Offenbarung. Moscheh empfing die Thora unmittelbar von Gott, und in gewissem Grade auch ganz Israel, als sich ihm Gott am Sinai offenbarte. Josua, der die Thora von Moscheh empfing, die Aeltesten, welche sie von Josua Hinnahmen und sie dann den Propheten überlieferten, von wo sie an die Männer der großen Versammlung überging, jede nachfolgende Generation war von der Quelle am Sinai weiter entfernt, als die vorhergehende. Je weiter zurück, desto näher ftanden sie der Wahrheit, desto unmittelbarer war ihre Kenntniß und Erkenntniß der Thora. Hier sind die Ersten in der Zeit auch die Ersten im Range, und die letzten in der Zeit auch die letzten im Range. Eine gedankenlose Zeit, die sich leichtsinnig über die Errungenschaften der Vergangenheit hinwegsetzt und die Altvorderen die Altväterischen nennt, dünkt sich erhaben über die Gedankenarbeit der hinter ihr liegenden Generationen. Ihr gelten die ü’Jwxi als ounnM. Die Altmeister der Vergangenheit rangirt sie als die letzten, unter diejenigen, welche das geistige Inventar der Menschheit bereichert haben, sich selber dagegen wirft sie in die Brust und hält die Anmaßung, mit welcher sie die kritische Sonde an die jüdische Wissenschaft und ihre Träger legt, für den Ausbund Aller bis jetzt unerreichten Weisheit. Als D3n legitimirt sich nun derjenige, der sich durch dieses Gebühren nicht beirren läßt, pnx ynnx Vyi inwo ptwo by ivix» und das Kind beim rechten Namen nennt, indem ihm die Früheren als die Ersten und Späteren als die Letzten gelten. Der otoa kann das nicht gelten lassen. Er würde sich ja selber degradiren, wenn er das anerkennen wollte. Ihm, der keine Götter neben sich, geschweige denn über sich duldet, ist die geistige Ueberlegenheit der großen Altmeister unerträglich. Er schmäht sie zurückgeblieben, veraltet und überwunden, um sich selber dann unter die allen voranziehenden, Bahn weisenden Sterne rangiren zu können. Diese verhängnißvolle falsche Rangirung entspringt allerdings der Ueberschätzung des eigenen Ich, aber sie geht weit über dasselbe hinaus. Sie rüttelt an den Fundamenten, auf welchen unser ganzes Gottesbewußtsein und alle Menschenwürde ruht. Während unsere überlieferte Wahrheit z. B. den ersten Menschen unmittelbar aus Gottes Hand hervorgegangen, und ihn daher mit allen Vorzügen des Körpers und Geistes derart ausgestattet lehrt, daß sein Glanz den Sonnenball überstrahlt, degradirt ihn die zeitgenössische Naturwiffenschaft zum Affen. Ihr ist der erste Mensch, weil er eben der erste ist, im Range der tiefste und letzte, und jeder nach Jahrtausenden ihm entsprossene Golem unserer Tage, dünkt sich über den Ahn des Menschengeschlechtes so erhaben, wie der Mensch über dem Affen erhaben ist. Ist der Mensch nichts als ein höher organistrtes Thier, dann steht der letzte Mensch höher als der erste. Ist es aber der göttliche Funke, der den Menschen zum Menschen macht, für den auch die irdische Hülle geschaffen und gegliedert ist. dann ist der erste von Gottes Allmacht unmittelbar tn's Dasein gerufene Mensch, der erste nicht nur der Zeit, sondern auch dem Range nach. — Diesen Standpunkt trotz einer anmaßenden Afterwissenschaft, die übrigens, wenn nicht alle Anzeichen trügen, ihren Höhepunkt bereits überschritten hat, unentwegt zu behaupten, das kennzeichnet den 0311, das Gegentheil den TiyDv mb iDiN yüv xbv no by) „Was der Weise nicht gehört (oder nicht verstanden hat), sagt er, er habe es nicht gehört (oder nicht verstanden)". — Dieses sechste Kriterium eines ddpi bekundet schon eine das gewöhnliche Niveau hoch überragende sittliche Vollendung eines Weisen. Im Talmud Jeruschalmi Perek IV) ist uns der Wortlaut eines Empfehlungsschreibens erhalten, welches Rabbi Jehuda Nesiah dem Rabbi Elieser ausgestellt hatte. Dasselbe hat folgenden Wortlaut: moi toa mx 03^> nn ’nycv x^> »d irx» ir^nj „Wir senden euch hier einen großen Mann, seine Größe besteht darin, daß er sich nicht schämt zu sagen, ich verstehe nicht." Die große Menge ist leicht geneigt, denjenigen, der seine Unwissenheit bekennt, für alles andere eher zu halten, als für einen D3n. Der hervorragende Weise, welcher diese sittliche Größe besitzt, ist an unbekannten Orten, für die er eine Empfehlung